18
Feb
2012

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Traumbild 2

220px-Nicolae_Ceausescu
Er träumte von Erich Honecker.
Und dieser benahm sich höchst sonderbar. Honecker trat auf wie ein Rocker und haute sozusagen auf den Putz. Er wollte ihn beeindrucken und gab an wie ein Lottomillionär. Und er bemühte sich regelrecht um ihn.
Honecker lud ihn auf eine Autotour vom Süden über die Elbbrücke bei Dresden (dort befand sich eine große Windmühle) über eine Autobahn flugs bis nach Hamburg ein. Honecker wollte mit ihm zur Reeperbahn zu einer Erotikshow.
Er war ablehnend gegenüber Honecker.
Doch dann zeigte ihm dieser sein Auto. Und da handelte es sich um ein komisches Vehikel. Die ganze Wagenkolonne mit der Honecker normalerweise fuhr, war zusammen geschoben wie die Einkaufswagen eines Supermarktes im Eingangsbereich. Übrig blieb ein Zweisitzer vorn wie eine Lokomotive und hinten die vielen Autos der Kolonne daran gesteckt wie die Waggons eines Zuges.
Honecker saß auf dem Fahrersitz, die Beifahrertür war geöffnet, er beugte sich vor und lud ihn lachend ein.
Da stieg er in dieses Auto, die Tür wurde von außen zugeschlagen und ab ging die Post.
Bei der Windmühle sagte Honecker, da würde der tote Diktator Ceausescu davor liegen, eine Sehenswürdigkeit.
Ihm fiel auf, dass Honecker das Land betrachtete wie eine Spielzeuglandschaft, und er versuchte dem Manne seine falsche Weltsicht zu erklären.
Ihr, sagte er, und er meinte die Funktionäre, denkt das ganze Land wäre euer Eigentum. Und auf einmal fuhren sie durch die Schorfheide, ein großes Waldgebiet... dort in der Nähe hatte er seine Kindheit verbracht.
Er erklärte, wie er mit seinem Vater Pilze sammeln war in diesem schönen Wald und da war ein riesiges Gebiet eingezäunt, so weit man nur sehen konnte, das war das Jagdgebiet von Erich Mielke und Walter Ulbricht gewesen.
Sein Vater hatte gelacht und gesagt, hinter dem Zaun sind die besten und meisten Pilze, da sammelt niemand Pilze, aber da dürfen wir nicht rein... er als Kind habe nur gestaunt wie hoch der Zaun war... der Vater hatte gefragt, ob sie hinüber klettern sollten, allerdings könnten Soldaten kommen und schießen...
Honecker war das Thema irgendwie peinlich und fuhr plötzlich wieder an der Mühle vorbei und wollte ihm den toten Ceausescu zeigen...
Honecker sagte, Gorbatschow hatte auch eine Luxusdatscha gehabt, eigens für ihn und seine Frau gebaut... in diesem Moment fiel ihm ein, dass er diese Information im Fernsehen gesehen hatte, und jetzt war er in einem Traum und wusste sogar, warum er das träumte, als stünde er wach daneben und erkläre sich seinen eigenen Traum...
Honecker sagte, Gorbatschow hat alles kaputt gemacht mit seinem "Wer zu spät..." und dann wusste Honecker nicht, wie der Spruch weiter ging - und er wusste das auch nicht, das machte ihm den Traum ganz unruhig, dass er beinahe wach wurde...
Schnell fragte er, wie heißt denn Gorbatschow mit Vornamen?
Michail Sergejewitsch, sagte Honecker.
So war der Traum quasi gerettet, und es ging weiter.
Auf einmal bat ihn Honecker, ob er ihm nicht helfen könne, er wolle ein Tagebuch schreiben für seine Enkelkinder, ob er nicht Korrektur lesen könne...
Nein, das könne er gar nicht, antwortete er und enttäuscht fuhr der Rocker Honecker mit einem Motorrad fort, wahrscheinlich allein nach Hamburg zur Reeperbahn - und er wachte auf.

Er schaute sich um, es war noch gar nicht hell, der Wecker stand auf halb sechs.
Er verschränkte die Arme hinter dem Kopf und dachte etwas über seinen Traum nach und war immer noch irgendwie Traum verloren...
Der Spruch von Michail Sergejwitsch hieß, "wer zu spät kommt, den bestraft das Leben", fiel ihm jetzt ein, und der Gorbi ist selbst zu einem Opfer dieser Weisheit geworden, als würde er sich immer noch mit Honecker unterhalten, darüber wurde er endgültig wach...

Gute zwei Stunden später saß er im Sessel, es war hell, die Katze lag in seinem Schoß und schlief, während er die Zeitung las und da stand eine Rezension über eine Neuveröffentlichung (posthum), ein Tagebuch Erich Honeckers, das er während seines Gefängnisaufenthaltes in Moabit geschrieben hatte. Er war da schon schwer krank gewesen und vor allem in Sorge, ob seine Frau Margot das Tagebuch auch lesen könne wegen seiner schlechten Schrift. Es ginge um private Erinnerungen in der Familie für die Enkelkinder, weniger um politisches...

Er faltete die Zeitung zusammen, hörte einem Geigenstück im Radio zu, das war von Bach, kraulte das Katzenfell, sah aus dem Fenster und dachte, wieso träumte ich von Honeckers Tagebuch und las erst danach erstmalig in der Zeitung davon?
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das sagtest du schon öfter :-) du weißt...
HARFIM - 18. Mai, 12:22
Ja, ja, die Merkel,
die ist ja noch schlimmer als die Religiösen :-))...
HARFIM - 17. Mai, 12:06
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