Kätzchen

Die Katze sitzt da in sich selbst ruhend. Ich bin ein seltsames Wesen in ihren Augen. Die Katze versucht mich zu ergründen. Sie hat keinen Stress dabei. Sie schaut mir einfach zu. Würde ich mich jetzt mit Benzin übergießen und anzünden, würde sie sich nicht von der Stelle rühren, sondern schauen. Vielleicht würde sie ein Stück beiseite gehen, wenn es zu warm wird. Und sie würde sich dann lecken. Sie ist satt und zufrieden.
"Na komm, Kätzchen", sage ich und klopfe auf meinen Schoß.
Sie schaut. Sie kommt nicht.
Ich wiederhole mich.
Nix.
Einfach gucken. Sitzen.
"Dann eben nicht", sage ich und wende mich dem Monitor zu. Und schreibe...
Ein Mann ruft an. Seine Stimme ist brüchig wie vergilbtes Papier. Er ist offenbar einfach zu alt und zu müde zum Sprechen. Aber er gibt sich einen Ruck.
"Hallo", sagt er, "spreche ich mit Herrn Timm?"
Er hatte vielleicht Monate lang darüber nachgedacht, mich anzurufen. Ein einsamer alter Mann, der früher mal so das Sagen hatte. Jetzt hatte er viel Zeit zum Nachdenken. Und so rief er mich an.
Hallo, sagt er, spreche ich mit Herrn Timm?
"Ja", antworte ich, "Timm."
"Entschuldigen Sie, wenn ich Sie belästige", sagt er, "aber legen Sie bitte nicht auf."
Ich höre, dass er sich seine Sätze gut überlegt hatte. Denn normalerweise würde ich auflegen, aber nun stutze ich doch.
"Worum geht es?"
"Mein Name ist Möller", spricht der Mann, "ich bin achtzig Jahre alt, und ich suche eine Frau, die mal nach dem Krieg bei einer Familie Timm arbeitete, sie putzte da." Er hält inne und fügt plötzlich hinzu, "sie hieß damals Annie Reimer."
"Ach, das war vor fünfundsechzig Jahren."
Und ich bekomme einen kleinen Schreck.
"Ja, ja", der Mann Möller fällt mir ins Wort, "und sie wanderte vor sechzig Jahren aus nach Australien."
"Und seitdem haben Sie die Frau aus den Augen verloren?"
"Ja", sagte der Mann, "eine Jugendliebe, es quält mich... "
Dann schweigt er.
Ich auch.
Dann räuspere ich mich.
"Es tut mir so Leid, unsere Familie lebte nach dem Krieg gar nicht in Berlin, erst seit den neunziger Jahren wohne ich hier."
"Ja", sagt der Mann, auch nach einem Räuspern, "entschuldigen Sie noch mal. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag."
"Danke, ich Ihnen auch."
Er legt auf.
Ich überlege. Da hat einer so das Sagen gehabt sein ganzes Leben. Und darüber ist er achtzig geworden. Und jetzt ist das alles nichts mehr wert. Und er sucht seine Annie. Eine menschliche Tragödie, oder was ist das?
Die Katze springt plötzlich auf den Schreibtisch und macht vor dem Monitor einen Buckel, den Schwanz steil in die Höhe.
Sie springt auf meinen Schoß und maunzt und stößt mit dem Köpfchen gegen meine Hand. Ach du, mein Kätzchen...
Bald wird es Frühling.
HARFIM - 22. Feb, 14:20
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paula (Gast) - 29. Feb, 14:13
hach,
ich freue mich immer wieder hier und da von einer katze in den geschichten zu lesen und manchmal ibt es sogar noch ein foto oben drauf ;-) liebe grüße
HARFIM - 29. Feb, 15:03
Smile,
der Katze geht es gut, Paula, nehme ich mal an und wir grüßen beide auch ganz lieb:-))
Bonjuk macht jetzt jeden Tag Sport: ich habe einen Laser Pointer gekauft und da jagt sie dem roten Punkt hinterher durch die ganze Wohnung... sie hat zwar durchschaut, dass es alles nur Imagination ist, aber liebt halt das Spiel, das Jagen heißt...
Bonjuk macht jetzt jeden Tag Sport: ich habe einen Laser Pointer gekauft und da jagt sie dem roten Punkt hinterher durch die ganze Wohnung... sie hat zwar durchschaut, dass es alles nur Imagination ist, aber liebt halt das Spiel, das Jagen heißt...


immer etwas:-)
Und die Katze wäre keineswegs gleichgültig,
wenn du in Flammen stehen würdest. Katzen retten
sich sogar gegenseitig. Einmal war Cara aus Versehen
im Schrank eingesperrt und ich war nicht zu Hause. Josie
hat Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, um ihre Schwester
zu retten:-)