1
Feb
2015

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Na denn

alter Text, nur ein bisschen bearbeitet :-)

C. ruft an. Ob ich nicht Lust hätte, gemeinsam etwas zu unternehmen. Eigentlich nicht, denke ich und schaue auf die Tasten des Klaviers. Ich wollte, ich könnte eine verträumte Jazzmelodie improvisieren. Das kann ich aber nicht.
„Tja“, antworte ich laut, „woran hast du denn gedacht?“
„Wir könnten uns warm anziehen und durch den Tierpark spazieren gehen“, sagt C.
„Uff, in dieser Kälte bleibt man besser zu Hause“, meine Worte tröpfeln missvergnügt und müde.
O mein Gott, denke ich und grinse vor mich hin, das ist ein verdammt schiefes Bild.
„Zu Hause sterben die meisten Menschen“, warum hat C. immer nur diesen gequält nörgelnden Unterton in der Stimme wie eine gekränkte Ehefrau. Sie ist doch gar nicht meine Ehefrau und wird es mit Sicherheit nie werden.
„Ja“, sage ich gedehnt und unterdrücke ein Gähnen, „ich würde auch ganz gern zu Hause sterben.“
„Na, was machst du denn über Ostern?“ C. bohrt ihre Frage in mich hinein, ich fühle mich verletzt.
„Ostern, wie kommst du denn auf Ostern?“
Meine Güte, wir haben Anfang Februar.
„Na, Ostern ist der nächste Höhepunkt des Jahres.“
Höhepunkt!
Ich überlege.
„Auf der Couch herum hängen, Filme gucken oder so, Ostern kommen doch hoffentlich gute Filme.“
„Weißt du was“, meint C. mit einer Stimme, die wieder einmal alles besser weiß, „du musst dich zusammen reißen, das ist das Problem.“
„Was ist das Problem?“ Ich gebe mich begriffsstutzig.
„So etwas liegt in den Genen, Faulheit kann man aber auch überwinden.“
„In den Genen, das ist mir ja das neueste.“
„Ja, wir haben das alle in den Genen, man kann kaum etwas dagegen machen, wenn man sich nicht einfach einen Ruck gibt.“
Ich lausche ihren Worten. Sie betreibt mal wieder Familienpsychologie. Das Problem ist in Wahrheit, dass ich mir nicht unbedingt mit C. zusammen diesen Ruck geben möchte.
„Ja“, antworte ich dann, „ich warte noch bis es wärmer wird mit dem Ruck...“
„Na, wie du meinst“, quengelt C.
Ich lege erschöpft auf.

Dann frage ich im Internet nach, was im Fernsehen kommt. Immer wenn ich da ein Programm anklicke, schiebt sich plötzlich ein aufdringliches Werbefenster über den Bildschirm: Crazy Cheese Pizza. Man hat Mühe das weg zu klicken. Hiermit rufe ich alle Leser auf, nie Crazy Cheese Pizza zu kaufen, außerdem sich keine Notebooks schenken zu lassen, auch wenn sie dazu auserwählt wurden gerade in dieser Minute, wenn sie schauen wollen, was im Fernsehen kommt. Und wenn ich schon mal dabei bin, rufe ich alle auf, nie wieder Filme mit Iris Berben, Heiner Lauterbach und Veronica Ferres anzuschauen... selbst zu Ostern nicht.
Auf einmal finde ich eine Mail.
Eine elitäre Partnerschaftsvermittlung schreibt mich an, dass genau heute mein Tag ist, nie wieder würde es so billig sein, ob ich denn weiß, dass „Gegensätze sich anziehen“, ich soll mal kostenlos vorbeischauen.
Das ist ja ein Ding. Ich rufe die Seite auf.
Ein Foto spring mich an, so eine Schöne sieht man aber auch selten. Und schon geht ein Chatfenster auf.
„Hallo, ich bin die Siegi, wer bist denn du?“ Und dann dieses Bild.
„Ich bin der olle herb. Erzähl doch mal was von dir.“
„Also ich bin süße 23 Jahre alt, ganz knackig und liebesgeil, ich habe mehrere Sprachen studiert, meine Vorliebe ist französisch, ich bin reich, weil ich eine Erbschaft von einem Großonkel gemacht habe und suche einen Mann für alles Schöne auf der Welt – und nun erzähl von dir.“
Missmutig schaue ich in den Spiegel an der Wand. Dann schreibe ich:
„Ich bin dein Gegensatz.“
Kurze Pause. Auf einmal geht das Chatfenster zu.
Komisch, sie haben doch geschrieben, Gegensätze ziehen sich an.
Das hat mich ermüdet, und ich schalte die Kiste aus.

Man könnte, überlege ich, einfach mit der linken Hand eine Begleitung in einer Tonart wählen und dann rechts ein bisschen in dieser Tonleiter herum klimpern. Dann geht man schnell in eine andere über, einfach strömen lassen.
Ich gehe zum Klavier, da läutet das Telefon.

Meine Kleine ist dran.
„Rufst du zurück, Papa?“
Das Luder will wieder die Telefonkosten sparen. Sie ist gleich dran.
„Das Baby ähnelt immer mehr Winston Churchill“, sie kichert dort im fernen Irland in den Hörer.
„Churchill war ein guter Mann, oder nicht“, sage ich.
„Außerdem rülpst das Baby wie ein Bierkutscher“, sie kichert immer noch.
„Und was noch?“
„Es schreit, wenn es Hunger hat, da wackelt das Haus.“
„Es wird ein irischer Folksänger“, erläutere ich.
„Was machst du eigentlich heute?“ fragt sie.
Ich überlege.
"Ich gehe heute in die Mitternachtssauna, dann fahre ich mit dem Bus durch die kalte Nacht, die lange Nacht der Museen, das machen sie doch immer. Ich laufe durch mindestens zehn Museen.“
„Und dann?“ fragt sie.
„Dann schlafe ich“, ich überlege, „und morgen gehe ich in den Tierpark und anschließend schön essen.“
Ich mache ein Pause, meine Kleine schweigt.
„Ja, und am Sonntag gehe ich in ein Konzert am Gendarmenmarkt.“
„Wow“, kommentiert meine Kleine.
„Und am Montag machen wir mit Schwester und den Brüdern samt Ehefrauen und den erwachsenen Kindern einen ausgedehnten Brunch...“
„Jepp“, sagt sie.
„Und was macht ihr?“ frage ich.
„Nichts“, sagt sie, „wir hängen hier auf der Couch herum und gucken Filme, ist doch viel zu kalt draußen.“
„Das liegt in den Genen“, bemerke ich und versuche den Tonfall von C. nachzumachen, „ihr müsst euch mal einen Ruck geben...“
„Papa?“ höre ich da die ferne Stimme aus Irland...
„ja?“
„In Wirklichkeit machst du doch nichts von allem, was du da erzählst.“
Ich räuspere mich, „jedenfalls spiele ich noch ein wenig Jazz auf dem Klavier.“
„Das kannst du doch gar nicht.“
„Schluss jetzt“, sage ich, „macht euch schöne Tage, tschüss.“
Wo kommen wir denn hin, wenn einen schon die eigenen Kinder durchschauen!

Ich lege auf und gehe ans Klavier und schlage einen Ton an. Cis, das hohe Cis. Der Ton klingt durch die Wohnung wie ein einsamer Schmetterling, der friert.

Dann drehe ich mich um. Die Couch lächelt und streckt die Arme aus vor Sehnsucht nach mir... die alte Schmusekatze mit ihrer grauen Wolldecke.

Na dann, schönen Sonntag noch.
42

31
Jan
2015

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Putin, der olle Islamist

Frau Berg fragt sich was :-)

hier
24

29
Jan
2015

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Facebook Konto endgültig löschen

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66

Die Tür (bearbeitet)

Die Tür ist zu.

Endgültig, Madame möchte allein sein, Madame braucht ihren Schlaf und eine muss ja hier schließlich das Geld verdienen, der Herr kann gern länger schlafen, der Herr geht ja nicht arbeiten, der hat es gut... sie sagt das nicht, aber sie denkt es, er könnte wetten drauf. Er sieht das an ihren Blicken, Madame kann nämlich auch lautlos sprechen.

Es wäre doch besser, getrennt zu schlafen, dann er ja noch nachts arbeiten, wenn er eine Idee bekommt wie ein Geschenk, dann könne er los schreiben und müsse nicht auf sie Rücksicht nehmen, er sei ja schließlich kreativ tätig, so hatte sie es vor Monaten vorgeschlagen.
Und das hatte sie sogar laut und deutlich gesagt!

Er hatte aber an ihrem Blick gesehen, dass sie etwas anderes gedacht hatte. Was hatte sie gedacht? Madame wird ihm ewig ein Rätsel bleiben.
Aber er liebt sie doch. Eigentlich ist alles, was er tut, nur für sie.
Weiß sie das überhaupt?

Getrennte Schlafzimmer machen erst eine gute Ehe möglich, wo jeder seine Freiräume hat, das stimmt, das haben einige kluge Leute für sich schon entdeckt, warum nicht.
So hatte er sich geäußert – und dann ihren Blick gesehen.
Und kam sich irgendwie ertappt vor und ja, verlogen.
Kaute er nicht andauernd auf irgendwelchen klugen Sprüche von irgendwelchen klugen Leuten herum wie auf abgenutzten Kaugummis?

Max starrt vor sich hin und der Bildschirm leuchtet sein fahles Licht in die Stube als handle es sich um das Bühnenbild eines Fernsehspiels irgend eines von den dritten Programmen, die meist nachts um eins gezeigt werden. Er selbst sitzt da als schwarze und stumme Figur, welche die Einsamkeit an sich verkörpert... er fühlt sich so wie ein Scherenschnitt auf einer Milchglasscheibe... eine Figur, die er eigentlich war im Licht des Monitors. Wie in einem japanischen Theater.

Die Tür ist zu.

Meine Güte, es ist erst zehn Uhr Abends.
Er schaut ungläubig zur Uhr.
Der leere Bildschirm mit dem Schreibprogramm verhöhnt ihn.
Die Tür ist zu. Mehr ist nicht.

Wenn er am Tage das richtig gesehen hatte, schien heute die Sonne. Der Wetterbericht spricht schon von einem Vorfrühling.

Max geht in den Flur, zieht sich die Jacke und die Schuhe an und setzt die Brechtmütze auf.
Ein Stündchen die Füße vertreten, wird doch wohl erlaubt sein, Madame.

Draußen ist die Luft tatsächlich lockend und fast mild. Im Licht der Straßenlaternen läuft er und sieht seinen Schatten wachsen und wieder schrumpfen.
Die Kneipe ist mäßig besetzt. Er wollte nicht bis zum Fluss laufen, nur zwei Biere trinken und dann wieder heimgehen. Er wollte nicht grübelnd ins Wasser starren, das ist irgendwie gefährlich.

Leise Soulmusik. Auch so ein Sehnsuchtsort.
An den Tischen sitzen Pärchen, einige Einsame. Stimmengewirr hängt unter der Decke.

Max trinkt einen langen Zug.
Dann versinkt er in Träume als würde er im warmen Wasser tauchen und mit langen Zügen schwimmen, immerzu schwimmen.

War es nicht sogar diese Kneipe, in der an einem Sommerabend Madame das erste Mal sah?
Ja, das war doch hier.

Er lächelt.
Damals sah sie ihn immerzu vom Nachbartisch an, forschend und lächelnd, irgendwie suchend und Hoffnungsfroh. Er hatte zurück geschaut und mit den Blicken Antwort gegeben.
Es war ein Sommerabend.
Er hatte sein Bier genommen und war nach draußen gegangen, um zu rauchen.
Sie hatte sich dazu gesetzt und auch geraucht.
Ja, so hatte es angefangen.
Noch in dieser Nacht hatten sie miteinander geschlafen.

Madame hieß damals Birgit, alle nannten sie Biggi, Max auch, nach drei Monaten war sie zu ihm gezogen, so schnell ging das vor fünf Jahren.
Max, der Sohn eines Unternehmers, arbeitete in der Firma des Vaters, um in die erfolgreiche Manager Karriere zu starten, verdiente gutes Geld, besaß eine Eigentumswohnung, viel versprechend – und Biggi war Kassiererin im Supermarkt.

Madame ist immer noch Kassiererin im Supermarkt.

Max wollte immer schreiben. Max hasste seinen Vater, die Firma und den Job.
Nach einem Jahr stellte ihn Biggi zur Rede.

„Was ist mit dir los, Max.“
Sie lagen beide im Bett in einer Mondscheinnacht, die man seinem Leben lang nicht vergisst.
Max erzählte von seinem Traum, ein Schriftsteller zu werden, dass aber Job und die Firma ihn Stück für Stück auffressen.
Biggi lag mit ihrem Kopf auf seiner Brust.
Auf einmal sagte sie, nie wird er es vergessen, warum er nicht einfach aufhöre zu arbeiten und seinen großen Roman, seine Abrechnung zu Hause in Ruhe schreibe...
„Und du?“ hatte Max versonnen gefragt, während seine Finger in ihrem dicken Haar spielten wie Kinder im Gras...

„Ich gehe weiter arbeiten, mir macht meine Arbeit auch Spaß, was ich verdiene reicht für uns beide“, wir müssen ja kaum Miete zahlen.
„Schöner Gedanke, und abends lese ich dir vor, was ich geschrieben habe...“ er lächelte, Biggi kam hoch und küsste ihn.
„Weißt du, ich glaube an dich, sagte sie, du wirst ein großes Buch schreiben, ich bin da ganz einfach eine Egoistin.“
Da fand Max, dass Biggi gar nicht dumm war.
Er würde ein großer Künstler werden. Man wird von ihm reden. Noch Generationen werden von ihm reden. Ja, Biggi war gar nicht so dumm.
Am nächsten Tag kündigte er. Das war vor vier Jahren.
Und so nach und nach wurde Biggi zur Madame. Sie war streng zu ihm. Er musste schreiben, schreiben, schreiben.
Wenn er nicht schrieb, war Madame traurig.
Die Jahre vergingen.

Im letzten Jahr hatte ihr keinen einzigen Abend etwas vorgelesen...

„Guten Abend“, die Stimme holt ihn aus seinen Traum.
„Kann ich mich zu dir setzen?“
Der Mann ist bestimmt so alt wie sein Vater. Max hat ihn ein paar Mal hier gesehen.
Er ist langhaarig und unrasiert, sieht aber so aus, als müsse das so sein, er wirkt deshalb nicht ungepflegt, er grinst entwaffnend freundlich.
„Ja, na klar“, sagt Max.
Der andere bestellt sich auch ein Bier, Max sich ein zweites.
„Du bist doch der Schriftsteller“, sagte der Mann und prostet ihm zu.
„Na ja, ich möchte einer sein.“
Der Mann schweigt als denke er über die Antwort nach.
Dann fragt er:
„Warum schreibst du denn?“
Und auf einmal redet Max über seinen Hass, seine Qual, die Familie, den Vater, der ein Tyrann ist, es sprudelt aus ihm heraus und zum Schluss spricht er von Biggi, die so viel von ihm erwartet, die er liebt, die zur Madame geworden ist und hinter einer verschlossenen Tür schläft.

Dann schweigt er und trinkt das dritte Bier an.
Der Mann auch, der ihn mit einem warmen Blick ansieht.
„Das ist nicht einfach für dich“, sagt er dann.
„Du meinst mit meiner Schreibblockade?“ fragt Max.
„Nee, mit deiner Biggi, deiner Madame“. Der Mann lächelt jetzt.
„Ich bin kein Experte, aber ich glaube, Hass und das verarbeiten der eigenen Probleme und so was, machen aus dir keinen Schriftsteller. Da muss du schon über den Dingen stehen und eine gewissen Abstand zum Stoff haben, sonst ertrinkst du ja darin und bewältigst ihn auch nicht.“
Max sagt: „Ja. Ich habe das Gefühl, ich ersticke an dem, was ich schreiben möchte.“
„Und du willst dir Gewalt antun?“ fragt der Mann.
„Sieht so aus.“
Der Mann sah ihn lange an.
„Solche Bücher gibt es viele, aber das ist keine Literatur...“...

Es ist Mitternacht als Max heim kommt. Er zieht die Schuhe aus und geht auf Zehenspitzen.
In der Stube leuchtet etwas schwach wie eine Kerze.
Die Tür zu Madames Zimmer ist halb offen, sie hat ihre Nachttischlampe angeschaltet.
Max geht ans Bett, sie schläft und ist schön wie eine Prinzessin.
Er zieht sich aus und legt sich zu ihr.
Im Schlaf schmiegt sie sich an ihn. Der Stoff ihres Nachthemds ist ganz dünn, er hat das Gefühl sie ist noch mehr als nackt als er sie berührt, sie liefert sich ihm aus ganz und gar...

Als er aufwacht, ist es hell und Madame verschwunden.
Er geht in die Küche und denkt, wahrscheinlich sitzt sie schon an ihrer Kasse.
Auf dem Küchentisch liegt ein Zettel.
„Übrigens bin ich schwanger“, liest er.

Max sitzt fast eine Stunde still und stumm da – und glücklich...


Schließlich greift Max zum Telefon und tut das, was er als Mann zu tun hat.

....
...

Anschließend legt er den Hörer auf. Auf seinem Gesicht zeichnet sich ein zufriedener Ausdruck ab, als wenn das Gespräch über Erwarten gut gelaufen war.

Er frühstückt ausgiebig und gutgelaunt.
Vater werden, was für ein Glück!

Max setzt sich wenig später an den Computer und öffnet das Schreibprogramm. Anfangs noch zaghaft wie suchend nach den Worten gerät er in einen stetigen Schreibfluss, die Tastatur klappert leise wie im Frühsommer ein Landregen auf die fruchtbaren Felder fällt. Er hört nicht auf. Er tippt und tippt. Stunde um Stunde.
Am Nachmittag kommt Madame herein. Sie lächelt.
„Du schreibst?“
„Ein neues Kapitel“, sagt er, „setz' dich, ich mach uns einen Kaffee.“
Wenig später betritt mit den Tassen die Stube. Madame sitzt da, ihre Augen leuchten.
„Wie schön dich unser Kind schon macht“, sagt er und lacht.
54

25
Jan
2015

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Sie denken die Art wie Hitler

zu denken, wäre eine historisch überwundene Angelegenheit?
Dann lesen sie das

hier
83

Ohren auf! - neue Töne zu Pegida

Christian Thielemann, der Chefdirigent der Dresdner Staatskapelle, schreibt einen Artikel in der "Zeit" - im Internet findet man ihn

hier

Der Mann ist ja ein sogenannter "Bildunsgbürger". Soll man ihn wichtig nehmen, ihm sogar recht geben? Handelt es sich bei dem Phänomen "Pegida" in Wahrheit nur um Bürger, die sich nicht mehr vertreten fühlen von der Politik? Und da wäre der "Islam als Teil Deutschlands" nur ein Beispiel von vielen...
Ich bleibe skeptisch, ein Führer, der zwar zurück getreten ist, aber als durchgeknallter Rechter in Hitler-Pose wie eine Karikatur im Internet herum geistert, Demonstranten, die wütend und dumm dort Parolen von sich geben, die mehr Stammtischcharakter haben, als politisches Gewicht... dagegen eine Vertreterin bei Jauch, die sich gibt wie eine Sphinx, und damit natürlich nichts zu tun - halt nur "unzufrieden" ist, ein dicker SPD-Vorsitzender, der um Wählerstimmen besorgt nach Dresden eilt, um als "Privatmann"nur zuzuhören - wer ist Pegida?

hier

finden Sie eine Antwort auf Christian Thielemanns Aufforderung, Pegida ernst zu nehmen, die mich persönlich mehr überzeugt als sein Zeit-Artikel selbst.

Möchte da vielleicht jemand sein kleines sattes Bildungsbürgerleben ungestört führen, ohne vom Pöbel belästigt zu werden?
Und schreibt dann seine "differenzierte Sicht" auf diesen rechten Schmutz auf, die "Zeit" druckt das natürlich...
133

24
Jan
2015

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Ich habe die Hoffnung verloren

Irgend ein Hundsfott im Haus hat mir einen Teil der Berliner Zeitung aus dem Briefkasten geklaut, möge er irgendwann in der Hölle schmoren.
Im Internet fand ich die wöchentliche Liebeskolumne von Malte Welding, die immer sehr lesenswert ist.
Dieses Mal berichtet ihm ein Mädelchen, dass sie per SMS Schluss mit ihrem Freund gemacht hatte, smile, und danach wissen wollte, ob er sie noch liebe :-)
Darauf er hielt sie von ihrem vermutlichen Ex-Freund den Satz da in der Überschrift. Ich habe die Hoffnung verloren.
Das lässt den guten Herrn Welding ein wenig über die Kommunikation heutzutage per SMS nachdenken

hier

Ich finde, man kann die Betrachtungen überhaupt auf die moderne Kommunikation ausweiten, also auch über Mitteilungen per Kommentare im Internet zum Beispiel, ist irgendwie auch so eine Art SMS... und finde man sollte grundlegend jede Missfallsäußerung unterlassen wie etwa Kritik u.ä., *g*
76

23
Jan
2015

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Der Bogartmann (bearbeitet)

In einem Café lernte ich sie einst kennen.
Es liegt Jahre zurück wie eine Erinnerung im Morgennebel undeutlich wird, so erinnere ich mich an sie.
Ich ging dort meist nachmittags hin, es war eben die Szene, damals jedenfalls, heute gibt es andere Szenen, an die ich das Interesse verlor. An Szenen und Modeströmungen überhaupt.
Man kann auch sagen, ich wäre zur Ruhe gekommen.
Früher schrieb ich auch vormittags dort, wenn kaum ein Gast sich zeigte. Das gab dem Schreiben so eine Pariser Stimmung.
Aber inzwischen ist das Café schon zum Frühstück voller Gäste. Das geht dort zu wie in einem Bienenschwarm. Im Prinzip kennt jeder jeden, oder viele spielen das auch nur. So tun als ob. Das Leben ist eitel und voller Verstellung. Und die Gesprächsfetzen segeln wie schnelle Wölkchen durch das Lokal.
Manchmal fanden damals Lesungen statt, und manchmal las ich selbst. Trotzdem kann ich nicht sagen, dass ich direkt dazu gehörte. Es ist eine Frage des Alters. Und ob man sich wohlfühlt in einer Gruppe oder eher ein Einzelgänger ist. Das traf wohl auf mich zu.
Aber man hatte mir immer einen kleinen Tisch an einem Fenster reserviert. Dort saß ich beim Kaffee, rauchte und trank ein oder zwei Weinbrände und manchmal auch drei und schrieb. Es gab Tage, da betrank ich mich, weil ich es so wollte. Und manchmal setzte ich mich auch an den großen Tisch, an dem man philosophierte. Und ganz selten beteiligte ich mich.
Irgendwann war sie plötzlich da.
Um sie herum war eine Aura, wegen ihrer Schönheit, aber viele Mädchen waren schön. Sie jedoch war jemand, den man eine besondere Schönheit nennt. Es war der Glanz in ihren Augen. Ihre Augen suchten. Man sah es förmlich.
Und eines Tages schaute sie mich an, ich meine, sie schaute mich direkt an, und ich fühlte mich irgendwie ertappt, obwohl ich gar nichts getan hatte. Ich war ganz in Gedanken und schrieb im Geiste an einer Story. Die Gespräche rundum perlten von mir ab, bis mich ihr Blick erwischte. Rasch wendete ich mich ab und lachte über irgend etwas. Das war alles nicht wichtig.
Ihre Stimme klang ganz tief und ungeheuer ruhig.
„Du schreibst“, fragte sie mich plötzlich.
Ich zögerte, ich konnte noch nie so schlagfertig sein, alles muss erst auf den Grund gehen und bedacht werden.
„Ja, ein wenig, wenn ich es nicht aushalte.“
Auf einmal schwiegen alle, und wir merkten es gar nicht. Es existierte etwas zwischen uns, dass die anderen sofort registrierten. Waren wir Geschwister im Geiste?
„Was hältst du denn nicht aus?“
„Vielleicht“, ich suchte nach Worten, ihre Augen ließen nicht ab von mir, „vielleicht, dass ich noch am Leben bin.“
„Ist das so schwer?“ fragte sie.
„Manchmal“, ich wich aus. Mir war es auf einmal sehr peinlich im Mittelpunkt zu stehen. Sie lachte ganz tief von innen heraus.
„Du bist ein Bogartmann.“
„Er schreibt gute Geschichten“, sagte irgend jemand am Tisch.
Und auf einmal redeten wieder alle durcheinander. Und ich fühlte mich erlöst.
Ich hatte das Gefühl, ich müsse verschwinden aus ihren Augen.
Und das tat ich auch.
Dann ging ich nicht mehr so oft dahin, nur zwei-dreimal in der Woche auf einen Kaffee. Und immer saß sie dort, immer. Ihr Blick streifte mich eher gleichgültig. Von da an, begann ich nur noch zu Hause zu schreiben.
Bis sie eines Tages an einem Mittwoch plötzlich zu mir an den Tisch kam.
„Hallo, Chef“, sagte sie mit ihrer tiefen Stimme.
Sie brachte mich zum Lachen.
„Ich bin nicht dein Chef.“
Nein.
„Vielleicht doch?“
Ihr Blick durchdrang mich.
„Am Samstag ist eine Lesung, liest du auch?“
„Worum geht es denn“, wollte ich wissen.
„Um die Liebe und den Tod natürlich.“
„Das ist ja mein Thema.“
Sie lachte rauchig.
„Eben. Lies für mich.“
Sie sah mich an. Ich fühlte mich durchschaut und wollte auf keinen Fall feige sein.
„Okay“, ich sagte zu.
In drei Nächten quälte ich mich, und nichts gelang mir. Es war alles so flach und oberflächlich. Schließlich stopfte ich mir die beschriebenen Blätter in die Tasche.
Wir saßen alle am großen Tisch. Doch sie war nicht da?
„Wo ist sie?“ fragte ich und jeder wusste, wen ich meine.
„Weißt du es nicht?“
„Nein, woher?“
Ein Mädchen neben mir äußerte sich. Die anderen wichen meinen Blicken aus.
„Sie kommt nie mehr?“
Nie mehr. Ich hatte sofort verstanden.
Ich zog mir den Mantel an und ging durch den Regen nach Hause. An einem Mülleimer blieb ich stehen und zerriss meine beschriebenen Blätter in tausend kleine Fetzen... die Zigarette schmeckte süßlich.
Manchmal denke ich heute noch, sie liest mit, wenn ich schreibe. Aber wie denn, das geht doch gar nicht...
66

Rainer Maria Rilke

aus der Reihe: mein Lieblingsgedicht

Es ist noch Tag auf der Terrasse



Es ist noch Tag auf der Terrasse.
Da fühle ich ein neues Freuen:
wenn ich jetzt in den Abend fasse,
ich könnte Gold in jede Gasse
aus meiner Stille niederstreuen.

Ich bin jetzt von der Welt so weit.
Mit ihrem späten Glanz verbräme
ich meine ernste Einsamkeit.

Mir ist, als ob mir irgendwer
jetzt leise meinen Namen nähme,
so zärtlich, dass ich mich nicht schäme
und weiß: ich brauche keinen mehr.
47

22
Jan
2015

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Ohne Kommentar :-)

Für Frauen, welche den Mann "domestizieren" wollen, ist dieses Gerichtsurteil sicherlich ein harter Schlag


hier

Wie wär 's denn damit:
Einfach mal schweigen :-)
84

20
Jan
2015

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Ausschwitz

Vor 70 Jahren wurde Ausschwitz befreit.
Zur Erinnerung: Ausschwitz war ein deutsches KZ, in dem Juden und Antifaschisten getötet wurde. Es handelte sich um einen Massenmord. Sowjetische Soldaten befreiten Ausschwitz...

in Polen gibt es eine Gedenkveranstaltung, Putin der Präsident Russlands wurde nicht eingeladen. Er ist der Repräsentant eines Staates, der damals die Hauptlast an der Zerschlagung Hitlerdeutschlands trug. Man spricht von ca 20 Millionen russische Opfer...
Gauck, der Repräsentant Deutschlands, Sohn von Eltern, die beide Mitglieder der NSDAP (Hitlers Partei) waren, ist eingeladen - und wird eine Rede halten.


hier

Sie denken, das ist absurd?
Sie haben Recht.
110

Stefan Hermlin

Er war einer der wenigen DDR-Schriftsteller, die ich verehrte. Sein "Abendlicht" halte ich sogar heute noch für ein großes (Sprach)kunstwerk. Übrigens noch erhältlich zum Beispiel bei Amazon.
Ich erinnere mich an einige Diskussionen in der öffentlichen Kulturszene, die wir jungen Leute mit heißem Herzen verfolgten, und in denen er immer die "richtige Haltung" zeigte, eine sehr souveräne, nachdenkliche, aber auch irgendwie sanfte Opposition.
Einmal zum Beispiel erschien ein Verdammungsurteil über den Militaristen Ernst Jünger. Wahrscheinlich ging es um "Stahlgewitter". Stefan Hermlin meldete sich zu Wort und sagte:
"Wer in so einer guten Sprache schreibt, kann nicht mein Feind sein."
Also das steht in meiner Erinnerung und muss nicht wortwörtlich wahr sein. Aber diese Haltung beeindruckte mich. Ich war jung.

Jahrzehnte später ab 1995 beutelte mich die Erkrankung meiner Ohren, die ich hier nicht weiter ausführen möchte, sehr heftig.
Ich nahm gar keine Kenntnis von der Welt, auch was hier in Deutschland in der Literaturszene zum Beispiel geschah. Die "Heiligen" der DDR wurden wohl so nach und nach enttarnt. Es entging mir völlig, dass kurz vor seinem Tod Hermlin gewissermaßen "entzaubert" wurde. Erst Anfang des neuen Jahrtausends "stabilisierte" sich meine Krankheit, und ich konnte mich kümmern, wurde dann auch zum Rentner geschrieben. Ich begann die Welt wieder wahrzunehmen, sogar selbst zu schreiben (wieder wie 15 Jahre zuvor schon mal begonnen, allerdings nur als Hobby)
Stefan Hermlin war verstorben, hochbetagt. Davon wusste ich gar nichts.
Heute fand ich diesen Artikel:


hier

Ich habe den Artikel kopfschüttelnd gelesen. Manche Entlarvung hat soviel Häme.
Dann dachte ich an seine Worte damals zu Ernst Jünger.
Dann dachte ich, dass Hermlin doch ein Dichter war, und das betraf wahrscheinlich auch sein eigenes Leben.
Und dann dachte ich, dass "Abendlicht" immer noch ein Meisterwerk ist.
Wahrscheinlich das schönste der DDR-Literatur.
Ja.
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