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6
Dez
2009

Bob

:-)) die Sonntagsgeschichte.

Er lag auf dem Rücken und starrte an die Decke. Es war vielleicht vier und wurde schon dunkel. Er schnitt Faxengesichter in die Dämmerung, blies seine Wangen auf und öffnete die Lippen zu einem lautlosen Oooh, das seinem Mund entwich, immer wieder. Die weiße Farbe der Zimmerdecke begann zu vergilben, das erkannt er selbst bei diesem Licht. Schwarze Risse zogen sich wie riesengroße Spinnenweben über die Fläche. Nächstes Frühjahr musste er renovieren, da half alles nichts. Dazu kannte er seine Frau gut genug. Drei Jahre sprach sie schon davon. Es gab keinen Ausweg.
Warum konnte die Wohnung nicht mit ihm alt werden und irgendwann sterben. Sollten doch die Nachmieter renovieren. In Wirklichkeit war es seiner Frau auch egal, sie schämte sich nur vor den Jungen, wenn sie zu Besuch kamen mit ihren Familien. Natürlich könnte er die beiden fragen, ob sie renovieren würden. Würden sie auch machen, aber ihn mit einem langen Blick bedenken, der so etwas aussagte wie: Aber Vater, du hast doch jede Menge Zeit, du stehst doch in der Blüte deiner Jahre. Darum würde er sich wieder schämen. Die Jungs hatten schließlich beide Arbeit, zum Glück. Und er nicht.
„Bist du schon lange wach?“
Er drehte gar nicht den Kopf. Und er erschrak nicht, obwohl er dachte, sie schlief die ganze Zeit über. Offenbar hatte sie ihn beobachtet bei seinem Grimassenschneiden.
„Ich hab' gar nicht geschlafen.“
Er schob seinen Arm unter ihren Kopf. Sie kuschelte sich an ihn.
„Was hast du denn gemacht, wenn du wach warst?“
Er guckte angestrengt zur Decke, dann hatte er die Antwort.
„Nichts.“
„Nichts Weltbewegendes gedacht?“
Sie kicherte. Sie war noch jung und konnte es sich nicht vorstellen, dass man an die Zimmerdecke guckt und an nichts denkt, manchmal stundenlang.
Sie kicherte leise und kraulte seine Brusthaare.
„Nee“, sagte er.
„Man kann doch nicht einfach so vor sich hingucken, die Backen aufblasen und an nichts denken, das machen kleine Kinder.“
„...oder alte Männer.“ Er beendete ihren Satz.
Sie schwieg. Dann fiel ihm ein etwas nettes zu sagen.
„Ich hab' deinen Schlaf bewacht.“
Daraufhin verstärkte sie den Handdruck und pustete an seine Brust.
„Du hast graue Brusthaare.“
Er lächelte.
„Und du hast keine.“
Sie kicherte schon wieder. Er sagte noch einen Satz dazu.
„Du hast schöne straffe glatte Titten.“
Sofort hörte sie auf, seine Brust zu streicheln.
„Du, ich bin kein Flittchen.“
Er seufzte und drehte sein Gesicht zu ihr.
„Das habe ich auch nie behauptet.“
Sie schwiegen beide und schauten sich in die Augen. Sie brach als erste das Schweigen.
„Es ist saukalt hier.“
„Ja, geh, dreh' die Heizung auf und bring Zigaretten mit, wir rauchen noch eine im Bett, dann mache ich uns einen Kaffee.“
Er dehnte sich etwas, als sie aufsprang. Sie drehte am Fenster den Heizkörper auf. Er betrachtete sie. Ihr weißer Körper war makellos. Ihre Bewegungen wirkten forsch. Sie ist ’ne ganz Forsche, dachte er und lächelte wieder. Vielleicht ist sie die letzte junge Schöne in meinem Leben. Ihre nackten Fußsohlen schmatzten auf den Dielen.
„Wo sind die Zigaretten?“
Es wurde immer dunkler. Als sie sich zu ihm drehte, sah er das schwarze Dreieck ihrer Schambehaarung nur noch undeutlich.
„Auf dem Schreibtisch. Der Aschenbecher muss auch dort stehen.“
Sie kam mit einem Sprung zurück ins Bett und stellte Aschenbecher und Zigaretten auf seine Brust, dann schlüpfte sie unter die Decke und kuschelte sich an ihn.
„Brrh.“
Er nestelte zwei Zigaretten aus der Packung und steckte ihr eine in den Mund. Sie nahm sie wieder heraus.
„Eigentlich möchte ich gar nicht rauchen, ich hab' jetzt Hunger und Kaffeedurst.“
Er strich ihr über das Haar.
„Auf hungrigen Magen schmecken die Zigaretten am besten, weiß du das nicht?“
Sie steckte ihre Zigarette in die Flamme und blies den Qualm aus.
„Muss ich ausprobieren“, sagte sie und dann, „stimmt.“
Beide schwiegen drei Züge lang. Er spielte mit den Fingern in ihren Haaren.
„Warum rasierst du dich eigentlich nicht.“
Sie prustete lachend und blies den Rauch in sein Brusthaar.
„Soll ich mir eine Glatze rasieren?“
Er schwieg zwei Züge lang.
Dann sagte er:
„Ich meine untenrum.“
„Untenrum?“
„Ja, ich dachte, das machen alle jungen Mädchen.“
Nachdenklich schaute sie ihn an.
„Stört dich das?“
„Nee, ist nur ungewohnt.“
Ihr stand das blanke Erstaunen im Gesicht geschrieben.
„Nein, nur ungewohnt? Soll das heißen, deine Frau rasiert sich da?“
Sie betonte das „da“, also wolle sie dem Wort eine besondere Bedeutung geben.
„Aber ja, was hast du denn gedacht?“
„Hm.“ Sie stippte die Zigarettenasche in den Aschenbecher und flüsterte in sein Ohr:
„Ihr Alten seid wohl alle pervers“, dabei gab sie ihrer Stimme einen verworfenen heiserer Unterton, „Lustgreise.“
Er lachte laut, dass sie den Aschenbecher festhalten musste.
Dann grinste er.
„Und das wolltest du mal herausfinden.“
Sie stützte sich etwas auf.
„He, he, du hast mich verführt.“
„Ach.“
Er schaute wieder zur Zimmerdecke und zog ein letztes Mal an der Zigarette. Dann reichte er ihr den Aschenbecher und schlug seine Bettdecke beiseite. Er wusste, dass sie ihn betrachtete, während er sich anzog. Und dabei dachte er, es ist gut, dass ich noch täglich Kraftsport treibe. Als wolle sie einen Kommentar zu seinen Gedanken abgeben, hörte er vom Bett:
„Du bist noch verdammt gut beieinander.“
Jetzt schaltete er das Licht an und wies mit dem Zeigefinger auf sie.
„Du hast beim Scrabbeln den Vorschlag gemacht, der Verlierer müsse sich etwas ausziehen.“
Sie kicherte und zog sich die Bettdecke über den Kopf.
Ihre Worte kamen dumpf unter der Decke hervor.
„Das habe ich nicht.“
Er gab sich energisch.
„Das hast du doch.“
Sie zog die Decker wieder herunter.
„Ich habe gesagt, meine Freundin hat das mal mit ihrem Nachbarn gespielt und dann kamen sie auf die Idee, dass sich der Verlierer etwas ausziehen muss.“
Inzwischen war er fertig angezogen.
„Und das hast du genau dann gesagt, als ich verloren hatte.“
In ihren Augen funkelte der Lachteufel.
„Und du hast dann einfach deinen Pullover ausgezogen.“
Er stemmte die Fäuste in die Seiten und gab seiner Stimme einen sehr strengen Tonfall, aber konnte ein Feixen nicht verbergen.
„Du bist ein ausgekochtes Biest.“
Sie kicherte und blieb ihm die Antwort nicht schuldig.
„Kleine-Mädchen-Verführer.“
Er winkte nur mit der Hand ab.
„Ich geh jetzt in die Küche und koche uns Kaffee.“
Er ging und drehte auch in der Küche die Heizung auf. Während er hantierte, kam sie plötzlich splitternackt herein. Er schnitt gerade einen Stollen an. Sie legte beide Hände auf seine Schulter.
„O, Weihnachtsstollen.“
„Ja, hat meine Frau gebacken, bevor sie zur Kur fuhr.“
Sie gab ihm ein Küsschen auf die Wange.
„Gute Frau.“
„Nicht wahr.“
„Ich geh noch duschen, hast du was dagegen?“
„Ach was.“
Er gab ihr einen kleinen Klaps auf den Hintern. Sie juchzte und sprang hinaus. Er hörte bis in die Küche, wie sie im Bad ein Liedchen trällerte. Während sie vorbeihuschte in Richtung Schlafzimmer, zündete er drei Adventskerzen an. Er schaltete das Deckenlicht aus und das Radio ein. Es erklangen Weihnachtslieder.
Sie kam fertig angezogen und setzte sich an den Tisch, indessen er Kaffee einschenkte.
„Ach, schön, wie früher zu Hause.“
„Süßer die Glocken nie Klingen...“, sang der Knabenchor.
„Wann kommt denn deine Frau zurück, Bob?“ fragte sie und schmatzte ein wenig.
Er stutzte.
„Einen Tag vor Heilig Abend, aber warum nennst du mich Bob, ich heiße Robert.“
Sie schmunzelte.
„Bob passt irgendwie besser zu dir.“
Er reichte ihr die unvermeidlichen Zigarettenschachtel hinüber. Als sie sich einen Glimmstängel herausholte, bemerkte er.
„Aber sag nicht Bob zu mir, wenn meine Frau wieder da ist.“
Sie lachte lautlos und pustete dabei die Flamme aus.
„Ich sag Onkel Robert zu dir.“
Er räusperte sich und schlug die Flamme neu an.
„Übertreib’s nicht.“
Dann lehnten sie sich beide zurück und schauten sich an.
„Was würdest du sagen, wenn deine Frau sich einen Kurschatten zugelegt hat, so einen feschen jungen Burschen.“
Er schwieg und überlegte, bis er antwortete:
„Das würde ich nie erfahren, so wie meine Frau nie erfahren wird, was wir hier angestellt haben.“
Sie lächelte.
„Du kannst dich auf mich verlassen.“
Am Abend war er allein, und das Telefon klingelte.
„Ja, ach du bist es Schatz.“
Er hörte.
„Geht’s dir gut, Robert?“
„Ja, doch, die kleine Studentin hatte mich besucht und wir haben Scrabble gespielt.“
„Ach, sie ist so eine Liebe, Robert, schön, dass sie dich besucht.“
Dann unterhielten sie sich über die Kur und die Familie, während er ein paar mal auf die Armbanduhr schaute, im Fernsehen kam ein schöner alter Hollywoodschinken. Endlich sagte seine Frau:
„Dann, mach’s gut Robert, im Fernsehen kommt noch so eine schöne Schnulze.“
„Gute Nacht, mein Schatz“, sagte er und legte auf.
Am späten Abend lag er im Bett und schaute in die Dunkelheit. Früher, fiel ihm ein, nannte ihn seine Frau auch Bob, aber dann kamen die Kinder, der ganze Alltag, dann hieß er nur noch Robert.
Er schlief mit einem Lächeln ein.

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15

5
Dez
2009

Robinson -ein Inseltag

Der Wind ist kalt und schon am Nachmittag ist es dunkel wie am Südpol. Ich gehe ans Fenster und gucke nach, ob schon Schnee liegt und eventuell Glöckchen schellen von Schlittenhunden, welche durch die Straße hetzen. Die Klimakatastrophe verhält sich jedoch unzuverlässig wie eine afrikanische Geliebte, welche die Zeiten durcheinander bringt. Es liegt immer noch kein Schnee auf den Dächern wie Zuckerwatte zu Weihnachten.
Meine Wohnung ist eine warme Insel, und ich bin privilegiert in dieser Welt wie Robinson, der alles hat, was er braucht. Sollte jemand einst meinen Nachruf formulieren, dass ich auf immer und ewig im Herzen der Nachfahren wohne, halte ich es mit Woody Allen, ich möchte nicht auf ewig und immer in irgend welche Herzen wohnen, ich möchte hier wohnen, ewig und immer. In meinem Reich. Robinsons Glück war zu Ende, als Freitag erschien. Es gibt eine wunderbare italienische Komödie, in der Freitag eine schöne Frau war. Um so schlimmer. Um so schlimmer.

Nachts kann ich nicht schlafen, weil ich denke, vielleicht hat doch noch jemand einen Schlüssel und dringt ein. Ich höre Rascheln und Kichern von irgend welchen Frauen und schleiche auf allen Vieren durch die finstere Wohnung mit einem Messer zwischen den Zähnen wie ein japanischer Kampfsportler. Wie der Schriftsteller Melvin in „Besser geht’s nicht“ schließe ich mehrmals ab, um mich vor der Welt draußen zu schützen. Lange lebe Kaspar Hauser in Friedrichshain...

In einem Lokal fragte mich eine freundliche Freundin, was mir denn meine letzte Freundin angetan hätte, dass ich nachts vor Wut nicht schlafen kann. Die Wut kommt daher, erklärte ich ihr, dass ich dieser Frau verraten habe, was mir die Frauen davor angetan hatten. Als ich wusste, dass ich zu viel erzählt hatte, war es quasi zu spät. Frauen wollen nur eins, den Mann beherrschen.
Informationen, wie sie es anstellen, holen sie sich vom Mann selbst, indem sie ihm diese Frage stellen. Ich beugte mich vor und sah ihr in die hübschen blauen flachen Augen, Frauen tauschen sich über ihre Opfer Strategien aus. Der Mann ist das Kalb, das sich von allein auf die Schlachtbank legt.
Sie wurde blass und entschwand -und ich trank einen Schnaps allein.

Auf dem Heimweg sah ich mich mehrmals um und wechselte die Straßenseiten... my home is my castle.

Es lebe die Anonymität des Internets.
Draußen beginnt es zu schneien. Meine Heizung ist warm wie die Sonne über Robinsons Insel.
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Moin

's ist aber meine Insel.

Meine-Insel

och?

MaennlicherAkt2
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4
Dez
2009

Und? schon 'ne neue?

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Cirque du Soleil

Cirque
Der gesamte Hintergrund der Bühne besteht aus dicht aneinander stehenden Stangen, ein Irrgarten, ein Bambuswald, nur sind die Stangen aus purem Gold. Du zweifelst, dass es pures Gold ist? Dann bis du noch nicht bereit, in das Land der Fantasie zu reisen.
So, wie du als Kind an den Weihnachtsmann glaubst, du hast ja den Beweis in den bunten Geschenken unter dem Tannenbaum, lerne wieder das Staunen.
Ein wenig skeptisch sitzt du da und fragst dich nüchtern, aus welchem Material die Stangen nun wirklich sind. Vergiss das, es ist pures Gold. Noch füllt sich der Zuschauerraum, und das Stimmengemenge schwirrt wie ein Bienenschwarm durch das Zelt. An den Masten hängen die Scheinwerfer wie Weintrauben an ihren Stöcken, dunkle Schatten sitzen da, es müssen die Beleuchter sein. Zwischen zwei Masten gibt es eine hoch geschwungenen Brücke aus Bambushölzern, die in der Mitte ein viereckiges Häuschen bilden. Auf der Brücke huschen Schattenfiguren wie Geister, als wollen sie die Zuschauer beobachten.
Die Zuschauerplätze sind fast alle besetzt. Zwischen den Gängen rennt ein in einem schwarzen Frack gekleideter Mann, auf dem Kopf einen Zylinder, in hohen spitzen Schritten, unter einem Arm trägt er einen Karton mit Popcorns und einen Colabecher, mit der anderen Hand zieht er zwei tolpatschige Zuschauer hinter sich, die ihm hilflos nach stolpern. Ein Platzanweiser? Die Popcorns regnen nach rechts und links wie kleine Wasserfontänen. Ein gelber Scheinwerfer Kegel verfolgt die seltsame Gruppe. Hat die Show schon begonnen? In einem anderen Scheinwerfer Kegel taucht eine drollige und pummlige Frau in einem kurzen roten Röckchen mit breiten Trägern auf, ihre Bluse ist gepunktet wie die Haut eines Marienkäferchens, ihre Haare sind strohblond und zu zwei Zöpfchen gebunden. Sie hantiert mit einem Staubwedel und putzt an den letzten herein strömenden Zuschauern herum. Jetzt diskutiert sie mit dem Mann der fliegenden Frackrockschöße, sie streiten und gestikulieren beide über die Eintrittskarten der ängstlich wirkenden Zuschauer, ein Mann und eine Frau. Im Zuschauerraum ist noch Bienengesumme.
Unauffällig füllt sich der goldenen Bambuswald mit Figuren, das sind keine Menschen, das sind dunkle Fabelwesen. Hast du Fantasie oder nicht?
Noch ist es hell. Du weißt immer noch nicht, ob die Show begonnen hat.
Die seltsamen Einweiser teilen sich das Zuschauerpärchen und rennen jeder mit einer Beute durch die Zuschauerreihen. Doch, das muss schon die Show sein. Aber immer noch kommen letzte Zuschauer. Endlich treffen sich die Vier über einer kleinen Treppe auf dem Bühnenrondell, der Manege. Doch was ist dort geschehen? Überall schlängeln sich die Fabelwesen, grüne Lurche mit gezackter Wirbelsäule, Schneckenähnliche, Käfer, kleine Drachen, Blumenwesen in leuchtenden Farben, es können auch Zauberfische aus der Tiefsee sein. Aus Löchern dampft es. Die Wesen sind aus dem Wald gekommen, fast unbemerkt, du zweifelst immer noch, dass er aus purem Gold besteht?
Der seltsame Mann und die seltsame Frau vereinen das auseinander gerissene Zuschauerpaar, und sie verbeugen sich, vereinzelt flackert Beifall auf. Das Zuschauerpaar wird zu seinen Plätzen geleitet.
Jetzt geht das Licht aus. Nur die Manege mit den sich schlängelnden Fabelwesen ist erleuchtet. Ein Mann fährt einen seltsamen Karren in die Mitte. Er kommt auch aus dem Zauberwald. Der Mann ist groß mit nacktem muskulösen Oberkörper, seine Hose ist der Blütenkelch einer bunten Blume, seine Nase ist lang und spitz und sein Haar strubblig wie das Haar eines Bauernburschen, er könnte der Hans im Glück sein. Sein Karren ist ein gewaltiger Kinderwagen, auf dem allerhand Plunder montiert ist, ein kleiner Herd mit langem Ofenrohr, an zwei Stöcken Kaffeemühlen mit zerbeulten Ventilatoren, in der Mitte Zahnkränze mit einer Kurbel, darüber eine Fahrradkette.
Hans watschelt in seiner Blumenhose vergnügt um den Karren, er dreht die Kurbel und die Stangen mit den Kaffeemühlen und Ventilatoren wachsen laut knarrend in die Höhe. Es beginnt still im Zuschauerraum zu werden. Sich die Hände reibend watschelt er auf Zehenspitzen um den Karren und betätigte die Kaffeemühlen, es rasselt, er schlägt zwei Becken in der Mitte zusammen, da dampft es aus dem Ofenrohr, lautes Zischen, Trommelwirbel, er zieht an einer Klappe, patsch, das Ofenrohr ist geschlossen – triumphierend schaut er sich um – Stille. Hans watschelt in die Mitte, macht einen kleinen Knicks wie eine Ballerina und wedelt mit seinen langen nackten Armen wie schwingende Äste im Wind, bis zu dem Fingerspitzen hin. Nichts. Er winkt ab.
Wieder watschelt er zu seinem Karren, der eigentlich ein riesengroßer Kinderwagen ist und betätigt erneut seinen Plunder, und auf einmal sind die Geräusche ein lang gezogener Tusch. Auf seiner Art graziös verbeugt sich Hans nun zu unserer Seite hin, wehende Arme, Beifall, verhalten, Hans freut sich und hält eine Hand hinter das Ohr.
Die Zuschauer beginnen zu begreifen. Er wiederholt seinen Tusch und verbeugt sich zur linken Seite hin. Lauter Beifall. Schon besser gibt er zu verstehen.
Er versucht es erneut mit der Mitte. Der Beifall braust auf.
Und dann noch mal für alle. Tosender Beifall.
Hans im Glück ist zufrieden, es wird dunkel, die Zuschauer haben begonnen, das Land der Fantasie zu betreten. Dann geht das Licht wieder an, Hans mit seinem Karren ist verschwunden und jetzt ist die Bühne nahezu bevölkert von bunt schillernden Fabelwesen. Riesige Bäume mit breiten Hüten staken dazwischen, zwischen den sich schlängelnden Käfern, Schnecken, Fischen, Lurchen und Blumen... sphärische Musik erklingt – und plötzlich schwebt ein großer weißer Engel aus dem Häuschen unter dem Zeltdach herab. Der Engel fällt auf den Boden. Kleine Derwische, Teufelchen oder Dibbuks nähern sich und beäugen den Engel. Er liegt wie tot mit ausgebreiteten Schwingen, die von einem Bühnenrand zum gegen über liegenden reichen. Sie beginnen an den Flügeln zu zerren – und plötzlich sind sie abgerissen. Erst jetzt siehst du, dass der sterbende Engel auf eine Netz liegt.
Sie rollen ihn in das Netz ein. Ein weißes Fischernetz.
Auf Zehenspitzen erscheint wieder Hans im Glück, er knüpft die Zipfel des Netzes an einen Haken. Romantische Geigenmusik ertönt und langsam wird das Netz nach oben gezogen. Der tote Engel ohne Flügel beginnt sich zu drehen, und das Netz verschnürt sich zu einem dicken Seil. Ganz unmerklich gleitet das Geschehen in eine Trapeznummer über, die Weltklasse hat. Der Artist schaukelt, lässt sich fallen, drücke sich elegant im Seil in den Handstand, stürzt hinab... und wird vom Seil mit den Hacken aufgefangen. Durch die Zuschauer geht ein Aufschrei.
Sie sind ja bereits verzaubert.
Und so geht es weiter. Musik wie aus der Welt über den Wolken, Tanz zwischen den einzelnen Nummer, die im Geschehen eingebettet sind wie in einem Gesamtkunstwerk. Aus Blumen wachsen drei kleine Jungen, die unversehens eine Jonglerie zeigen, die einem die Luft anhalten lässt.
Eine wunderschöne junge Frau zeigt in einem hautengem Trikot auf winzigen Stöcken eine Kautschuknummer, die einem an in ihrer Gelenkigkeit an das medizinische Wissen über den Aufbau des Skeletts menschlicher Körper zweifeln lässt.
Der gefallene Engel taucht auf mit einer kleinen Feder und beide gehen auf Zehenspitzen wie zwei Feenwesen von der Bühne, als wäre die Welt nur reine Poesie und sonst gar nichts..
Immer wieder taucht Hans im Glück auf.
Auf der Bühne spukt es. Fliegende Vögel sausen durch die Luft, Männer mit schwarzen Federn, die auch Eisenpfeile sein können.
Der Mann und die kleine pummlige und lustige Frau bringen Parodien von Zaubernummern, dass die inzwischen längst überzeugten Zuschauer in Lachsalven ausbrechen.
Einzelne Fabelwesen entpuppen sich als Bodenakrobaten.
Der Mann im Frack und Zylinder singt ein schnulziges Chanson aus den Fünfzigern, le petit Chanson, aber immer, wenn es schön wird, steht er im Dunkeln, und der Scheinwerfer Kegel klebt irgendwo an einer anderen Stelle im Zelt, er rennt verzweifelt singend ihm nach, und jeder im Zuschauerraum entdeckt in sich sein eigens Kinderlachen wieder. Zum Schluss hängt er im Lichtkreis zwischen den goldenen Bambusstäben... du zweifelst immer noch, dass sie aus purem Gold sind?
In Windeseile verwandelt sich die Bühnenlandschaft in ein Land von Geysieren... am Ende werden zwei riesige Schaukeln auf die Bühne geschoben und lange Fangtücher aufgespannt. Eine Schleuderbrettakrobatik bildet den Höhepunkt, und anscheinend sind alle Artisten beteiligt und sausen durch die Luft in die Tücher, dazwischen zwei- und dreifache Salto mortale, das hätte in Monaco den Goldenen Clown verdient, den Oskar der Zirkuswelt.
Und – es werden keine Tiere gequält. Auf dem Heimweg durch den warmen Regen zum Ostbahnhof leuchten die Gesichter beseelt, weil die Menschen eine Reise in die fabelhafte Welt der Kindheit und der Fantasie erlebt haben.
Und natürlich sind die Bambusstangen aus purem Gold.
15

3
Dez
2009

Chat

affen
Heute habe ich keine Lust zum Schreiben. Früher war ich in so einem Chat, mal sehen wie’s da aussieht. O, neuerdings mit Fotos. Ich rolle mal runter. „Ich liebe Tiere“, schreibt einer.
Ihm antworte ich: „Na, dann schaff dir doch eins an.“ Prompt kommt zurück: „Ich meine sexuell“. O, Woody Allen und sein Schaf lässt grüßen. Ihn ignoriere ich. Auf einmal meldet sich bei mir einer, der nennt sich Fußfetischist, mit der Frage. „Welche Schuhgröße hast du.“
Ich antworte: „rechts achtundzwanzig und links zweiundvierzig.“ Kommt nichts zurück, scheint nicht in seinem Fetischismusbereich zu liegen. Sage ich doch immer, die Menschen haben heutzutage keine Toleranz. Da finde ich doch tatsächlich zwei hübsche nackige Mädchen. Ihr Visitenkartentext lautet. „wir sind zu allem bereit, wenn du uns überzeugst, dass du der Richtige bist.“ Das ist einfach, klar ich schreibe denen. „100 Euro.“
Jetzt klickt mich einer an: „Lust auf CS.“ Ich antworte: „Ich bin siebzig Jahre alt.“
Prompt kommt von ihm. „macht nix.“ Also schreibe ich „Ok, fang an.“ Inzwischen melden sich die beiden nackigen Mädchen doch tatsächlich: „das ist zu wenig, wir stehen auch den ganzen Tag zur Verfügung“. „Och, schreib ich, den ganzen Tag, an welche Summe habt ihr denn gedacht?“
Nun meldet sich der mit dem CS, er schreibt: „ich klingle an deiner Tür und habe nur meinen Bademantel an, was machst du?“ Ach, ich hatte ihm ja geschrieben, ich bin siebzig, also versetze ich mich brav in die Situation und schreibe: „Ich sage zu dir, warte mal einen Moment und gehe zurück ins Badezimmer und setze mein Gebiss ein.“ Komischerweise meldet er sich danach nicht mehr, er hatte doch gesagt, macht nix, also keinen Computersex.
Keine Toleranz mehr unter den Leuten.
Aber die beiden nackigen Mädchen melden sich. „500 Euro.“ Das ist ‚ne klare Antwort.
„Seid ihr aus Berlin?“ Ganz schnell kommt die Antwort. „Ja.“ Ich schreibe: „Ok, dann steht ihr morgen um zehn vor der Tür, ihr könnt den ganzen Tag bleiben, aber vergesst die 500 Euro nicht.“
Es dauert eine Weile. Ich zünde mir eine Zigarette an.
Dann kommt noch eine Antwort von den Mädchen: „Wieso? Sollen wir die 500 mitbringen?“
Ich tippe. „Na, ihr habt doch selbst den Preis festgelegt, und wisst ihr, wie gut ich bin, für 500 den ganzen Tag, da habt ihr Glück.“
Komischerweise kommt keine Antwort mehr.
Muss ich eben morgen doch wieder schreiben. Wäre doch mal ‚ne Abwechslung gewesen, und ein guter Nebenverdienst. Irgendwie verstehe ich die Welt nicht mehr.
Ach Schiet, ich geh schlafen, das soll ein Chat sein, jetzt klickt mich irgendwer an „wie lang ist dein Schwanz.“ Was soll denn das, soll ich jetzt abends messen? Das habe ich noch nie gemessen, ist das ein Doktor? Aus die Kiste. Gute Nacht.
28

2
Dez
2009

Im Leuchtturm

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Der Barkeeper macht ein diskretes Gesicht wie ein ein zugeschlagenes Buch in einem Einband ohne Titel. Er spült die Gläser und ist in seinen Gedanken vielleicht ein Leuchtturmwärter am ewigen Meer. Ich schiebe ihm mein Glas hinüber, und er gießt einen Whisky nach. Dann bückt er sich und holt aus dem Kühlschrank einen Behälter mit Eiswürfeln. Mit einer verchromten Zange wirft er mir zwei Eiswürfel ins Gras, er schaut mich nicht an dabei.
Ich hebe das Glas hoch und schüttle es vorsichtig wie ein rohes Ei. Die Eiswürfel klingeln, als wäre der Weihnachtsmann mit seinem Schlitten unterwegs. Dann trinke ich einen kleinen Schluck, das Brennen auf der Zunge beweist mir, dass ich noch lebe.
Noch darf man rauchen. Ich schlage mit der Zigarettenschachtel in der recht Hand gegen die Linke, bis eine Zigarette heraus rutscht wie ein Baby, das auf die Welt kommt.
Neben mir lässt sich eine Frau auf den Hocker fallen, ihr Alter ist unbestimmbar, ihr Gesicht undurchdringlich wie das Gesicht einer Indianerin, fern aller Hoffnungen.
Gin, sagt sie mit brüchiger Stimme, ohne Eis.
Der Barkeeper greift zur Flasche. Aus der Musikanlage singt ein Saxophon wie ein einsames Kind in der Stadt, das sein Zuhause sucht.
Es herrscht kaltes Licht in der Bar wie am eisigen Nordpol das ewige Sommerlicht, Polarsommer.
Die Frau kippt den Gin in einem Zug herunter und sagt danach, noch einen.
Sie zieht eine lange Zigarette mit spitzen Fingern aus einer Schachtel.
Feuer, fragt sie mich, haben Sie mal Feuer.
Ich lasse das Feuerzeug klicken, als wollte ich sie mit einer Pistole erschießen, sie beugt sich über die Flamme und zieht den Rauch ganz tief in sich hinein.
Wir sitzen schweigend nebeneinander und betrinken uns, als hätten wir einen Plan gefasst. Im Eis leben die Bären in Höhlen.
Der Barkeeper schweigt unbeteiligt mit einem Gesicht, als spiele er Poker. Das Saxophon klagt, ein Mann krächzt sein Elend in die Welt.
Beim vierten Gin fragt die Indianerin, und, auf der Suche nach der Einen, die wie ein Hafen ist? Sie schaut dabei unbeteiligt an mir vorbei.
Ich fühle dem Geschmack des Whiskys nach und rauche eine neue Zigarette an.
Dann sage ich langsam, meine Sehnsucht, die ich habe, meine Sehnsucht liegt im Grabe. Die Indianerin lacht trocken.
Poet.
Noch einen, sagt sie zum Barkeeper.
Der Leuchtturm blinkt in die Nacht, den Seefahrern vertraut als ein Zeichen der Heimat.
Die Sehnsucht ist ein brennendes Hemd, sagt sie, ein Lied der Zigeuner.
In der Mitte der Nacht gehen wir heim, Schneeflocken wirbeln durch die leere Straße. Sie hält sich einen halben Schritt hinter mir. Ich dreh mich nicht um.
Hinter uns wandert das gelbe Licht des Leuchtturms über das unendliche Meer...
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Nuhr so 'n Glauben

Sehr schön. Der Meister hat sich warm gelaufen. ZDF Mediathek suchen "Nuhr so Folge 3".
Verbot der Minarette in der Schweiz: Das kann nur ein Anfang sein, alle Kirchtürme müssen weg :-) Bankentürme auch,,,
"Wenn ich mit Gott rede, ist es ein Gebet. Wenn Gott mit mir redet, ist es eine Psychose" - dazu Nuhr, schlimm wird es, wenn man Selbstgespräche führt.

Es lohnt sich.
14

1
Dez
2009

Regentag mit Mario Barth

Der Himmel weint, und im Radio quaken die Sprecher wie die Frösche im Teich mitten im Sommer. Aber es ist schon Winter, nächste Woche, heißt es, kommt der Schnee. Ein Volk, dessen Lieblingskomiker Mario Barth heißen, Lieblingsfilm Keinohrhasen und Lieblingsfernsehsendung Supertalent – hat es nicht anders verdient.
Samstag sah ich das johlende Volk beim Supertalent wie der Mob im alten Rom beim Schlachten von Gladiatoren. Ein furzender Mann schoss einen Ballon entzwei mit seinen Darmwinden angetrieben, ein kleiner Pfeil in einem Pusterohr, ein fahler alter Mann mit langen fettigen Haaren schlenkerte sein nackten Bauch auf der Bühne, die Moderatoren spielten dieses „ach, ist das eklig“, um auch die zusehenden Menschen vor den Bildschirmen zu befriedigen in ihrer entrüsteten Heuchelei. Das Volk johlte begeistert, wenn der eigentlich noch ekligere Sprecher sein Mikrofon hinhielt und den nackten Irren fragte, ob er sich denn für nichts schäme. Ich meine, der Fernsehsender hat doch den Mann vor die Kamera geholt, was muss man da noch heucheln?
In ein paar Jahren wird das Volk wahrscheinlich vor der Kamera Menschen lynchen und schlachten wie im alten Rom.

Der Nachrichtensprecher macht Werbung für ein Haarfärbemittel als hielte er einen philosophischen Vortrag über das Gebiet der Quantenmechanik, nach jeden Musiktitel überschlägt sich die Stimme der Moderatorin, eigentlich teilt sie nichts weiter mit als das Tagesdatum und die Außentemperatur. Da ist man ja froh, dass man schlecht hört und am besten gleich taub wird. Irgendwo wurden zwei Ausbrecher und Mörder gefasst.
Die beiden Schwerverbrecher können froh sein, dass sie wieder eingefangen wurden. Ich möchte am liebsten auswandern.
Vielleicht haben sie ja in einer kalten Laube übernachtet und frühmorgens das Radio angestellt, die Gute-Laune-Frühstückssendung gehört... mit Grausen denke ich an meine letzte Freundin, welche mir immer diese albernen Kindergartenwitze beim Frühstück wiederholte, welche sie im Radio hörte. Sie lächelte dann süffisant, weil ich doch zu schwer hörte, um den Quatsch zu verstehen, so konstruierte sie sich ihr Überlegenheitsgefühl – warum haben Mädchen kein Schwänzchen? – weil der liebe Gott, als er die Menschen schuf, die Affen so lange schüttelte, bis sie die Schwänzchen verloren... hihi... kaufen sie Ice Age Teil 3 im Sonderangebot für die lieben Kleinen zum Weihnachtsfest... ich drehe dem Radio den Hals um und lege eine CD ein mit japanischer Entspannungsmusik.

Gestern in der Sauna sah ich so einen Kerl, der mich an meinen Cousin erinnerte, der war auch wie Mario Barth. Wenn wir zusammen standen schon auf dem Schulhof und redeten über den heimlichen Tausch von Wild-West-Romanen und andere wichtige Männersachen, da kam dieser Cousin angedackelt mit diesem fetten Kichern, er hätte den Mädchen Knallfrösche in den Schulranzen getan, ob wir mitkommen, um Spaß zu haben. Dann sah der lange Peter den langen Paul an und fragte,
haust du ihm eine aufs Maul oder soll ich das tun?
Mario Barth ist wahrscheinlich so erfolgreich, weil kein Peter und kein Paul mehr in der Nähe sind.
Dieser Kerl da in der Sauna, holte sich von der Theke das Glas mit den Salzstangen, als wäre es für ihn allein da, schob zwei Stühle vor den Kamin, und fläzte sich hin, als befände er sich auf einer Bühne und sagte, kennt einer den?
Zum Glück konnte ich meine Hörgeräte ausschalten... die Gesichter der anderen waren leidvoll genug. Bei solchen Menschen kann man nicht entspannen.

Ich gehe ans Küchenfenster und schaue in den Hof. Die kleine Studentin sitzt schon wieder am Schreibtisch und studiert. Vielleicht will sie eines Tages Ministerin bei Merkel werden, gewissermaßen Merkels Mädchen. Schon am Vormittag muss sie das Licht einschalten an solchen Regentagen, wenn der Dezember beginnt. Sie hat keinen Fernseher, noch nicht. Ich kann sie ja einladen mit mir Jauch zu gucken, aber vielleicht fängt Jauch auch bald an zu furzen, damit das Volk klatscht, bei denen weiß man nie.

Ich hole mir die Zeitung und lese die Todesanzeigen. Wer nicht gestorben ist, hat nie gelebt, heißt es in einer... na ja. Münte heiratet noch rasch davor seine Freundin.
Irgendwann ist es dann Abend. Kennen Sie den?
Mario Barth trifft Harald Schmidt und erzählt ihm einen Witz. Schmidt lacht.

Mario-Barth
19

30
Nov
2009

Sonntagabend im kalten Regen mit Kai Pflaume

Die Regentropfen trommeln mit leichten Fingern gegen die Scheiben. Sie sind gläsern, weil sie kalt sind, weiß der Teufel, man sieht, dass der Regen kalt ist. Die Tropfen laufen nicht wie Tränen, sie bleiben einfach kleben, vielleicht weil die Scheiben warm sind. Es ist so, als ob die Scheiben die kalten Tropfen ansaugen.

Am Sonntag Abend um diese Zeit ist kaum jemand unterwegs, die Kneipe ist fast leer. Die kleine russische Kellnerin spült Biergläser aus und träumt. Über ihr läuft im Fernseher eine dieser unsäglichen Kuppelshows. Zum Glück hat sie den Ton abgedreht und die Stories laufen als gespenstische Pantomime. In der Welt gibt es beinahe eine Milliarde Menschen, die hungern, aber die Medien beschäftigen sich hauptsächlich mit Partnerproblemen wie alte Frauen, die immerzu die gleichen Geschichten erzählen. Wahrscheinlich kommt das von der Frauenbewegung, die Schuld daran ist, dass es keinen Klassenkampf mehr gibt, nur noch die schleichende Armut und auf der anderen Seite Reichtum wie zur Zeit der feudalen Herrscher des Mittelalters. Die Welt ist eh aus den Fugen, die kleine Russin lächelt mir zu, und ich bestelle noch ein Bier.
Vielleicht hat die Kellnerin auch gar nicht den Ton abgedreht, und ich bin wieder einmal zu taub, um zu verstehen. Das Bier schmeckt süßlich und schwer, ich spüle den schalen Geschmack einer Enttäuschung hinunter, welche das Leben ab und zu bereit hält, damit man nicht übermütig wird vor lauter Zufriedenheit.
An der Theke stehen zwei Kerle und trinken. Sie sind schon so weit, dass sie laut werden. Der Moderator Kai Pflaume hat einen Dackelblick und ist mager wie ein Totengerippe. Irgend ein Mann erzählt ihm etwas, das Gesicht blass wie ein Schwan im Winter. Natürlich hat er Liebeskummer und sehnt sich zurück nach der Sklaverei einer abhängigen Liebe wie es die Zeit verlangt, in der die Frauen herrschen. Natürlich wird Pflaume gleich mit seinem Caravan losfahren und die ehemalige Freundin des sterbenden Schwans suchen, ob sie ihn denn zurück will. Dazu braucht es keinen Ton. Die Kellnerin heißt Irina, jetzt fällt es mir ein.
Sie bringt das Bier und spricht mir ins Ohr, schön, dich wieder hier zu sehen. Früher drehte sie sich öfter von meinem Tabak eine Zigarette, wenn nichts los war und setzte sich zu mir wie ein einsamer Spatz auf der Straße. Wir sprachen dann über Russland und den Untergang des Kommunismus.Manchmal sagte sie, die Städte sind einfach zu groß für die Menschen. Und es klang irgendwie bedeutungsvoll... Seltsamerweise sprach sie nie von Partnerschaftsproblemen. Die beiden Kerle bestellen Whisky. Der Eine ist alt und dick wie ein Sack Kartoffeln, der andere jung und schlank wie ein Garderobenständer, auf den man seinen Hut hängen möchte. Sie sind sich selbst genug und philosophieren dummes Zeug wie Spiegelredakteure, fehlt nur noch die Wagnermusik im Hintergrund.
Kai Pflaume hat das passende Mädchen gefunden und in seinen Caravan gelockt wie ein Versucher sein Opfer. Mit dem Blick einer Lehrerin schaut sich die Kleine bei Pflaume den Film mit dem sterbenden Schwan an, der von ihr gerettet werden möchte, Pflaume hat Kummerfalten, während sie stumm doziert. Was wird sie schon sagen, dass sie ihn nicht mehr liebt, und er in die Zukunft schauen soll und so was... früher sagte man, andere Mütter haben auch schöne Töchter, heute gibt es pseudo psychologische Ergüsse, solche vielleicht wie „frag dich, was eigentlich dein Bedürfnis ist“.
Ich trink ein halbes Bier aus und wische mir den Schaum vom Mund wie die letzten Monate einer kleinbürgerlichen Miefigkeit. Vielleicht sollte ich wieder anfangen zu rauchen. Mit Irina, wenn sie allein ist.
Mit E. sah ich gern diese Kuppelshows, aber mit anderen Augen wie Sternenfahrer, die einen fremden Planeten besuchen. Wir haben viel gelacht und gestaunt. Einmal holte sich ein verwöhntes deutsches Mädchen das Objekt ihrer Begierde nach Deutschland mit Hilfe von Pflaume. Es war eine Urlaubsbekanntschaft, ein Indianerjunge aus Chile. E. war ganz angetan, sie fühlte immer mit den so genannten ausländischen Mitbürgern, weil sie selbst eine ausländische Mitbürgerin war.
Und dann sahen wir zwei oder drei Wochen später diesen Indianerjungen leibhaftig in den Straßen von Berlin. Er lief da herum wie ein verlorenes Kind, ganz allein, das gleich beginnt zu weinen vor lauter Heimweh und Traurigkeit
Och, sagte ich zu ihr, das ist der, den wir neulich bei Pflaume sahen, jetzt ist er ganz traurig in Deutschland.
Yes, sagte E. und lachte, so cold in Germany.
Die Erinnerung bringt mich zum Lachen und Irina lacht zurück und weiß gar nicht warum. Noch ein Bier, fragt sie.
Nein, nein, sage ich, es ist genug.
Ich stehe auf, um zu bezahlen. Neben mir hängt der dicke Mann an dem dünnen Mann wie ein Sack Kartoffeln an einem Garderobenständer, ich meine, das sieht man auch nicht alle Tage.
Schlimm, lallt der Dicke, ist eine Frau, die verlassen wird, schlimmer ist eine alte Frau, die verlassen wird, er klopft dem Dünnen auf die magere Brust als schlage er die Trommel, am schlimmsten ist eine alte Frau, die verlassen wird und denkt, dass sie keinen mehr abkriegt.
Wie viel, frage ich Irina.
Sie grinst. Zehn Euro.
Der Dicke starrt mich plötzlich an. Stimmt 's, fragt er mich und seine Augen sind gläsern wie die Regentropfen draußen an den Scheiben.
Herb versteht nichts, antwortet Irina für mich, er ist schwerhörig. Sie lacht.
Das stimmt, sage ich zu dem Dicken, und ich lache auch.
Ihr wollt mich verscheißern, lallt der Dicke.
Keiner will dich verscheißern, sage ich und klopfe ihm auf den runden Rücken als wolle ich auch Musik machen, hier, ich trage Hörgeräte, das sind meine Probleme.
Der Herb, den kenne ich, lallt jetzt der Dünne, komm, wir trinken auf die Weiber.
Ich mache mich davon.

Der kalte Regen in der jungen Nacht ist spitz wie spritzendes Eis. Ich schlage den Jackenkragen hoch und laufe schwankend wie ein Seemann auf Landgang. Neben mir fährt auf der Straße ein Caravan im Schritttempo. Ein blasses Gesicht hinter der Scheibe des Beifahrersitzes wirkt wie eine angeklebte Maske aus Papier. Dackelblick und Sorgenfalten. Ich stecke die Hände in die Hosentaschen und grinse zur Seite wie ein altes Pferd... der Fahrer gibt Gas und der Caravan verschwindet in den Regenvorhängen wie ein verschwommenes Bild am Ende eines Films, der etwas zu lang war... endlich daheim.

Regen2
24

29
Nov
2009

Beim Happy End wird abgeblendt

;-)) Die Sonntagsgeschichte.
Salzberge

Manfred, oder Manne, wie ihn seine Freunde nannten, war ein rundum zufriedener Mensch, denn er lebte nun seit zwei Jahren allein. Er sah zwar stattlich aus und würde in seinem Alter, er war gerade fünfzig geworden, sicherlich noch eine gute Frau finden, aber er wollte nicht mehr. Manne entwickelte nämlich ein Gefühl für die verschiedenen Lebensabschnitte, die ein Mensch in seinem Leben durchwandern musste oder besser sollte. Und er hatte sich entschieden, jetzt allein zu leben. Das muss man lernen, wenn man lange eine Familie hatte, aber er fühlte sich noch nicht zu alt, um es zu lernen, ohne in selbstmitleidige Depressionen zu fallen. Sein Job war in Ordnung, er kam gut mit den Kollegen aus, weil er distanziert blieb. Seine Frau hatte die Trennung auf ihrer Art überwunden, indem sie einen neuen Partner fand, dem sie nun das Leben vergällte, Manne war frei.
Die Tochter stand auf eigenen Füßen, verheiratet mit Kind, zum Glück wohnte sie weit entfernt. Und Mannes Verpflichtungen dem Leben und der Gesellschaft gegenüber waren erfüllt und geschrumpft auf eine Weihnachtskarte pro Jahr, und jeweils zum Geburtstag einen Glückwunsch.
Manne konnte jetzt an sich denken. Früher hätte er es als ein Gräuel empfunden, allein zu sein, inzwischen wollte er es nicht mehr anders.
Sexuelle Bedürfnisse, die er ja noch besaß, löste er auf seine praktische Art. Selbstbefriedigung fand er nicht so gut, also bestellte er sich alle zwei Wochen eine Prostituierte, meist eine ausländische, gewissermaßen war das sein Beitrag, die Ditte Welt zu unterstützen. Er achtete aber sorgfältig darauf, dass keine Liebe auf Dauer aufkam, wenn er sie auch immer in dem Moment erlebte. So bestellte er sich nie eine Frau, mehr als dreimal. Er hatte dafür ein feines Gespür. Wenn sie anfingen zu küssen, beim Kommen zu strahlen, und beim Gehen traurig zu schauen, dann suchte sich Manne eine neue Prostituierte, es gab so viele.
Aber Manne hatte ein kleines Problem. Und das war seine Nachbarin gegenüber. Er versuchte sie so wenig, wie möglich zu beachten. Eine Zeitlang wechselte sie sehr häufig ihre Partner, was er beiläufig zur Kenntnis nahm. Sie war vielleicht gerade vierzig, vielleicht fehlten noch ein paar Jahre, und sie hatte einen Sohn, er musste jetzt zur Schule gekommen sein.
Der Junge, ein hübscher Lockenkopf, sprach Manne manchmal an. So etwa, wenn die Tür offen stand: „O, hast du aber viel Bücher.“
Oder wie neulich: „Ich möchte auch so Klavier spielen können, wie du, kannst du es mir nicht lernen.“
Manne mochte kleine Kinder aus der Entfernung, und so antwortete er dem Jungen zwar ernst und mit Respekt, aber wahrte auch hier die Distanz.
Er sagte zum Beispiel: „Lesen ist sehr schön, lernst du bald in der Schule.“
Oder, „tut mir leid, aber ich bin kein Klavierlehrer.“
Seine Mutter, die in solchen Fällen immer schnell zur Stelle war, zog dann meist den Jungen in die Wohnung mit der Bemerkung:
„Lass den Onkel in Ruhe“, und wendete sich an Manne mit einem scheuen Blick hinter ihrer Brille, „entschuldigen Sie bitte.“
Meist antwortete Manne: „Ach, das ist doch ein nettes Kind.“ Er schloss aber dann schnell die Tür.
Seit einem Jahr schien die Nachbarin nicht mehr auf Partnersuche, denn er sah keinen Mann mehr bei ihr.
Aber sie entwickelte eine Macke. Sie klingelte meist am Sonnabend bei Manne und fragte, ob er vielleicht etwas Salz hätte. Die ersten beide Male dachte sich Manne nichts dabei, und er gab ihr Salz in ihre Blümchentasse, manchmal kam sie auch mit einem Eierbecher mit Küken drauf. Obwohl Manne zu jedem Menschen höflichen und distanzierten Kontakt hielt, also auch zu dieser Nachbarin, fing es beim fünften Mal, dass er sie ein wenig erstaunt anblickte, und sie lief rot an.
Dann entwickelte sich die Angelegenheit für Manne jedenfalls immer brisanter. Er konnte nicht umhin, zu bemerken, dass sie begann, immer wieder in anderer Aufmachung zu erscheinen. Sie bot ihm bei der Bitte nach Salz anscheinend ihr ganzes Repertoire an, über welche Erscheinungsformen sie äußerlich so verfügte. Einmal, als wolle sie anschließend in eine Opernpremiere, das andere Mal, als käme sie gerade von der Gartenarbeit, neuerdings schien sie auch das Solarium zu besuchen.
Als sie dann eines Tages im weißen Bademantel erschien, und Manne ihr durch die Tür den vollen Eierbecher reichte, stellte sie sich etwas ungeschickt bei der Übergabe an, so dass der Bademantel sich öffnete. Manne schloss schnell die Tür und lehnte sich von innen dagegen, als hätte er Angst, sie könne sie eintreten. Offenbar war sie nackt unter dem Bademantel, und in Mannes Kopf klingelten alle Alarmglocken.
Also, dachte Manne nach.
Als sie am nächsten Sonnabend erschien im ganz normalen grauen Flanellrock und Schlamperpulli, barfuss übrigens, reichte ihr Manne eine volle Packung Salz, ein Kilo.
Sie hielt die Packung in der einen Hand, in der anderen Hand den Eierbecher, sah auf die Salzpackung und stammelte:
„Was, was ist das.“
Manne antwortete ganz höflich:
„Mir ist aufgefallen, dass Sie immer das Salz vergessen einzukaufen, und da schenke ich ihnen eine ganze Packung.“
Sie lief feuerrot an, sah also durch das vom Solarium gebräuntes Gesicht aus, wie eine Indianerin auf Kriegspfad.
Sie schaute immer noch auf die Packung.
Dann sagte sie plötzlich:
„Du schenkst mir also ein Kilo Salz.“
Warum sagt sie du, überlegte Manne, lächelte aber freundlich und sagte:
„Ja, gern, ist ja nicht teuer.“
Ehe er es sich versah, holte sie aus und warf das Paket in seine Richtung. Manne konnte noch gerade so abtauchen. Schnell schloss er die Tür und atmete durch. Was habe ich dieser Frau getan, fragte er sich, als er wenig später mit dem Staubsauger hantierte.
Am Nachmittag hörte er ein schönes Konzert und lag auf seiner Ledercouch im breiten Flur, seine Leseecke. Genießerisch las er wie Fürst Andrej starb.
Da hörte er vor seiner Tür seltsame Geräusche, wie auf dem Bau, als würde jemand Kies abladen.
Als Ruhe einkehrte, öffnete er die Tür. Ein mindestens ein Meter hoher Salzhaufen lag da.
Die Nachbarin stand mit verschränkten Armen in ihrer Tür und grinste.
Hilflos zwinkerte Manne durch seine Lesebrille.
„Damit du nur mal weißt, wie viel Salz ich schon in meiner Küche hatte.“
Dann schloss die Tür, und wenn Manne richtig sah, wackelte sie noch obszön mit dem Hintern.
Manne trug Eimer für Eimer nach unten in den Müllcontainer. Er kam ins Schwitzen.
Als er endlich fertig war, setzte er sich erschöpft auf die Treppenstufen.
Die Tür zu ihrer Wohnung ging auf, und ihr kleiner Junge kam mit seinem Freund heraus.
„Hallo“, sagte er zu Manne.
„Hallo“, antwortete Manne höflich.
Schließlich erhob er sich ächzend. Die Sache musste ein für alle mal geklärt werden.
Er klingelte. Sie öffnete und stand da wie ein kleines Mädchen und flüsterte:
„Entschuldigen Sie bitte.“
Sie!
Manne schob sich einfach hinein, und er knallte die Tür mit dem Hacken zu. Dann fasste er sie an die Schultern und drückte sie gegen die Wand. Er schaute ihr tief in die Augen, sie hatte schöne braune Augen, das nahm er zur Kenntnis. Sie erwiderte seinen Blick.
„Was ist los?“, sagte Manne, und er hatte einen festen Griff.
Was nun folgte war ein hemmungsloser Wortschwall unter Tränenfluss, hochgezogener Nase und Schluckauf dazwischen. Manne verstand nur die Hälfte.
„Du...du...lebst so lange schon allein, und dein....knackiger Hintern...neulich hörte ich dich .....du hast....gesungen auf dem Flur...du bist so allein...zufrieden...deine Nutten...und ich....ich..ich bin so einsam.....und habe ....Sehnsucht...nach Liebe, nach Liebe.“
Manne gab ihr sein Taschentuch. Sie schnäuzte sich geräuschvoll.
„Ich lebe gern allein“, sprach er sehr vorsichtig. Sie nickte heftig, immer noch schnäuzend.
„Du bist eine schöne Frau.“ Sie lächelte ihn glücklich an.
„Du findest immer einen Mann.“
Sie heulte wieder auf ins Taschentuch.
Manne kratzte sich den Kopf.
„Ich kann dich einmal durchvögeln, aber nicht mehr.“
Sie blickte ihn in wilder Entschlossenheit an.
„Mach das.“
„Wie meine Nutten.“ Manne grinste.
„Ja“, sagte sie. Ihr schien alles egal.
„Hast du ein Kondom da?“
„Nein, ohne Kondom.“
Fast finster kam die Antwort. Manne holte tief Luft.
„Aber ohne Küssen und ohne Liebe.“
Bei sich dachte er, ich muss irgendwie einen Koitus Unterbrechung hinkriegen.
„Komm mit“, sagte sie.
Er folgte ihr ins Schlafzimmer. Sie legte sich ins ungemachte Bett. Ach, was wird sie hier schon geweint haben, dachte Manne.
Er zog sich aus.
Sie zog einfach nur ihren Rock hoch, natürlich kein Slip drunter, und sie schob den Pulli nach oben, natürlich kein BH an.
Manne legte sich und sagte:
„Ich streichle dich ein wenig, damit du dich entspannst.“
Und er begann ihren Bauch zu streicheln.
Was nun folgte, war eine Explosion, die er nie für möglich gehalten hätte.
Sie zog einfach seinen Kopf herunter und küsste ihn wild. Manne wollte noch etwas sagen, er hatte keine Chance...
Er vergaß sämtliche klugen Vorsätze...
Solche Leidenschaft hatte er noch nie erlebt.
Später schlief sie lächelnd, und er ging auf Zehenspitzen zurück in seine Wohnung.
Zwei Stunden später klingelte es.
Der Kleine stand vor der Tür und seine Augen sprühten Feuerstrahlen.
„Was hast du mit meiner Mutter gemacht!“
Er brüllte.
Manne blieb ganz ruhig.
„Was soll ich gemacht haben.“
„Du hast sie hypnotisiert:“
„Was? Woran merkst du das?“
„Sie umarmt ein Kissen und singt und tanzt durch unsere Wohnung.“
„Wie?“ Manne grinste.
Und der Kleine sprang auf dem Treppenabsatz umher und krähte:
„Ich hätt’ getanzt heut Nacht, die ganze Nacht heut Nacht.“
Da erschien sie in der offenen Tür, lächelnd.
Ach, Manne seufzte, den Tod Fürst Andrejs wird er wohl heute nicht erleben.
„Ich heiße Manne.“
„Ich heiße Anna.“
„Und ich heiße Kalle“, krähte der Kleine.
„Du“, sagte Manne und guckte streng, „wäschst dir jetzt ordentlich die Finger, denn gleich hast du deine erste Klavierstunde.“
„Darf ich zugucken“, fragte Anna.
„Ja, aber nur wenn du Kaffee kochst.“
Der Bengel rannte doch tatsächlich in Mannes Bad, sich die Hände zu waschen.
Manne zeigte auf Annas Knie.
„Weißes Sperma auf brauner Haut.“
„Das lass ich den ganzen Tag dran.“

Abblendung. Happy End.
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