18
Apr
2014

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Heidelinde am Gründonnerstag - eine kleine Ostergeschichte

Es war nur ein Regenschauer gewesen, der über die Stadt huschte wie ein kurzer und eigentlich freundlicher Gruß des Wettergottes. Jetzt war die Luft wie gewaschen und der Himmel, über den dicke Wolken zogen wie Schneebälle so weiß, zeigte sich an den klaren Stellen von einem tief satten Blau. Die Sonne leuchtete dazwischen auf , als wolle sie das Bild von einem fröhlichen Tag vollkommen machen.
Hanns-Joachim atmete ein und aus und roch den Frühling.
Der Kellner kam und rollte die Markise über den Tischen ein.
Er lächelte und sagte während er an den Kurbeln drehte.
„Das Essen kommt gleich.“
Hanns-Joachim sagte:
„Wir haben keine Eile“, und lächelte ebenfalls.
Die Frau kicherte und bemerkte:
„Uns hetzt ja keiner mehr.“
Der Kellner nickte und ging wieder hinein.
Warum die Frau auch etwas sagen musste, war ihm schon klar. Frauen sind so, sie müssen immer ihren Senf dazu geben. Wenn sich zwei Männer über irgendetwas austauschen, sagt eine anwesende Frau immer auch was, selbst wenn es keine Neuigkeit ist, dachte er.
Und dann, o Gott, zum Glück kann sie keine Gedanken lesen, sie würde mich echt als Chauvi einstufen.
Es gibt eine ganze Menge Frauen, die Gedanken lesen können. Zum Glück täuschen sie sich in den meisten Fällen.
Die Frau schaute ihn mit leuchtenden Augen an, ihre Gesicht war eine einzigartige Glückslandschaft.
Hanns-Joachim wusste natürlich, warum sie so glücklich war.
Wegen der Nacht mit ihm.
Sie gehört in eine Altersgruppe, in der man nicht unbedingt noch mit solchen Überraschungen rechnet, dachte er, grinste, nestelte nach Zigaretten und zündete sich eine an.
Er schaute die Straße hinab, in der Mitte zog sich ein breiter Streifen mit einem Fußweg und Parkbänken lang, der am Ende in einen runden Platz mündete, auf dem eine Kirche stand. Die Turmspitze der Kirche funkelte golden in der Sonne und er dachte, in diesem Stadtteil war ich schon mal, aber das muss zwanzig Jahre her sein. Aber es musste sich hier um einen Stadtteil des ehemaligen Ostberlins handeln. Also politisch gesehen, geographisch ist es immer noch der Ostteil der Stadt, dachte er.
Schon erstaunlich, dass es so viele Kirchen gab und gibt, wo doch angeblich alle Bewohner Atheisten waren.
„Die letzte Nacht war für mich ein Geschenk des Himmels“, sagte die Frau.
Hans-Joachim sah sie an. Sie heißt Heidelinde, fiel ihm zum Glück eine.
Er grinste wieder.
„Ist das okay, wenn ich dich Heidi nenne?“ fragte er.
Jetzt lachte sie herzhaft, was echt fröhlich klang.
„Ja, das ist okay“, sagte sie, „das hast du schon die ganze Nacht so gemacht, und ich nenne dich Hajo.“
Er stutze.
„Hajo? In der Nacht hast du mich aber anders genannt.“
Die Frau zwinkerte ihm zu.
„Wie denn?“
„Mein Heiland.“
Sie lachte lauthals.
„Bist du sicher, dass ich dich gemeint habe oder nur dein gutes Stück.“
„Ein Gottesgeschenk?“
Sie kicherte.
Hanns-Joachim kannte das schon. Wenn die Frauen in die ältere Liga rutschten, wurden sie meist ein wenig ordinär. Diese hier war wenigstens noch witzig. Weil sie meinen, alle Männer sind eh Schwanz gesteuert, ergehen sie sich nach dem Geschlechtsakt meist in lobende Beschreibungen seines sogenannten besten Stückes.
Junge Frauen sind da diskreter, zumindest nach dem ersten Mal.
Er schaute wieder zur Kirchturmspitze.
„Bist du eigentlich gläubig?“ fragte er.
„Nein, wie kommst du darauf? Wir sind im Osten alle Heiden.“
Er lehnte sich etwas zurück.
„Na, Gott sei dank. Ich dachte nur, weil du religiöse Metaphern benutzt...“
Heidi lachte.
„Nein, nein, obwohl nun im Westen immer Karfreitag das Wetter schlecht wird und Ostersonntag die Sonne scheint, in der DDR war der liebe Gott marxistisch, da war immer am ersten Mai sonniges Wetter.“
„Der liebe Gott ist halt auch nur ein Opportunist.“
Heidi sah ihn.
„Wie nennen dich eigentlich deine Freunde?“
Er bläst den Zigarettenqualm in den Himmel.
„Ach, einige nennen mich Friedrichs, von früher noch.“
Sie guckt spöttisch.
„Wegen Hanns-Joachim Friedrichs?“
„Ja, kann nichts dafür“, er machte ein wegwerfende Handbewegung.
„Och“, sagt Heidi, „passt schon.“
„Ich erkläre dir aber jetzt nicht die Krise in der Ukraine...“
Sie lächelt.
„Er fehlt uns.“
Sie schwiegen ein wenig und sahen in die heitere Straße wie müde Kinder nach dem Spiel, glücklich und entspannt.
„Ostersonntag wird also die Sonne scheinen.“
„Bestimmt“, sagte Heidi.
„Ich gehe in den Tierpark“, sagte er.
Sie überlegte und lächelte so nach innen.
„Ostersonntag ist die Auferstehung des Herrn“, sagte sie dann.
„Aber nicht die Ausgießung des Heiligen Geistes“, antwortete er und grinste.
Sie schien zu überlegen.
Eine Wolke schob sich vor die Sonne. Er wartete.
„Tierpark wäre nicht schlecht“, sagte sie schließlich.
Hanns-Joachim dachte, sie ist definitiv die Beste, die ich bis jetzt im Internet kennen lernte.
„Wir können uns ja am Löwenkäfig treffen“, sagte er und drückte die Zigarette aus.
Der Kellner brachte Essen und Getränke, die Sonne schien schon wieder.
Natürlich lachte er nur der Frau zu und wünschte einen Guten Appetit. Als wäre Hanns-Joachim gar nicht anwesend.
So ist das Leben.
„Guten Appetit, Friedrichs“ sagte die Frau und prostete ihm zu.
„Danke, gleichfalls, Heidi“, sagte er.
Das Essen war für den Osten ganz okay.
Sie aßen und tranken den Wein.
Zwischendurch fragte er:
„Um elf ?“
„Sonntag am Löwenkäfig?“ fragte sie.
„Ja“, sagte Friedrichs.
Und dachte, was für ein schöner Tag. Was für ein schönes Ostern?
Plötzlich sagte Heidi:
„Morgen wird der Herr gekreuzigt. Vielleicht rufst du mich ja an und erzählst mir, dass dein Vater plötzlich gestorben ist und du nach Hannover oder weiß ich wohin fahren musst...“
„Hör auf“, sagte Friedrichs kauend, “ein Mann zeichnet sich dadurch aus, dass er zuverlässig ist, wenn es darauf ankommt, ich werde um elf Uhr da sein.“
„Ja, Friedrichs“, sagte sie, lächelte und kaute, und nach eine Weile:
„schmeckt gut.“
Die Kirchturmspitze funkelte golden.
Auf einmal setzte Glockengeläut ein. Gründonnerstag ritt der Herr auf einen Esel in die Stadt ein und das Volk begrüßte ihn mit Palmen wedeln.
13

Putins Meisterstück?

Ich weiß nicht, gegen ihn wirken ja alle westlichen Politiker wie Anfänger :-)
Mir ist nicht ganz wohl bei dem Gedanken, aber dem Schaumschläger und Drohneneinsetzer und Datenagent Obama möchte ich auch nicht (mehr) folgen.
Nun ja, die Hoffnung stirbt zum Schluss. Und die Hoffnung heißt Frieden.
Gestern gab es in Genf angeblich einen Durchbruch.
ARD und ZDF, die sonst bei jedem Pups, der Angst und Drama verspricht, Sondersendungen bringen und zwar seit Monaten schon, war dieser Tag keine eigene Sendung wert. Es ging ja auch um nichts weiter, als dass die Ukrainer auf einen friedllichen Weg finden könnten.
Das ist nicht so lukrativ für die Medien wie Tote und Blut, merde.

Lesen Sie

hier
17

15
Apr
2014

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Die Lage in der Ukraine

ist undurchschaubar geworden. Ich glaube keinem der Scharfmacher, weder den deutschen Journalisten als Sprecher der Regierung, noch den recht zahlreichen prorussischen Kommentatoren im Internet. Natürlich stirbt die Wahrheit zuerst. Sie haben alle den Verstand verloren, Putin und Obama und ihre Vasallen, sorry.
Es mag sein, dass in 100 Jahren Historiker darum streiten, wie der 3. Weltkrieg begann, ich werde das nicht mehr lesen und kann nur als einzelne Stimme sagen:

Ihr seid bekloppt!

hier

oder

hier

Das sollten Sie lesen:

hier
22

14
Apr
2014

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Frühlingsgefühle

Es riecht im Park unter den Bäumen und über dem Rasen schon nach Frühling, dass man meint besoffen zu werden, entweder von ungestillter Sehnsucht oder aber mit jubilierendem Herzen.
Das ist das Auf und Ab der Jahreszeiten und der Gefühle der Kreaturen, selbst eine Katze maunzt und klagt, wie ergeht es erst den Menschen.
Wenn Sie in einer glücklichen Beziehung sind, genießen Sie es und wenn nicht, denken Sie an Kästner:
„Sei traurig, wenn du traurig bist
und steh' nicht vor deiner Seele Posten,
den Kopf, der dir ans Herz gewachsen ist,
wird 's schon nicht kosten.“

Oder so, grins, ich schlag da jetzt nicht nach.

Es ist ein Auf und Ab. Und so ist das Leben. Im dunklen Mantel frierend auf einer Bank unter Regenwolken sitzen und sich so allein und einsam fühlen, während alle anderen doch so glücklich sind.
Oder barfuß über Wiesen tanzen im Sonnenschein und den Vögeln winken und nicht auf die Trauersäcke am Rande schauen.
Denken Sie daran, alles ist vergänglich, nicht nur die guten Zeiten, auch die schlechten.
Man muss es genießen können und manchmal einfach nur aushalten.
Und selbst im Alter, man wächst mit allem.

Malte Wedding ist der Liebesexperte der Berliner Zeitung. Lesen Sie, wenn Sie Langeweile haben, wie es anderen so geht.

hier

smile, vielleicht ist ja für Sie etwas passendes dabei.

Oder noch besser:
Machen Sie die Kiste aus und gehen Sie in den Park :-)
60

12
Apr
2014

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Bevor er einschlief ... Traum- und Einschlafttext mit Katze... (bearbeitet)

Bevor er einschlief, drehte er sich auf die Seite und zog die Bettdecke über den Kopf, denn er wollte allein sein.
Doch er war angeblich allein, nur die Katze schlich durch die Wohnung als wäre sie ein Tiger auf der Pirsch. Das war nicht die Katze, weswegen er sich die Bettdecke über den Kopf zog. In der Dunkelheit sind auch andere Wesen unterwegs und manchmal anwesend, dessen war er sich sicher. Er wollte nicht im Schlaf beobachtet werden, auch sollte ihm niemand die Träume stehlen… manche Menschen sind wie Vampire und stehlen Träume, um Macht zu gewinnen, weil für sie das Leben ein Kampf war um Macht und Niederlage, Macht über ihn und seine Gedanken und wenn es ihnen nicht gelingt, beginnen sie zu hassen, sie denken sich dazu einiges aus, um ihn zu verletzen und zu töten, sie suhlen sich in Mordgedanken wie Schweine im Dreck… so lag er und zog sich nicht nur die Dunkelheit, sondern auch noch die Bettdecke über den Kopf.
Und schützte sich wie in einem Kokon.
Dann fiel ihm ein, dass seine längst verstorbene Liebste immer in der gleichen Stellung eingeschlafen war, wie er jetzt. Ihre Gebete waren wie Gespräche mit ihrem Gott, hatte sie ihm einmal lachend verraten. Obwohl er an keinen Gott glaubte, hatte er ihr nie ihren ausreden wollen. Und sie wollte ihm nie einen Gott einreden. Sie lebten sozusagen in friedlicher Koexistenz zusammen… sie wollte keine Macht über ihn und umgekehrt er auch nicht über sie…und darum waren sie so glücklich, dass diese Frage unwichtig wurde für sie beide.
Ob es einen Gott gäbe nämlich und irgendeine Übersinnlichkeit.
Sie waren glücklich im Jetzt und Heute.
Vielleicht treffe ich dich ja, dachte er einen Moment lang und lächelte… und atmete gleichmäßig… und träumte...

Er sah ein Mädchen unter einer Weide allein an einem Fluss sitzen.
Die Sonne warf Hände voller glitzernder Sterne über die leichten Wellen, die leise singend plätscherten.
Ein Lied von der Liebe.
Von der Liebe ohne Gewalt und Macht und Aggression, ohne Besitz, ohne Fragen, die nichts weiter als verletzen wollen. Diese Liebe kannte keinen Hass, selbst wenn sie nicht erwidert wurde... diese Liebe forderte nichts.
Vom Einssein mit dem Fluss, der Weide, mit dem hellen Himmel darüber und der Sonne in der Mitte. Andere Kinder spielten weiter unten am Wasser...

Das Mädchen hatte einen sehr abwesenden und ernsten Gesichtsausdruck und ganz dunkle Augen. Trotzdem ging ein gewisses heiteres Leuchten von ihm aus.
Er näherte und fragte sich, ob das Mädchen schwarz wäre, eine kleine Afrikanerin, obwohl er doch schon ihre dunklen Augen erkannt hatte wie in einem Wiedersehen, erkannte er nicht ihre Hautfarbe… er setzte sich neben das Mädchen und wollte seine Hand ergreifen, als eine Begrüßung sozusagen… da war es plötzlich verschwunden...

Und er lief an einem Fluss in der Stadt entlang. Auf der entfernten Straße waren viele Menschen unterwegs, die meisten in Autos. Es herrschte eine gewisse Hektik.
Auf einmal wusste er, dass er zum Bahnhof lief, um abzufahren und endgültig die Stadt zu verlassen. Er war nicht der einzige, aber der einzige, der unten am Fluss entlang ging, als wäre das sein Privatweg.
Der Zug stand schon bereit. Es spielten Blasorchester, für jeden Abreisenden ein eigenes, und es herrschte ein allgemeines Abschiednehmen, ein Umarmen und Küssen, und auch Weinen. Nur er war allein und hatte kein Blasorchester.
Und musste auch nicht weinen um Niemanden, den er zu verlassen hatte.
Jeder der anderen Reisenden hatte um sich eine Menschentraube wie Bienenhaufen. Und die Musik und die anderen Geräusche schwirrten herum wie Gesumme der Insekten.
Heimlich stieg er ein.
Dann fragte er sich, ob das hier die Transsibirische Eisenbahn wäre.
Der Zug setzte sich in Bewegung. Er lief durch die Gänge, alle Abteile waren besetzt. Manche winkten ihm, sich dazu zu setzen, aber das wollte er nicht. Die Menschen wirkten so geschäftig und so gewöhnlich.
Schließlich kletterte er über Kisten in dem Gepäckwagen. Durch eine kleine Luke konnte er eine Grassteppe sehen. Er fand eine Höhle zwischen den Kisten für sich allein.
Der Zug ratterte auf den Schienen und das klang wie ein Schlaflied.
Er hockte da auf den Bohlen, die Arme über den Knien verschränkt, legte den Kopf darauf und genoss das ungestörte Alleinsein.
Wenn ich ankomme, dachte er, ob da eine Blaskapelle für mich spielt?
Will ich das überhaupt?
Vielleicht ein Stück heitere Klassik, überlegte er, wenn er die Wahl hätte...
Da wurde er wach und lag auf dem Rücken. Es war total finster wie im Weltall vielleicht, hinter der Unendlichkeit. Und er war wirklich allein, keine Geisterwesen waren da, das wusste er.
Nur irgendwo die schlafende Katze.
Ihm fiel ein, dass er mit seiner Liebsten einmal unter einer Weide an einem Fluss im Spätsommer gesessen hatte. Sie war todkrank und schwach, aber noch bewusst anwesend. Sie hielten sich an der Hand und schauten aufs Wasser und die Welt war unwirklich schön und friedlich… und es war bald der Herbst des Abschieds, das wussten sie, die Sonne funkelte, Nebel trieben übers Wasser wie Träume, das Laub begann bunt zu werden.
Jetzt möchte ich noch einmal einschlafen und das Mädchen finden, er lächelte in die Stille, aber es gelang ihm nicht… obwohl er so neugierig war.
Von da an blieb er unsichtbar. Und niemand vermisste ihn...
Er schlief fest und traumlos als hätte ihn jemand verwunschen. Bis er wach wurde, weil die Katze seine Hand leckte. Er lächelte und schlief wieder ein…
Bis es endlich hell wurde, da stand er auf, sah aus dem Fenster und entdeckte, dass es schon Frühling geworden war.
Und er lächelte, die Katze maunzte.

Als er endlich wach wurde, war alles still ringsumher. So ein Frieden. Er war allein und frei von allen Menschen.
Und er fühlte in sich einen Strom der Zufriedenheit.
Er fühlte sich ausgeschlafen und ausgeträumt, und er fühlte sich gut.
33

10
Apr
2014

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Ein unsägliches Buch

Harald Jähner schrieb in der Berliner Zeitung darüber

hier

Ich hatte schon die "Zeit"kritik verlinkt

hier,
die mich verblüfft hat, gerade weil der Redakteur dort den Vergleich mit Hitlers "Mein Kampf" brachte.
Das provoziert eher dazu, es zu lesen.

Die Berliner Zeitung hat nicht mit Kanonen nach Spatzen geschossen, aber man bekommt besser einen Eindruck von diesem "Stammtischniveau" durch die deutlichen Worte des Readkteurs.
Wie geht man mit sowas um?
Man denke auch an Sarazins Ergüsse, der mit der Statistik hantiert wie es ihm in den Kram passt... ich denke, wir müssen das Zeug aushalten und aufklären, oder.
Bilden Sie sich selbst ein Urteil.
36

Milch (35)

hier 1... 34


35

Jakob also.
Emma hatte sich früher oft gefragt, warum seine Eltern diesen biblischen Namen gewählt hatten, aber auch diese Frage für sich behalten.
Sie stellte nicht gern Fragen.
Er saß da und sah sie an, und in seinen Augen erkannte sie immer noch den kleinen Jungen von einst wieder. Sie lächelten beide. Ja, sie waren sich nach fast vierzig Jahren noch auf eine eigentümliche Weise vertraut, aber Emma hatte keine Verwandtschaftsgefühle, obwohl sie doch von einem Blute waren wie es so schön heißt.
Sie fühlte die Wirkung der Tabletten und im Bauch war kein Schmerz und kein Drücken.
Sie hatte ihm vom Bäcker Mohnkuchen gekauft, früher aß er so gern den Kuchen, den sie selbst gebacken hatte.
„Mh, Mohnkuchen“, sagte Jakob und ließ offen, ob er sich auch erinnerte.

Emma wartete.
Jakob lehnte sich zurück und sah in die Runde, als würde er eine Kamera halten und die ganze Wohnung filmen wollen.
„Doch“, sagte er, „ich erinnere mich schwach, aber vieles ist total anders.“
„Du warst sechs Jahre alt, als du das letzte Mal hier warst, inzwischen bist du fünfundvierzig, oder.“
Jakob hatte schon gelichtete Haare, aber fuhr sich mit der Hand hindurch wie früher als Kind durch den dichten Schopf, wenn er eine schwierige Frage behandelt wissen wollte.
Emma erinnerte sich an diese Geste und fühlte sich irgendwie heiter.
„Ja, fünfundvierzig bin ich – beinahe, aber -" er zögerte und sagte dann, „ aber Tante Emma, weißt du, wie viele Jahre ich noch von dieser Wohnung geträumt hatte.“
Emma sah sich zweifelnd um.
„Es wurde so viel geändert in der Wohnung, acht Jahre nach der Wende wurde das Haus rekonstruiert, das war eine schwierige Zeit, drei Jahre lang lebten wir quasi auf einer Baustelle...“
„Die Wohnstube ist jetzt riesig, das waren doch damals zwei Zimmer, glaube ich fast“, bemerkte Jakob und zeigte sich äußert interessiert.
„Ja, das stimmt, ein kleines Zimmer war abgeteilt.“ Emma dachte, damals hielt ich dort Reinhard versteckt.
„Damals schlief ich in dem kleinen Zimmer, wenn ich hier war“, sagte Jakob.
Er kannte den Reinhard gar nicht, dachte Emma und sah ihn lächelnd an, das war ja fünf Jahre später.
Jakob schien über etwas nachzudenken.
Sie ließ ihm Zeit.
Auf einmal hellte sich seine Miene auf und sein etwas blasses Gesicht leuchtete, als hätte er einen besonders guten Einfall.
„Hast du nicht noch einen Teddy von mir, den ich immer zum Schlafe brauchte, wenn ich hier übernachtete“?
Emmas Lächeln ging in ein Grinsen über.
„Jakob, du wirst doch nicht etwa sentimental werden?“
Er lachte eine Spur verlegen.
Und ab dann waren sie sich wieder vertraut und verwandt. Das Blut ist es nicht allein.
„Vielleicht habe ich ja noch einen Teddy in den Tiefen meines Schranks versteckt“, sagte Emma, „ich gucke mal bei Gelegenheit nach.“

Sie gingen in die Stube, um Wein zu trinken. Auch Jakob hatte eine Flasche mitgebracht.
Er erzählte ihr alles, was seit seiner Kindheit vorgefallen war. Sie tranken und Emma hörte zu.

Jakob war damals sehr wütend gewesen, als Emma, seine Patentante auf einmal aus seinem Leben verschwunden war als wäre sie zu einem Geist geworden, und er hatte es schon verstanden, dass irgendwie sein Vater den Streit vom Zaune gebrochen, der schützend vor seiner Tante gestanden hatte und dass dann sein Herz gebrochen wurde, und Emma warf ein, meines auch.
Jakob war so wütend, dass sich seine Eltern Sorgen machten. Schließlich kauften sie ihm ein Klavier und brachten ihn in einer Musikschule unter, denn er sprach immer wieder vom Klavierspiel der Tante, das ihm so fehlte.
Er lernte selbst das Spielen und versöhnte sich so mit der Situation.
Nach und nach gewannen seine Eltern den Einfluss über ihn, und er entwickelte sich zu einem vorbildlichen Pionier.

„Und zum Klassenkämpfer“, sagte Jakob grinsend und hob das Glas, Emma prostete ihm lächelnd zu.
Jakob zögerte etwas.
„Weißt du wie mein Vater immer von dir sprach?“
„Nein“, antwortete Emma, stutze, „sag es mir.“
„Deine Cousine, die Renegatin“, sagte er zur Mutter, „wenn von dir die Rede war...“
Emma lachte auf.
„Renegaten nannte man doch immer Stalins Gegner aus den eigenen Reihen.“
Er lachte nun auch.
„Ja, die Renegaten kommen immer aus den eigenen Reihen und sind die schlimmsten.“
Emma war schon ein wenig betrunken.
„Tja“, bemerkte sie, „dabei tauche ich weder zu einer Jüngerin irgendeiner Lehre noch zu einer Ketzerin.“
„Mein Vater ist immer noch ein Stalinist.“
„Er lebt noch! Er muss über neunzig Jahre alt sein.“
„Ja, er lebt in einem Heim, ist dement und singt ab und an Kampflieder aus der ruhmreichen Zeit.“
Emma schwieg.
Dann sagte sie.
„Das ist ja traurig.“
Und drehte das Weinglas nachdenklich in der Hand.
Jakob erzählte weiter.
39

9
Apr
2014

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Sich in die Pflicht nehmen lassen

Lesenswert! Und denken Sie über den Satz von Albert Camus nach :-)

hier
35

8
Apr
2014

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Der Streit (bearbeitet)

Ein Wort gab das andere. Die Lautstärke ihrer Stimmen schwoll an wie ein Frühlingssturm, ja es knallten Türen.

Wortfetzen wie:
- du hörst mir nie zu, wenn ich mal was sagen will.
Oder: – du siehst mich gar nicht an -, - Alles verstehst du falsch -, - Das ist doch gewollt –,
- Was du machst, ist Psychoterror -, - Schau mich an, wenn du mit mir redest -...

Wieder knallten die Türen.

Wenn er wenigstens ehrlich sein würde, dachte sie, ich bin ihm zu fett und zu alt geworden. Ich hoffe, die Junge nimmt ihn aus und wirft ihn dann weg wie einen Putzlappen.
Sie hat keine Ahnung, dachte er, sie ist eine alte frustrierte Kuh geworden, eine selbstverliebte Kuh, wann hat sie das letze Mal mit mir gelacht?

Beide waren bleich. Sie verstanden sich auch ohne Worte...

Bis das Schweigen in die Wohnung einbrach, als hätten sie sich nie gekannt.
Sie gingen sich aus dem Weg. Eisige Stille.
Plötzlich fiel ihr ein Zeitungsschnipsel ein, den sie noch in ihrer Handtasche aufbewahrte.

Er saß am Schreibtisch mit einem Gesicht aus Stein. Sie existierte für ihn nicht mehr.

Sie suchte im Flur mit fliegenden Fingern in der Handtasche: Da. Das war es.

„Im Streitfall gilt es, ruhig zu bleiben. Der Ehemann hat der Ehefrau in die Augen zu schauen und zu sagen: 'Offensichtlich hat dich mein Handeln wütend gemacht. Bitte arbeite mir mir an der Lösung des Konflikts.'“

Sie eilte in die Stube und knallte ihm das Papierfetzchen auf den Tisch:

- Hier! -

Er runzelte die Stirn und hatte ein etwas angewidertes Gesicht.
Er nahm den Ausschnitt in die Hand, glättete ihn etwas.

- Was ist das? -
- Das ist ein Passus, den Madonna einst in ihrem Ehevertrag zu stehen hatte. -

Er las, seine Mundwinkel zuckten.
Schließlich fragte er mit einiger Anstrengung ernst bleibend:

- Und die beiden sind noch ein Paar? -
- Nein -, sagte sie, - sie sind geschieden. -

Sie kicherte.
- Witzig ist das -, sagte er und versuchte nicht zu lachen.

In diesem Moment brachte der Pizza Bote das Essen und den Wein.
Sie stürzten beide zur Tür, als es klingelte und stießen beinahe mit den Köpfen zusammen, hielten gleichzeitig inne, in den Augen Tränen - und in den Mundwinkeln ein gemeinsames...
Lachen...
endlich waren die Kinder aus dem Haus. Da hatten sie so lange drauf gewartet.
64

6
Apr
2014

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Wenn Schwarz-Weiß Denken aufeinander trifft

Eine bemerkenswerte Rezension. Das Buch, das da besprochen wird, werde ich trotzdem nicht lesen.
Obwohl der Rezensent einiges dazu getan hat, es zu versuchen. Aber irgendwie habe ich keine Lust auf Ewiggestrige.
Bilden Sie sich selbst ein Urteil:

hier
73

Ein trauriger Abgang?

Lang, lang ist 's her, da sahen meine erste Frau und ich Frank Elstner, der auf eine sehr freundliche und taktvolle Art ein paar Menschen vorstellte, die dem Publikum eine Wette anboten. Ich denke unser Kind saß auch dabei :-)
Ich weiß nicht, warum es ein paar Jahre später einem selbstverliebten Schwätzer gelang dem freundlichen Herrn Elstner die Show zu entwenden.
Es ist immer so, diejenigen, die keine eigene Idee haben, drängeln sich in den Vordergrund und nehmen andere ihre weg. So ist das Leben.
Herr Elstner musste gehen.
Eine Show mit Gottschalk habe ich, glaube ich, nie gesehen, jedenfalls nicht vollständig. Den peinlichen Herrn Lanz habe ich ganz ausgelassen.
Er, der Gottschalk, hat wohl sehr viel Geld verdient mit Gummibärchen.
Einmal las ich, er hatte sich ein großes Schloß in Frankreich gekauft und seine Frau selbstverwirklichte sich mit der Einrichtung des Schlosses.
Für mich als Ossi war Gottschalk immer ein Synonym für den platten und oberflächlichen Wessi, der sich selbst sehr gern hat.
Meine erste Frau ist schon lange tot, unser Kind erwachsen und es gab sie immer noch, diese unsägliche Show.
Nun lese ich vom traurigsten Abgang der Fernsehgeschichte seit dem Tod von Winnetou...

hier

Na, genießen Sie den Sonntag und seien Sie um Himmels Willen wegen so was nicht traurig :-)
64
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steppenhund - 15. Apr, 17:52
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KarenS - 9. Apr, 13:47
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