Bob
:-)) die Sonntagsgeschichte.
Er lag auf dem Rücken und starrte an die Decke. Es war vielleicht vier und wurde schon dunkel. Er schnitt Faxengesichter in die Dämmerung, blies seine Wangen auf und öffnete die Lippen zu einem lautlosen Oooh, das seinem Mund entwich, immer wieder. Die weiße Farbe der Zimmerdecke begann zu vergilben, das erkannt er selbst bei diesem Licht. Schwarze Risse zogen sich wie riesengroße Spinnenweben über die Fläche. Nächstes Frühjahr musste er renovieren, da half alles nichts. Dazu kannte er seine Frau gut genug. Drei Jahre sprach sie schon davon. Es gab keinen Ausweg.
Warum konnte die Wohnung nicht mit ihm alt werden und irgendwann sterben. Sollten doch die Nachmieter renovieren. In Wirklichkeit war es seiner Frau auch egal, sie schämte sich nur vor den Jungen, wenn sie zu Besuch kamen mit ihren Familien. Natürlich könnte er die beiden fragen, ob sie renovieren würden. Würden sie auch machen, aber ihn mit einem langen Blick bedenken, der so etwas aussagte wie: Aber Vater, du hast doch jede Menge Zeit, du stehst doch in der Blüte deiner Jahre. Darum würde er sich wieder schämen. Die Jungs hatten schließlich beide Arbeit, zum Glück. Und er nicht.
„Bist du schon lange wach?“
Er drehte gar nicht den Kopf. Und er erschrak nicht, obwohl er dachte, sie schlief die ganze Zeit über. Offenbar hatte sie ihn beobachtet bei seinem Grimassenschneiden.
„Ich hab' gar nicht geschlafen.“
Er schob seinen Arm unter ihren Kopf. Sie kuschelte sich an ihn.
„Was hast du denn gemacht, wenn du wach warst?“
Er guckte angestrengt zur Decke, dann hatte er die Antwort.
„Nichts.“
„Nichts Weltbewegendes gedacht?“
Sie kicherte. Sie war noch jung und konnte es sich nicht vorstellen, dass man an die Zimmerdecke guckt und an nichts denkt, manchmal stundenlang.
Sie kicherte leise und kraulte seine Brusthaare.
„Nee“, sagte er.
„Man kann doch nicht einfach so vor sich hingucken, die Backen aufblasen und an nichts denken, das machen kleine Kinder.“
„...oder alte Männer.“ Er beendete ihren Satz.
Sie schwieg. Dann fiel ihm ein etwas nettes zu sagen.
„Ich hab' deinen Schlaf bewacht.“
Daraufhin verstärkte sie den Handdruck und pustete an seine Brust.
„Du hast graue Brusthaare.“
Er lächelte.
„Und du hast keine.“
Sie kicherte schon wieder. Er sagte noch einen Satz dazu.
„Du hast schöne straffe glatte Titten.“
Sofort hörte sie auf, seine Brust zu streicheln.
„Du, ich bin kein Flittchen.“
Er seufzte und drehte sein Gesicht zu ihr.
„Das habe ich auch nie behauptet.“
Sie schwiegen beide und schauten sich in die Augen. Sie brach als erste das Schweigen.
„Es ist saukalt hier.“
„Ja, geh, dreh' die Heizung auf und bring Zigaretten mit, wir rauchen noch eine im Bett, dann mache ich uns einen Kaffee.“
Er dehnte sich etwas, als sie aufsprang. Sie drehte am Fenster den Heizkörper auf. Er betrachtete sie. Ihr weißer Körper war makellos. Ihre Bewegungen wirkten forsch. Sie ist ’ne ganz Forsche, dachte er und lächelte wieder. Vielleicht ist sie die letzte junge Schöne in meinem Leben. Ihre nackten Fußsohlen schmatzten auf den Dielen.
„Wo sind die Zigaretten?“
Es wurde immer dunkler. Als sie sich zu ihm drehte, sah er das schwarze Dreieck ihrer Schambehaarung nur noch undeutlich.
„Auf dem Schreibtisch. Der Aschenbecher muss auch dort stehen.“
Sie kam mit einem Sprung zurück ins Bett und stellte Aschenbecher und Zigaretten auf seine Brust, dann schlüpfte sie unter die Decke und kuschelte sich an ihn.
„Brrh.“
Er nestelte zwei Zigaretten aus der Packung und steckte ihr eine in den Mund. Sie nahm sie wieder heraus.
„Eigentlich möchte ich gar nicht rauchen, ich hab' jetzt Hunger und Kaffeedurst.“
Er strich ihr über das Haar.
„Auf hungrigen Magen schmecken die Zigaretten am besten, weiß du das nicht?“
Sie steckte ihre Zigarette in die Flamme und blies den Qualm aus.
„Muss ich ausprobieren“, sagte sie und dann, „stimmt.“
Beide schwiegen drei Züge lang. Er spielte mit den Fingern in ihren Haaren.
„Warum rasierst du dich eigentlich nicht.“
Sie prustete lachend und blies den Rauch in sein Brusthaar.
„Soll ich mir eine Glatze rasieren?“
Er schwieg zwei Züge lang.
Dann sagte er:
„Ich meine untenrum.“
„Untenrum?“
„Ja, ich dachte, das machen alle jungen Mädchen.“
Nachdenklich schaute sie ihn an.
„Stört dich das?“
„Nee, ist nur ungewohnt.“
Ihr stand das blanke Erstaunen im Gesicht geschrieben.
„Nein, nur ungewohnt? Soll das heißen, deine Frau rasiert sich da?“
Sie betonte das „da“, also wolle sie dem Wort eine besondere Bedeutung geben.
„Aber ja, was hast du denn gedacht?“
„Hm.“ Sie stippte die Zigarettenasche in den Aschenbecher und flüsterte in sein Ohr:
„Ihr Alten seid wohl alle pervers“, dabei gab sie ihrer Stimme einen verworfenen heiserer Unterton, „Lustgreise.“
Er lachte laut, dass sie den Aschenbecher festhalten musste.
Dann grinste er.
„Und das wolltest du mal herausfinden.“
Sie stützte sich etwas auf.
„He, he, du hast mich verführt.“
„Ach.“
Er schaute wieder zur Zimmerdecke und zog ein letztes Mal an der Zigarette. Dann reichte er ihr den Aschenbecher und schlug seine Bettdecke beiseite. Er wusste, dass sie ihn betrachtete, während er sich anzog. Und dabei dachte er, es ist gut, dass ich noch täglich Kraftsport treibe. Als wolle sie einen Kommentar zu seinen Gedanken abgeben, hörte er vom Bett:
„Du bist noch verdammt gut beieinander.“
Jetzt schaltete er das Licht an und wies mit dem Zeigefinger auf sie.
„Du hast beim Scrabbeln den Vorschlag gemacht, der Verlierer müsse sich etwas ausziehen.“
Sie kicherte und zog sich die Bettdecke über den Kopf.
Ihre Worte kamen dumpf unter der Decke hervor.
„Das habe ich nicht.“
Er gab sich energisch.
„Das hast du doch.“
Sie zog die Decker wieder herunter.
„Ich habe gesagt, meine Freundin hat das mal mit ihrem Nachbarn gespielt und dann kamen sie auf die Idee, dass sich der Verlierer etwas ausziehen muss.“
Inzwischen war er fertig angezogen.
„Und das hast du genau dann gesagt, als ich verloren hatte.“
In ihren Augen funkelte der Lachteufel.
„Und du hast dann einfach deinen Pullover ausgezogen.“
Er stemmte die Fäuste in die Seiten und gab seiner Stimme einen sehr strengen Tonfall, aber konnte ein Feixen nicht verbergen.
„Du bist ein ausgekochtes Biest.“
Sie kicherte und blieb ihm die Antwort nicht schuldig.
„Kleine-Mädchen-Verführer.“
Er winkte nur mit der Hand ab.
„Ich geh jetzt in die Küche und koche uns Kaffee.“
Er ging und drehte auch in der Küche die Heizung auf. Während er hantierte, kam sie plötzlich splitternackt herein. Er schnitt gerade einen Stollen an. Sie legte beide Hände auf seine Schulter.
„O, Weihnachtsstollen.“
„Ja, hat meine Frau gebacken, bevor sie zur Kur fuhr.“
Sie gab ihm ein Küsschen auf die Wange.
„Gute Frau.“
„Nicht wahr.“
„Ich geh noch duschen, hast du was dagegen?“
„Ach was.“
Er gab ihr einen kleinen Klaps auf den Hintern. Sie juchzte und sprang hinaus. Er hörte bis in die Küche, wie sie im Bad ein Liedchen trällerte. Während sie vorbeihuschte in Richtung Schlafzimmer, zündete er drei Adventskerzen an. Er schaltete das Deckenlicht aus und das Radio ein. Es erklangen Weihnachtslieder.
Sie kam fertig angezogen und setzte sich an den Tisch, indessen er Kaffee einschenkte.
„Ach, schön, wie früher zu Hause.“
„Süßer die Glocken nie Klingen...“, sang der Knabenchor.
„Wann kommt denn deine Frau zurück, Bob?“ fragte sie und schmatzte ein wenig.
Er stutzte.
„Einen Tag vor Heilig Abend, aber warum nennst du mich Bob, ich heiße Robert.“
Sie schmunzelte.
„Bob passt irgendwie besser zu dir.“
Er reichte ihr die unvermeidlichen Zigarettenschachtel hinüber. Als sie sich einen Glimmstängel herausholte, bemerkte er.
„Aber sag nicht Bob zu mir, wenn meine Frau wieder da ist.“
Sie lachte lautlos und pustete dabei die Flamme aus.
„Ich sag Onkel Robert zu dir.“
Er räusperte sich und schlug die Flamme neu an.
„Übertreib’s nicht.“
Dann lehnten sie sich beide zurück und schauten sich an.
„Was würdest du sagen, wenn deine Frau sich einen Kurschatten zugelegt hat, so einen feschen jungen Burschen.“
Er schwieg und überlegte, bis er antwortete:
„Das würde ich nie erfahren, so wie meine Frau nie erfahren wird, was wir hier angestellt haben.“
Sie lächelte.
„Du kannst dich auf mich verlassen.“
Am Abend war er allein, und das Telefon klingelte.
„Ja, ach du bist es Schatz.“
Er hörte.
„Geht’s dir gut, Robert?“
„Ja, doch, die kleine Studentin hatte mich besucht und wir haben Scrabble gespielt.“
„Ach, sie ist so eine Liebe, Robert, schön, dass sie dich besucht.“
Dann unterhielten sie sich über die Kur und die Familie, während er ein paar mal auf die Armbanduhr schaute, im Fernsehen kam ein schöner alter Hollywoodschinken. Endlich sagte seine Frau:
„Dann, mach’s gut Robert, im Fernsehen kommt noch so eine schöne Schnulze.“
„Gute Nacht, mein Schatz“, sagte er und legte auf.
Am späten Abend lag er im Bett und schaute in die Dunkelheit. Früher, fiel ihm ein, nannte ihn seine Frau auch Bob, aber dann kamen die Kinder, der ganze Alltag, dann hieß er nur noch Robert.
Er schlief mit einem Lächeln ein.

Er lag auf dem Rücken und starrte an die Decke. Es war vielleicht vier und wurde schon dunkel. Er schnitt Faxengesichter in die Dämmerung, blies seine Wangen auf und öffnete die Lippen zu einem lautlosen Oooh, das seinem Mund entwich, immer wieder. Die weiße Farbe der Zimmerdecke begann zu vergilben, das erkannt er selbst bei diesem Licht. Schwarze Risse zogen sich wie riesengroße Spinnenweben über die Fläche. Nächstes Frühjahr musste er renovieren, da half alles nichts. Dazu kannte er seine Frau gut genug. Drei Jahre sprach sie schon davon. Es gab keinen Ausweg.
Warum konnte die Wohnung nicht mit ihm alt werden und irgendwann sterben. Sollten doch die Nachmieter renovieren. In Wirklichkeit war es seiner Frau auch egal, sie schämte sich nur vor den Jungen, wenn sie zu Besuch kamen mit ihren Familien. Natürlich könnte er die beiden fragen, ob sie renovieren würden. Würden sie auch machen, aber ihn mit einem langen Blick bedenken, der so etwas aussagte wie: Aber Vater, du hast doch jede Menge Zeit, du stehst doch in der Blüte deiner Jahre. Darum würde er sich wieder schämen. Die Jungs hatten schließlich beide Arbeit, zum Glück. Und er nicht.
„Bist du schon lange wach?“
Er drehte gar nicht den Kopf. Und er erschrak nicht, obwohl er dachte, sie schlief die ganze Zeit über. Offenbar hatte sie ihn beobachtet bei seinem Grimassenschneiden.
„Ich hab' gar nicht geschlafen.“
Er schob seinen Arm unter ihren Kopf. Sie kuschelte sich an ihn.
„Was hast du denn gemacht, wenn du wach warst?“
Er guckte angestrengt zur Decke, dann hatte er die Antwort.
„Nichts.“
„Nichts Weltbewegendes gedacht?“
Sie kicherte. Sie war noch jung und konnte es sich nicht vorstellen, dass man an die Zimmerdecke guckt und an nichts denkt, manchmal stundenlang.
Sie kicherte leise und kraulte seine Brusthaare.
„Nee“, sagte er.
„Man kann doch nicht einfach so vor sich hingucken, die Backen aufblasen und an nichts denken, das machen kleine Kinder.“
„...oder alte Männer.“ Er beendete ihren Satz.
Sie schwieg. Dann fiel ihm ein etwas nettes zu sagen.
„Ich hab' deinen Schlaf bewacht.“
Daraufhin verstärkte sie den Handdruck und pustete an seine Brust.
„Du hast graue Brusthaare.“
Er lächelte.
„Und du hast keine.“
Sie kicherte schon wieder. Er sagte noch einen Satz dazu.
„Du hast schöne straffe glatte Titten.“
Sofort hörte sie auf, seine Brust zu streicheln.
„Du, ich bin kein Flittchen.“
Er seufzte und drehte sein Gesicht zu ihr.
„Das habe ich auch nie behauptet.“
Sie schwiegen beide und schauten sich in die Augen. Sie brach als erste das Schweigen.
„Es ist saukalt hier.“
„Ja, geh, dreh' die Heizung auf und bring Zigaretten mit, wir rauchen noch eine im Bett, dann mache ich uns einen Kaffee.“
Er dehnte sich etwas, als sie aufsprang. Sie drehte am Fenster den Heizkörper auf. Er betrachtete sie. Ihr weißer Körper war makellos. Ihre Bewegungen wirkten forsch. Sie ist ’ne ganz Forsche, dachte er und lächelte wieder. Vielleicht ist sie die letzte junge Schöne in meinem Leben. Ihre nackten Fußsohlen schmatzten auf den Dielen.
„Wo sind die Zigaretten?“
Es wurde immer dunkler. Als sie sich zu ihm drehte, sah er das schwarze Dreieck ihrer Schambehaarung nur noch undeutlich.
„Auf dem Schreibtisch. Der Aschenbecher muss auch dort stehen.“
Sie kam mit einem Sprung zurück ins Bett und stellte Aschenbecher und Zigaretten auf seine Brust, dann schlüpfte sie unter die Decke und kuschelte sich an ihn.
„Brrh.“
Er nestelte zwei Zigaretten aus der Packung und steckte ihr eine in den Mund. Sie nahm sie wieder heraus.
„Eigentlich möchte ich gar nicht rauchen, ich hab' jetzt Hunger und Kaffeedurst.“
Er strich ihr über das Haar.
„Auf hungrigen Magen schmecken die Zigaretten am besten, weiß du das nicht?“
Sie steckte ihre Zigarette in die Flamme und blies den Qualm aus.
„Muss ich ausprobieren“, sagte sie und dann, „stimmt.“
Beide schwiegen drei Züge lang. Er spielte mit den Fingern in ihren Haaren.
„Warum rasierst du dich eigentlich nicht.“
Sie prustete lachend und blies den Rauch in sein Brusthaar.
„Soll ich mir eine Glatze rasieren?“
Er schwieg zwei Züge lang.
Dann sagte er:
„Ich meine untenrum.“
„Untenrum?“
„Ja, ich dachte, das machen alle jungen Mädchen.“
Nachdenklich schaute sie ihn an.
„Stört dich das?“
„Nee, ist nur ungewohnt.“
Ihr stand das blanke Erstaunen im Gesicht geschrieben.
„Nein, nur ungewohnt? Soll das heißen, deine Frau rasiert sich da?“
Sie betonte das „da“, also wolle sie dem Wort eine besondere Bedeutung geben.
„Aber ja, was hast du denn gedacht?“
„Hm.“ Sie stippte die Zigarettenasche in den Aschenbecher und flüsterte in sein Ohr:
„Ihr Alten seid wohl alle pervers“, dabei gab sie ihrer Stimme einen verworfenen heiserer Unterton, „Lustgreise.“
Er lachte laut, dass sie den Aschenbecher festhalten musste.
Dann grinste er.
„Und das wolltest du mal herausfinden.“
Sie stützte sich etwas auf.
„He, he, du hast mich verführt.“
„Ach.“
Er schaute wieder zur Zimmerdecke und zog ein letztes Mal an der Zigarette. Dann reichte er ihr den Aschenbecher und schlug seine Bettdecke beiseite. Er wusste, dass sie ihn betrachtete, während er sich anzog. Und dabei dachte er, es ist gut, dass ich noch täglich Kraftsport treibe. Als wolle sie einen Kommentar zu seinen Gedanken abgeben, hörte er vom Bett:
„Du bist noch verdammt gut beieinander.“
Jetzt schaltete er das Licht an und wies mit dem Zeigefinger auf sie.
„Du hast beim Scrabbeln den Vorschlag gemacht, der Verlierer müsse sich etwas ausziehen.“
Sie kicherte und zog sich die Bettdecke über den Kopf.
Ihre Worte kamen dumpf unter der Decke hervor.
„Das habe ich nicht.“
Er gab sich energisch.
„Das hast du doch.“
Sie zog die Decker wieder herunter.
„Ich habe gesagt, meine Freundin hat das mal mit ihrem Nachbarn gespielt und dann kamen sie auf die Idee, dass sich der Verlierer etwas ausziehen muss.“
Inzwischen war er fertig angezogen.
„Und das hast du genau dann gesagt, als ich verloren hatte.“
In ihren Augen funkelte der Lachteufel.
„Und du hast dann einfach deinen Pullover ausgezogen.“
Er stemmte die Fäuste in die Seiten und gab seiner Stimme einen sehr strengen Tonfall, aber konnte ein Feixen nicht verbergen.
„Du bist ein ausgekochtes Biest.“
Sie kicherte und blieb ihm die Antwort nicht schuldig.
„Kleine-Mädchen-Verführer.“
Er winkte nur mit der Hand ab.
„Ich geh jetzt in die Küche und koche uns Kaffee.“
Er ging und drehte auch in der Küche die Heizung auf. Während er hantierte, kam sie plötzlich splitternackt herein. Er schnitt gerade einen Stollen an. Sie legte beide Hände auf seine Schulter.
„O, Weihnachtsstollen.“
„Ja, hat meine Frau gebacken, bevor sie zur Kur fuhr.“
Sie gab ihm ein Küsschen auf die Wange.
„Gute Frau.“
„Nicht wahr.“
„Ich geh noch duschen, hast du was dagegen?“
„Ach was.“
Er gab ihr einen kleinen Klaps auf den Hintern. Sie juchzte und sprang hinaus. Er hörte bis in die Küche, wie sie im Bad ein Liedchen trällerte. Während sie vorbeihuschte in Richtung Schlafzimmer, zündete er drei Adventskerzen an. Er schaltete das Deckenlicht aus und das Radio ein. Es erklangen Weihnachtslieder.
Sie kam fertig angezogen und setzte sich an den Tisch, indessen er Kaffee einschenkte.
„Ach, schön, wie früher zu Hause.“
„Süßer die Glocken nie Klingen...“, sang der Knabenchor.
„Wann kommt denn deine Frau zurück, Bob?“ fragte sie und schmatzte ein wenig.
Er stutzte.
„Einen Tag vor Heilig Abend, aber warum nennst du mich Bob, ich heiße Robert.“
Sie schmunzelte.
„Bob passt irgendwie besser zu dir.“
Er reichte ihr die unvermeidlichen Zigarettenschachtel hinüber. Als sie sich einen Glimmstängel herausholte, bemerkte er.
„Aber sag nicht Bob zu mir, wenn meine Frau wieder da ist.“
Sie lachte lautlos und pustete dabei die Flamme aus.
„Ich sag Onkel Robert zu dir.“
Er räusperte sich und schlug die Flamme neu an.
„Übertreib’s nicht.“
Dann lehnten sie sich beide zurück und schauten sich an.
„Was würdest du sagen, wenn deine Frau sich einen Kurschatten zugelegt hat, so einen feschen jungen Burschen.“
Er schwieg und überlegte, bis er antwortete:
„Das würde ich nie erfahren, so wie meine Frau nie erfahren wird, was wir hier angestellt haben.“
Sie lächelte.
„Du kannst dich auf mich verlassen.“
Am Abend war er allein, und das Telefon klingelte.
„Ja, ach du bist es Schatz.“
Er hörte.
„Geht’s dir gut, Robert?“
„Ja, doch, die kleine Studentin hatte mich besucht und wir haben Scrabble gespielt.“
„Ach, sie ist so eine Liebe, Robert, schön, dass sie dich besucht.“
Dann unterhielten sie sich über die Kur und die Familie, während er ein paar mal auf die Armbanduhr schaute, im Fernsehen kam ein schöner alter Hollywoodschinken. Endlich sagte seine Frau:
„Dann, mach’s gut Robert, im Fernsehen kommt noch so eine schöne Schnulze.“
„Gute Nacht, mein Schatz“, sagte er und legte auf.
Am späten Abend lag er im Bett und schaute in die Dunkelheit. Früher, fiel ihm ein, nannte ihn seine Frau auch Bob, aber dann kamen die Kinder, der ganze Alltag, dann hieß er nur noch Robert.
Er schlief mit einem Lächeln ein.

HARFIM - 6. Dez, 00:34
15










