23
Mai
2013

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Der alte Fritz spielt Schach

*gg* Diese Geschichte ist genau ein Jahr alt und stand am 24.05.2012 in diesem Blog - und hatte 2013 Zugriffe und keinen einzigen Kommentar. Ich weiß, ehrlich gesagt, nicht warum? Ach, lesen Sie doch selbst...


Die Hitze klebt wie zäher Honig über die Stadt gegossen, in der Luft steht alles still. Die Katze döst den ganzen Vormittag schon, als hätte sie Rauschgift gefrühstückt, draußen quietscht ein einsamer Kran auf der Baustelle gegenüber… doch die Bauarbeiter sitzen unter dem Schatten von Akazien in der Straßenkneipe weiter oben und machen eine Mittagspause. Sie schweigen, schwitzen und warten auf ihre Schnitzel… manchmal summt ein Handy wie ein Mückenschwarm…
Der alte Fritz schaut vom Balkon, die Hitze schnürt ihm die Luft ab. Er geht hinein in die Wohnung hinten ins Arbeitszimmer, die Katze blinzelt noch nicht einmal, wenn er vorbei geht. Wann kommt endlich ein Gewitter?
Das Telefon klingelt.
Fritz hebt ab und verdreht gequält die Augen. Eine Frauenstimme schießt Wörter aus der Hörmuschel wie eine Maschinengewehrsalve, denken Frauen nicht beim Sprechen?
„Hören Sie“, sagt Fritz und knarzt möglichst unwirsch, „ich bin hochgradig schwerhörig, da müssen Sie schon langsamer sprechen…“ er kann sich das leisten, denn er ist schon 67 Jahre alt und hat die Rente erreicht.
„Entschuldigen Sie“, antwortet die Frau und versucht langsamer zu sprechen, „wir sind von einem Meinungsforschungsinstitut und würden gern eine Umfrage mit Ihnen machen, spreche ich mit Herrn Fritz Meyer?“
„Haben Sie schon gestern, vorgestern und vorvorgestern hier angerufen und sind auf meinem Anrufbeantworter gelandet?“ fragt Fritz streng.
Jetzt stutzt die Frau das erste Mal:
„Ich weiß nicht, es kann sein, ein Kollege von mir hat es versucht…“
Fritz unterbricht sie möglichst unfreundlich:
„Wenn Sie auf einen Anrufbeantworter landen, haben Sie Ihren Namen und Ihre Telefonnummer zu nennen, Ihr Anliegen zu erklären und natürlich auch zu verraten, wie Sie heraus bekommen haben, dass in meinem Beispiel Fritz Meyer genau diese Telefonnummer hat, ansonsten hat das alles den Anschein von Unseriosität, dass nämlich hinter Ihnen eine Firma steckt, die es darauf abgesehen hat, Menschen per Telefon abzuzocken, haben Sie das verstanden?“
Die Frau stutzt etwas länger. Auf einmal sagt sie.
„Ja.“
„Was ja?“
„Ich habe das verstanden, und Sie haben völlig Recht mit Ihrem Verdacht – aber würden Sie trotzdem die Umfrage mit mir machen?“
Jetzt stutzt Fritz.
„Und warum sollte ich das tun?“
Die Frau scheint Mut zu schöpfen.
„Wissen sie, es geht um meine Existenz, ich lebe hier in Athen, meine Wohnung ist die Hinterbank meines alten Opels, meine Kinder leben auf dem Land bei meiner alten Mutter, wir haben allen nichts zu essen, in diesem Büro hier ist es stickig und heiß“, sie senkt etwas die Stimme und raunt flehend aus der Hörermuschel…“machen sie die Umfrage mit mir?“
Fritz lacht auf.
„Das haben Sie aus der Talkshow gestern Abend, in der auch Lafo… war und der griechische Journalist, Sie sollten das Elend unserer griechischen Mitmenschen nicht für Ihren schändlichen Job missbrauchen!“ Und legt auf.
Anschließend schlurft er in die Küche und kocht sich eine Tütensuppe… draußen hämmern inzwischen wieder die Bauarbeiter und schleifen und rufen sich etwas zu wie Seehunde auf den Klippen eines Ozeans, nur dass es da nicht so warm ist.
Der alte Fritz schließt die Balkontür. Seine Laune steigert sich ins Misslaunige wie das Fieberthermometer eines Kranken…
Gestern zeigten sie fette alte deutsche Frauen im Bikini am Nordseestrand, welche dem Reporter ins Mikrofon raunzten, dass Deutschland den Griechen schon genug Milliarden geschenkt hätte, einmal müsse Schluss sein, und nie würden sie dort ihren Urlaub machen… es fehlte eigentlich nur noch der Rassist Dieter Nuhr, der seine unpassenden Witze riss über griechische Esel in griechischen Bergen…

Der alte Fritz geht an den Computer ins Internet. Er sieht sich dort eine junge nackte Frau an und schüttelt über sich selbst den Kopf, dass vor Jahren ihn noch so etwas interessierte, als wäre er damals in eine Art Wahn…
Resigniert ruft er ein Schachprogramm einer großen Internetzeitung auf und wählt den Schwierigkeitsgrad „sehr leicht“, um seine schlechte Laune wieder in eine gute zu kehren.
Was ist das Leben? Ein Jojo-Spiel, mal geht es hoch, mal geht es runter.
Er wählt die selbst unter Kindern bekannte Schacheröffnung „Schäferzug“, schon nach zehn Zügen war er besiegt und zwar so schnell, dass es sich nur um einen Schachcomputer handeln konnte, gegen den er da angetreten war. Von wegen „sehr leicht“
„Alles Betrüger“, murmelt Fritz und schaltet die Kiste aus, geht auf die Couch immer noch missgelaunt. Er nimmt sich die Zeitung vor. Natürlich schreiben Sie über Lafo und ob seine Sarah nun Parteivorsitzende werden würden wollen … der alte Lafo ist doch älter als ich, was muss der sich eigentlich so ‘ne Junge suchen? Nur um der Welt zu zeigen, was er für ein toller Hecht und Lebenskünstler ist? denkt der 67-jährige Fritz…
Der alte Fritz legt die Zeitung beiseite, setzt sich in den Sessel und raucht eine Zigarre…

Nach dem Gewitter…
Am Abend ist er immer noch grantig. Obwohl sich über die Baustelle die Ruhe legt wie ein kühler Schlaf und die Luft draußen auf dem Balkon ihm mit einer gewissen Zärtlichkeit die graue Glatze küsst. Die Katze jagt Fliegen…
Fritz beschließt auf ein Bier zu gehen.
Emma heißt zwar nicht Emma, aber ihre Mutter hieß so. Jetzt kellnert die Tochter bei Kamenke und hat den Namen geerbt.
„Emma, bring mir ‘nen Helles und ein Kompott“, knarzt Fritz und lehnt sich zurück.
„Geht klar, Fritz“ zwitschert Emma mit der unverwüstlich guten Laune eines jungen Spatzen.
Ein Kompott ist ein Schnaps, ein Klarer.
Emma stellt die vollen Gläser vor ihn hin.
„Sag mal, drinnen sitzt jemand, der würde dich gern kennen lernen, ist auch schwerhörig…“
„Aber keine Frau und kein Grieche“, knarzt Fritz.
„Nein, einer aus Aserbaidshan“, zwitschert Emma.
Wenig später sitzt dem Fritz gegenüber ein junger schwarzhaariger Mann mit schwarzen Augen…
„Kann kein gut Deutsch“, sagt er und hebt bedauernd die Hände, „aber auch nicht gut hören.“
Er hebt die Hände wie ein tanzender Pinguin und lacht.
„Schach?“ fragt Fritz.
„Gern“, sagt der junge Mann.
„Emma, bringst mal ein Schachspiel?“ ruft Fritz.
Wenig später eröffnet der junge Mann die Partie mit dem Schäferzug.
Fritz schmunzelt, trinkt noch ein Kompott, zündet sich eine Zigarre an, jetzt hat er eine gute Laune und zieht einen Bauern.
Was er aber noch nicht weiß, ist, wie hervorragend die jungen Männer aus Aserbaidshan Schach spielen können…
1242

22
Mai
2013

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Soldaten sind Mörder

Soldaten sind Mörder

Über keine andere Aussage Tucholskys wird bis heute so viel und so kontrovers gestritten. Nach meiner Ansicht könnte man allenfalls zur Entschärfung die Aussage so verändern: „Soldaten sind potentielle Mörder“, das ist allerdings insofern nur eine gutgemeinte Entschärfung, denn sein authentischer Ausspruch ist da treffender. Mord ist die vorsätzliche Tötung eines oder mehrerer Menschen, dafür werden Soldaten ausgebildet. Es ist einigermaßen verlogen, da in Gedanken einzuschließen, wir hoffen allerdings, es kommt nicht dazu. Irgendwann kommt jede Armee zum „Einsatz“, ich habe mal mit einem Offizier diskutiert, der auch noch erklärte, dass ein Ausspruch von Moltke (oder einer dieser Militärphilosophen) wahr wäre, dass eine Armee, die sich zwanzig Jahre lang im Frieden befände, eigentlich gar nicht mehr „kriegstauglich“ ist. In solchen Begriffen denken halt Offiziere und Generäle.
Wer sich intellektuell verbrämt auf Stammtischniveau mit dem Ausspruch Tucholskys auseinandersetzen möchte, und es gibt tausende Laienphilosophen. Möchtegernjournalisten... die dann neumalklug Tucholsky entkräften wollen, denen sei meine Ansicht kundgetan, sie können ihm alle weder nach Intelligenz noch allgemein nach Menschenklugheit das Wasser reichen. Er hat es auf den Punkt gebracht.
Dann habt doch wenigstens Eier in der Hose und sagt, „ja, schon, aber es gibt eben die guten Mörder und die bösen Mörder“
Für den einzelnen Menschen, den Soldaten macht das allerdings keinen Unterschied. Wenn er zu einem Mörder geworden, ist er für alle Zeit gebrandmarkt wie einst Kain, in seinem Menschsein für immer geschädigt.
Aber interessiert das Offiziere und Generäle, Politiker und etwa die Stammtischphilosophen?
Nein.
Man möge nur mal genau hinhören, wenn es Berichte über traumatisierte Kriegsveteranen gibt, auch in Deutschland... diese armen Seelen sind verloren und eigentlich geächtet.
Vielleicht sollte man das so sagen:
Soldaten sind Mörder und nach ihrer erfolgreichen Verwendung für immer verloren.
Das wäre ehrlicher, oder.

Jede Romantisierung des „Soldatenberufes“ halte ich für eine schreckliche und verlogene Verharmlosung und manchmal zweifle ich, ob es wirklich nur die Naivität einer Prinzessin auf der Erbse ist, die so etwas kundtut.
Es gibt zahlreiche Werke der Literatur und des Films, auch der Malerei, die eigentlich Menschen mit Verstand die Augen öffnen sollten. Ob es nun Remarques „Im Westen nicht Neues“ oder die Bücher Simonows sind, Filme wie „Die Brücke“ oder die amerikanischen Vietnam Antikriegsfilme, schon Goyas Bilder, Picassos „Guernica“ sind Zeugnisse für die Grausamkeit von Kriege und Morde und Vernichtung von anderen Menschen aus religiösen oder politischen und rassistischen Gründen.
Ich hatte mal eine Diskussion über das Gedicht „Die Todesfuge“, in der die schwarze Milch ein Zeichen für die nie Enden sollende Trauer der Verfolgten, der Entkommenen ist, diese Milch wird auch am Tage schwarz bleiben. Weil die Trauer nämlich nie endet, „nach Auschwitz sind keine Gedichte mehr möglich sind.“
Die Diskutantin hier im Internet, die sich viel zugute hielt, eine Literaturkennerin zu sein, hatte das gar nicht begriffen und bekundete ziemlich entnervt, vielleicht wurde schwarze Kohle in die Milch verrührt.
Mit dieser „Naivität“ glorifiziert sie noch heute das Soldatensein und ist zumindest irgendwie folgerichtig und logisch. Es ist traurig, wenn jemand in diesen Fragen nur um das Recht haben wollen diskutiert und letztendlich seine Dummheit offenbart.

Krieg und Vernichtung können solche Auswirkungen haben, dass für die Betroffensein für immer das Antlitz verhüllt bleibt. Es ist kein Handeln danach mehr möglich, das Grauen hört nie auf.
Das ist die Wahrheit.
Das ist das, was jedenfalls der deutsche Faschismus in der Welt zurückließ für die „Überlebenden“, die Opfer.

Ich möchte nicht nur den Ausspruch erwähnen. „Im Krieg stirbt die Wahrheit zuerst“ (und das gilt auch für die modernen Kriege wie in Korea, Afghanistan, Irak, Syrien), also über die Verfälschungen in der Propaganda der Krieg führenden Staaten, wer darauf reinfällt ist dumm und naiv oder verbrecherisch und bewusst verlogen, sondern auf die Frage, warum es zu Kriegen kommt.
Da treffe ich auf die nächste Weisheit, von solchen, die auf der „guten Seite“ stehen,
und ein bisschen klüger sind als ich:

Krieg ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln

Das bedeutet doch, wenn Politik scheitert, kommt es zu Kriegen. Es geht um Interessen, welche die Politiker durchsetzen wollen mit allen Mitteln, und die Soldaten sind nichts als „Werkzeuge zum Zwecke“. Da werden vielleicht die öffentlich bekundeten Moraläußerungen von Verteidigung der Freiheit, der Menschenrechte und ähnliches beim näheren Hinsehen schnell zu Phrasen, um Menschen zu missbrauchen. So verstehe ich auch jede Propagandaveranstaltung von Militärs in Schulen zum Beispiel.
Der deutsche Kaiser, der angeblich einst äußerte, der Krieg bekäme ihm wie eine Badekur, hatte in Wahrheit vielleicht nur Sehnsucht nach einer Neuaufteilung der Welt, nach Eroberung von Kolonien, ein relativ kleiner zwar schlimmer Anlass wurde da zur Kriegspropaganda – und begründung.
Ein Vorwand nichts weiter.
Wegen eines Erbprinz`Tod mussten dann Millionen sterben?
Was man am Verhandlungstisch nicht erreichen konnte, sollte auf dem Schlachtfeld geklärt werde, Millionen folgten ihm jubelnd und dachten nicht daran, dass die Wahrheit zuerst schon gestorben ist... selbst solche klugen Menschen wie Thomas Mann, Stefan Zweig und andere Intellektuelle und Künstler waren darunter, Heinrich Mann und Rolland in Frankreich allerdings nicht...
das Ergebnis: Millionen Tote und keine Neuaufteilung der Welt.
Das nächste Scheitern ging dann Adolf, der Große an und das deutsche Volk folgte auch ihm anfangs jubelnd.
Polen und Russland mussten am meisten leiden, vielleicht kamen sie am Nahesten in der Verteidigung dem Begriff, „gerechter Krieg“, aber auch ihre Soldaten „verrohten“ in den Jahren des Krieges und es gab Massenvergewaltigungen und Vertreibungen, mancher mag das sogar gerecht nennen. Ich nicht.
In den letzten Kriegsjahren ging es von den Alliierten aus auch nur noch um „Interessen“ und Moral wurde zum Vorwand.
Warum denn erfolgte die Landung in der Normandie so spät?
Und man kennt auch die Geschichte mit dem Schiff, auf dem jüdische Flüchtlinge von Land zu Land fuhren, keiner nahm sie auf, sie mussten zurück nach Deutschland.
Moral?
Weltgewissen?

Ist da nicht eine Wahrheit, dass man nebenbei durch Hitler auch den Kommunismus beseitigen wollte in der Welt, und als die Russen nachweislich im Vormarsch waren, griff man endlich ein?
Um bei der Neuaufteilung der Welt, zumindest Europas mitreden zu können.
Ging es wirklich um Freiheit, Demokratie und Menschenrechte? Nur darum?
Churchill sprach als erster leidenschaftlich vom „Eisernen Vorhang“ und wir hatten den kalten Krieg.
Der hochverehrte John F. Kennedy pokerte in der Kubakrise hoch, er hätte es zum atomaren Krieg kommen lassen... mein Held ist der sowjetische U-Boot-Kommandant, der damals entgegen seines Befehls nicht auf das Knöpfchen drückte.
Stillschweigend wurden danach die amerikanischen Mittelstreckenwaffen aus der Türkei entfernt. Die Unmöglichkeit einen Sieg allenfalls erringen, aber nicht feiern zu können, zwang die Politik zum Einlenken.
Nichts weiter. Keine Moral. Die Moral ist nur fürs dumme Volk.
Das Volk hat lediglich die Möglichkeit genau hinzusehen und die Politiker zu wählen, die kein Interesse am Krieg haben können.
Die Kriege im Nahen Osten, die „modernen“ Kriege (neuerdings mit Drohnen) alle haben nichts mit Einflussgebieten und der zukünftigen Nutzung von Rohstoffen zu tun?
Ha, ha.

Wie ist das zum Beispiel:

Politiker sind keine Heilige

Dieser Tage las ich von dem berühmten John F. Kennedy, er hätte als junger Mann 1937 Deutschland besucht und in seinem Tagebuch sich begeistert (wie auch sein Vater) über das Deutschland Hitlers geäußert, alles so ordentlich, sauber und gut organisiert. Und 1945 vermutete er, der Hitler wäre so grandios gescheitert, in wenigen Jahrzehnten würde er in Deutschlands auf Denkmälern zu sehen sein.
Vielleicht kommt das ja noch.

Hat nicht einst der von allen geliebte Helmut Schmidt auch sehr hoch gepokert, dass es beim Nato Doppelbeschluss ganz nahe am Kriege war?
Schmidt bezeichnete sich selbst mal als einen „Krieger“. Die große „Heldentat“ in Mogadischu hätte auch leicht in die Hose gehen können, wenn die Flugzeugpassagiere in die Luft gesprengt wären, nur so aus Prinzip? Ich hätte Schmidt damals nicht gewählt, aber das Volk hatte ja dazu gar keine Wahl. Und Schmidt hatte Glück. Pokerspieler.
Politiker denken anders, sie denken strategisch, die Menschen sind quasi Schachfiguren... aber vielleicht muss das so sein.
Wir sollten schon mal gut nachdenken vor einer Wahl.

Kriege erreichen nichts

Ich kenne keinen Krieg, der sein Ziel erreicht hätte. Oder leben die Menschen in Irak nun besser?
Werden nach dem Abzug der Truppen in Afghanistan nicht die Talibankämpfer aus den Höhlen kommen und wieder einen Gottesstaat errichten?
Hat in Vietnam nach der Niederlage der Amerikaner nun der Kommunismus gesiegt?
Wie viel Kolonien gibt es noch?

Vielleicht war der UN-Einsatz auf dem Balkan die große Ausnahme, aber vielleicht auch nicht.



Jesus und Mohammed und Sidharta kommen auf die Erde zurück

Hand in Hand. Wenn ich besser schreiben könnte, würde ich darüber einen Roman schreiben.
Gott und Allah sind identisch, die Propheten Jesus (von mir aus auch Gottes Sohn und nicht der Sohn eines römischen Soldaten) sowie der Prophet Mohammed kehren auf die Erde zurück, sind natürlich wie Brüder, wie beste Freunde, Sidharta, der Buddha schließt sich an und sie schauen, was so los ist in der Welt...
leider kann ich nicht gut genug schreiben.

Ich habe vielleicht zu schlecht über Politiker geredet, die Menschen wie Schachfiguren sehen, strategisch handeln, Statistiken mehr vertrauen als Träumen von einer idealen Welt, manchmal ein bisschen hoch pokern...

Natürlich gibt es auch Brandts Kniefall in Warschau und wird unvergessen bleiben und Schmidt, der Krieger?
Neulich hörte ich die Geschichte von der Nilfahrt mit Sadat und nachts unterem Sternenhimmel das Gespräch, das die beiden führten, dass nämlich alle Religionen einen Ursprung haben und wir verdammt noch mal die Pflicht haben Welt weit friedlich zu leben, sollte es denn einen (gemeinsamen) Gott geben... Der alte Schmidt sprach da von seiner schönsten Erinnerung.
Der Plan auf dem Sinaiberg, von dem Moses einst das gelobte Land gesehen haben sollte, eine gemeinsame Kirche zu bauen.

Auch nicht schlecht.

Sorry, die Utopie geht nie unter.
134

21
Mai
2013

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Ein neues Buch bei Kindle

Wenn Sie sich ein wirklich nettes Katzenbuch von Karen Marina herunter laden möchten, nur zu, es ist preisgünstig und macht Freude beim Lesen. Meine Katze Bonjuk ist in dem Buch auch abgebildet :-)

51H-lSuoO9L-_AA160_

http://www.amazon.de/Karen-Marina/e/B009ETGO3U/ref=sr_ntt_srch_lnk_1?qid=1369130712&sr=1-1
25

20
Mai
2013

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Eine Lanze für den Pazifismus

Wer wie ich gerade sich ein wenig in den Blogs festliest und dann wieder bei diesen katholischen Taliban gelandet ist und sich verwundert die Augen reibt, woher in angeblich christlichen Seelen so viel geifernder Hass auf Andersdenkende entstehen kann, samt Kriegsverherrlichungen in Afghanistan, Irak und sonst irgendwo, demnächst möchten sie auch gern in Syrien mitmischen, mag zur Erholung sich mit Stefan Zweig beschäftigen, einem bekennenden Pazifisten, der genau genommen aus Verzweiflung über eine kriegerische Welt, die nur noch den Hass kannte, aus dem Leben schied.

http://www.stefanzweig.de/stefan-zweig-biographie.html

Und übrigens nebenbei bemerkt, wenn eine Organisation, die sich auf den Fahnen geschrieben hat, Werbung für den Soldatenberuf aus den Schulen zu verbannen, auch in Opposition zu der offiziellen Regierungspolitik, dafür irgendeinen Friedenspreis bekommt, dann ist das ein Zeichen für die Demokratie und nicht gegen diese… zum Glück kann man in unserem Land auch andere Ansichten haben, inwiefern man Kinder und Jugendliche schützen muss, nach meiner Ansicht sogar vor jeglicher Religion, den Beweis liefert der besagte Blog, der hier in der Internet-Landschaft zum Himmel stinkt wie ein Riesenmisthaufen.
Schreibt doch noch einen Brief an den Papst, dass er gefälligst Soldaten in Afghanistan die Füße waschen soll, hu, hu, hu.
Religionen rechtfertigen natürlich seit Menschengedenken Kriege… nur einmal habe ich beim Lesen laut gelacht, als nämlich auch noch der arme Brecht zitiert wurde :-)), diese verbohrten Leute meinten in ihrem Sinne…



Aus der DDR kenne ich noch Werbeveranstaltung der sogenannten Nationalen Volksarmee, mit der sie die unschuldigen Kinder zu indoktrinieren versuchten. Kann sich überhaupt jemand vorstellen, dass so ein Feldwebel oder „Capitan“ sich auf eine „demokratische“ Diskussion einlässt, die Möglichkeit offenhält, den Sinn des Soldatenberufes in Zweifel zu ziehen?
Das Brechtzitat kenne ich übrigens auch noch aus der DDR, auch ein Gedicht, der Friede müsse bewaffnet sein über einen Igel, der seine Stacheln brauche, ja, ja, ja, von Wilhelm Busch oder Lessing, alles Heilige, die sich nie irrten, ich glaube Brecht schrieb auch eine Stalinode…
Wenn ich immer wieder Hinweise auf Massenvergewaltigungen, Christenverfolgungen und Ähnliches lese, was quasi nur den einen Grund hat, nämlich zu rechtfertigen, dass man mit gleicher Münze heimzahlen darf, bekomme ich gelinde gesagt das Kotzen, natürlich verbrämt mit „gesegneten“ Pfingstgrüßen… Wie viel islamische Kinder sind eigentlich in den letzten Jahren durch christliche Bomben umgekommen?
Das interessiert doch keine Sau, geschweige denn verbohrte Katholiken.
Kriege haben noch nie Probleme gelöst, es gibt auch keine gerechten Kriege und niemand verteidigt in Afghanistan Deutschland, eher deutsche Interessen, die natürlich bis zu den Ölfeldern in Saudi Arabien reichen… ach, dieser ganze Scheiß.

Ich suche mal noch eine Geschichte aus der DDR raus, die ich hier bereits veröffentlichte…

http://harfim.twoday.net/stories/wozu/

In diesem Sinne etwas verspätet:
Gesegnete Pfingstgrüße.
81

18
Mai
2013

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Kleine unnütze Plauderei zwischendurch

Das Wetter ist trübe.
Das ist doch mal eine schöne Tatsache angesichts der letzten heiteren Sonnentage. Ich meine, gestern war es doch schon widerlich heiß, fast schwül. Und heute: Regengeniesel, kühle Luft, dämmriges Licht. Das ist doch mal eine gute Nachricht, schon der Meister Goethe stellte einst fest: Nichts ist schlimmer zu ertragen, als eine Reihe von schönen Tagen. Oder so ähnlich.
In den Profilen der hauptsächlich weiblichen Internetnutzer auf Heiratsseiten oder auch in sozialen Netzwerken liest man ja solche Weisheiten wie, es wäre die wahre Lebenskunst, nicht aufzubegehren gegen Dinge, die man eh nicht ändern kann und natürlich den Unterschied zu erkennen zu Dingen, die man ändern kann und das dann einfach tun...
Also, das Wetter kan man nicht ändern, es sei denn man zündet eine Atombombe an oder ähnliches. Weshalb soll man nun traurig nach draußen schauen und schluchzen, warum scheint die Sonne bloß nicht?
Nein, das ist nicht meine Sache.
Ich sage, o wie schön schummrig ist der Tag, ich verkrümle mich auf die Couch, schalte die Lampe an und lese.
Diverses, Zeitungen bieten sich immer an. Man liest stundenlang wohlig ausgestreckt und hat alles Sekunden später vergessen. Das ist gemütlich. Ich Radio spielen sie dazu Händel, vielleicht das Stück mit dem Paukenschlag. Passend...
Aktionismus ist für manche beglückend. Für andere eher nicht. Warum müssen dann aber die Manchen die Anderen immer nerven?

Es gibt ja diese Anekdote, dass irgendein weißer Mann auf irgendeiner Südseeinsel einen Einheimischen, der selig in einer Hängematte schlief, weil er seinen kürzlich gefangenen Fisch verdaute, aufweckte, er möge nun in großen Maße den Fischfang betreiben, damit es sich lohne.
Auf die Frage, worin denn der Lohn bestünde, sagte der weiße Mann keck, der Einheimische könne dann mit sich zufrieden, in der Hängematte ausruhen. So ähnlich ging die Anekdote, sie ist bekannt.
Die verdutzte Antwort war natürlich, das Ausruhen in der Hängematte tue er doch jetzt schon...
Na ja.
Schreiben ist ja auch etwas Aktives. Ich sollte es mir verkneifen.

In der Zeitung lese ich ein langes Interview mit einem Mathematiker, der die Fieldmedaille oder wie die heißt, also den Nobelpreis für Mathematiker erhalten hatte. Der gute Journalist wollte wissen, wofür, er verstehe nichts davon. Das konnte ich nachfühlen, aber die Antwort des Mathematikers fand ich ziemlich witzig.
Er verglich das Ergebnis einer Formel gar einer Theorie mit der Geburt eines Kindes. Schon von der Zeugung an überwiege eigenlich das Chaos, genau genommen ginge schon alles Mögliche schief bevor sich da zwei Zellen treffen und dann immer so weiter, die richtigen Schritte zum Werden eines fertigen Menschen sind eher zufällig, aber ordnen sich einer Struktur unter, aus dem Chaos heraus... diese Struktur habe er zu entdecken, und eine fertige Theorie oder Formel ist vergleichbar mit der Geburt eines Kindes. Das Chaos aber wäre notwendig, und er führte auf, in seinem Erkenntnisweg komme er am besten voran, wenn er das Chaos zulasse, so zum Beispiel tagelang nichts zu tun und zu bummeln... vor den Augen habe er aber immer sein Ziel: die Lösung. Die Struktur setzt sich übrigens immer durch. Am Ende.
Na ja.
Also diese geplante und alternativlose Suchen nach Lösungen a la Merkel zum Beispiel ist es auch nicht. Oder.
Wenn ich mir vorstelle, der Schröder hätte damals als Genosse der Bosse nicht mit aller Macht die Verelendung der Armen in Deutschland durchgesetzt, Lohndumping und ähnliches, sondern Deutschland hätte nicht um einen zweifelhalften Erfolg der Erste im Kampf ums Wachstum sein zu wollen, alle anderen in die Ecke gedrückt, könnte ganz Europa bisschen gemütlicher in der Hängematte das Leben genießen?
Klar, China würde uns dann an die Wand drücken. Dabei brauchten wir nur geduldig abwarten, bis diese an Umweltkatastrophen kaputt gehen.
Aber nein, Aktionismus. Mitmachen.
Warum muss man eigentlich einen neuen Flughafen für Berlin bauen?
Wäre nicht der bessere Weg gewesen, die Anzahl der Flüge zukünftig zu reduzieren?
Es kann nicht das Ziel sein, auf dem Automarkt immer bessere Autos anzubieten, es muss das Ziel sein, Autos abzuschaffen...

Neulich sahen wir den Film „Das weiße Band“ in schwarzweiß, und uns wurde quasi das Leben unserer Großeltern und Urgroßeltern vorgeführt. Meine Mutter war 1908 geboren, mein Vater 1912, der Film geschah 1913... Keine Elektrizität, allenfalls Fahrräder und Kutschen uaf den Dorfwegen und so was...
Wir kamen zu dem Schluss, irgendetwas war aber auch an diesem Leben schöner, so hart es war, was ist uns eigentlich auf dem Weg voran verloren gegangen, darüber sollten wir mal nachdenken... aber ich fange an zu schwatzen.
Nicht, dass ich aus dem Chaos meiner unnützen Gedanken heraus noch zu einer Lösung komme :-)

Eigentlich hat der Mensch nur zu lieben, um sinnvoll zu leben. Ein jeder liebt halt etwas anderes. Der Eine sein Werk und den Erfolg einer Anerkennung durch Gleichgesinnte, der andere eher einen Menschen, he, was geht über den zärtlichen Blick einer schönen Frau...
oder wenigstens eine Katze :-)

Zurück zur Couch, es ist immer noch trübes Wetter, pah, Pfingsten.
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Über die Schwierigkeiten einer Kolumnistin,

die so gern über Angelinas Brüste schreiben würde, aber nicht darf :-)

Wie immer von der göttlichen Mely Kiyak geschrieben, viel Spaß beim Lesen und frohes Pfingsten...

http://www.berliner-zeitung.de/meinung/kolumne-liebe-nazioper-,10808020,22798240.html
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15
Mai
2013

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Sonne im Stadtpark

Der alte Mann saß auf einer Bank am Teich im Stadtpark und war in sich versunken. Ich beobachtete ihn schon einige Minuten lang und begann fast zwangläufig über die Vergänglichkeit der Zeit nachzudenken.
Die Sonne war nach Wochen wieder aufgetaucht wie eine Geliebte, mit der man gar nicht mehr gerechnet hatte und übergoß die Stadt samt Park freigiebig mit ihrem warmen hellen Licht als wäre sie eine Segensgabe eines ausgedachten Schöpfers dieser Welt.
Natürlich waren an diesem schönen Tag hunderte Menschen unterwegs um des Segens teilzuhaben. Es bedarf halt nur wenig um Menschen zum Lächeln zu bringen. Sonne nach einem langen Winter gehört unbedingt dazu. Fast auf allen Gesichtern lag eine Heiterkeit, die es umsonst für alle gibt, wenn man die Menschen ausnimmt, deren Seelen für immer in Düsternis gefangen sind...
er gehörte offenbar nicht dazu.

Bei ihm war diese Heiterkeit verinnerlicht. Die Sonne strahlte in ihm hinein und erleuchtete auch seine Gedanken, seine Seele, so sah es aus. Er war ein alter Mann, der seinen Frieden gefunden hatte.

Der Winter hatte sich in diesem Jahr den ganzen März hinüber nicht vertreiben lassen, nun aber Mitte Mai mit aller Macht war der Frühling auf der Bühne erschienen als ein ersehnter Darsteller im Wettertheater, die Bäume trugen grüne Kleider wie junge Burschen, die sich schick machten, quasi über Nacht hatten sie ausgeschlagen. In den nächsten Tagen schon müssten die Enten Küken bekommen, das würde den alten Mann freuen, denn ich vermutete, dass er fortan jeden Tag, wenn das Wetter sich gnädig zeigte, hier am Teich sitzen würde... mehr in mit der Beobachtung von Tieren und der übrigen Natur beschäftigt, als denn mit der Sicht auf Menschen.

Ein junger Jagdhund lief den Parkweg entlang und das wirkte höchst vergnüglich, er warf eigentlich beim Laufen jede seiner Pfoten hintereinander lustig in die Luft als tanze er, sprang mehr als dass er lief, sprang wie eine Feder, die Rute gestreckt in die Höhe, fast möchte man meinen, in seiner Schnauze sei ein Lachen versteckt...
Da sind viele der Ansicht, nur Menschen können Gefühle zeigen, dieser Hund bewies etwas anderes. In seinen Bewegungen und in seiner gesamten Körperhaltung brachte er die Botschaft in die Welt, das Leben ist wunderbar, die Sonne scheint und ich mache mich jetzt auf, die Enten anzubellen...
Nicht nur ich bemerkte diesen Hund, lachende Kinder zeigten nach ihm, andere, Erwachsene verfolgten seine Lebensfreude mit verwundertem Kopfschütteln, natürlich lächelten sie dabei.
Auch der alte Mann sah nach dem Hund, in seinen Augen spiegelte sich die Lebensfreude des Tieres wider.
Mir wurde bewusst, dass wir ein Dreieck bildeten, in dessen Mittelpunkt sich der Hund befand, die Menschen, der alte Mann und ich... nur der alte Mann sah den Hund und kümmerte sich um nichts anderes. Er befand sich auf einer einfachen linearen Gerade, er und ein Punkt, das war der Hund. Ich glaube, es interessierte ihn nicht, ob jemand wie ich ihn sah und bemerkte.
Ein war ein einsamer alter Mann im Stadtpark, dem es gut ging und nichts weiter.
Die heitere Atmosphäre über allem lieferte die Sonne...

An einer Wegkreuzung oberhalb des Teiches tauchte ein hagerer Mann auf, der einen Ruf ausstieß.
„Henry“, oder „Harry“ oder „Haro“,
so etwas rief er, ich konnte ihn schlecht verstehen, aber ich erkannte augenblicklich, wem der Ruf galt.
Der Hund bremste seinen unbekümmerten Lauf sofort, verharrte einen Moment und drehte sich dann langsam zu dem hageren Mann um. Sein eben noch fröhlicher Blick trübte sich. Der Mann winkte ausladend mit einem Arm, in der Hand hielt er eine Leine.
„Komm hierlang!“ Mehr rief er nicht und wartete nun geduldig.
Der Hund jaulte einmal kurz auf und begann lustlos zu trotten weg vom Teich und den Enten, die Rute hängend, auch den Kopf gesenkt, wie ein kleines bockendes Kind trottete er, schnupperte mal hier und mal dort, hob an einem Papierkorb ein Bein, der Mann wartete – und der Hund näherte sich ihm widerwillig, aber wie im Banne seiner Autorität. Die Menschen verloren ihr Interesse an ihn, auch der alte Mann sah ihm nicht nach...
Oben nahm der hagere Mann den Hund an die Leine und beide verloren sich in der Menge, der Hund trottete brav an der Seite seines Herrn.

Ich ging hinüber zu dem alten Mann und fragte ihn, ob an seiner Seite für mich ein Platz frei wäre.
Er lachte freundlich und bot mir den Platz an.
Schon bald entdeckte ich, dass er wie ich Hörgeräte trug.
Ich beugte mich etwas vor und sprach deutlich in sein linkes Ohr, ob er mich verstehen könne.
„Ja, ja.“ Er nickte und lachte wieder.
Wir schwiegen beide und schauten auf den Teich und die Enten, die bald Küken haben müssten.
Minuten vergingen.
Dann entschloss ich mich zu fragen, ob er den jungen Hund gesehen hätte.
„Ja, ja.“ Er nickte und lachte erneut.
Schließlich sagte ich mich wieder vorbeugend laut und deutlich, dass ein Hund, der einen Herrn hat, nicht wirklich frei sei.
Der alte Mann schwieg, sah auf seine Schuhe, fast nachdenklich und zeichnete mit seinem Krückstock Kreise in den Sand. Dann lächelte er so nach innen.
Ich schwieg, wartete und zündete mir eine Zigarette an.

Der alte Mann stand auf, drohte mir ein wenig scherzhaft mit dem Finger und sagte:
„Musst nicht soviel nachdenken, mein Junge.“
Und er ging langsam fort, den Hut hatte er ein wenig keck nach hinten geschoben. Er hatte einen ruhigen und festen Gang. Er drehte sich nicht einmal um.
Das war schon seltsam, ich bin selbst nun wirklich nicht mehr der Jüngste, aber in den Augen des alten Mannes offenbar ein Junge, dachte ich und war einigermaßen amüsiert.

Ich warf meine Kippe in den Sand und trat sie aus.
Dann saß ich noch eine Weile bis die Sonne hinter den Wipfeln der Bäume verschwand.

Wenn ich den alten Mann morgen hier wieder treffe, werde ich ihn fragen, ob er allein lebt oder vielleicht in einem Heim oder sogar in einer Familie, überlegte ich.
Ich möchte wetten, er hat ein eigenes Zuhause.

Ich nahm meine Hörgeräte heraus, hatte keine Lust noch mit irgendjemandem zu reden und ging heim.

Was für ein schöner Tag!

Morgen soll auch wieder die Sonne scheinen.
58

12
Mai
2013

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Mutter

Die Frau setzt sich in den großen Ohrensessel, dem Familienerbstück. Sie zwingt sich ruhig sitzen zu bleiben, obwohl die Unruhe in ihr ungeheuerlich ist. Es muss am Wetter liegen, versucht sie sich einzureden.
Es liegt aber nicht am Wetter, sie macht sich selbst etwas vor.

In dem Ohrensessel saß bis vor zwanzig Jahren immer ihre Mutter, dann war sie plötzlich tot. Die letzten zehn Jahre ihres Lebens saß sie in diesem Sessel von morgens bis abends und schaute Fernsehen und sprach kein einziges Wort mit ihrer Tochter, als trüge diese eine Schuld. Es war gespenstisch. Sie hatte ihre Mutter bis zuletzt bei sich zu Hause gehabt. Zum Glück war sie kein Pflegefall geworden. Unvorstellbar, normalerweise hätte sie im Sessel sterben müssen.
Aber dann erschien die Mutter eines Morgens nicht am Frühstückstisch, und die Frau schaute in ihrem Zimmer nach, und da lag sie im Bett, ohne Vorankündigung gewissermaßen hat sie sich davon geschlichen. Selbst ihr Totenantlitz wirkte noch streng, als wolle sie diese Strenge mit in die Ewigkeit nehmen.

Die Frau lebt allein. Jetzt ist sie zweiundsiebzig Jahre alt. Sie könnte auch jeden Tag im Sessel sitzen und fernsehen, als träte sie eine Erbschaft an. Nur kann sie niemanden weh tun damit, auch nicht mit ihrem Schweigen; keine Tochter, auf deren Seele sie herumtrampeln konnte. Sie musste ihren Haushalt allein bewältigen, es kommt niemand, um ihr zu helfen, um vielleicht einzukaufen. Sie hat keine eigene Familie.
Sie hat zwei Brüder. Der eine ist sechs Jahre, der andre sechzehn Jahre jünger. Manchmal, zum Geburtstag zum Beispiel, kommen die Brüder mit ihren Frauen und den nun schon älteren Kindern und den Enkelkindern zu Besuch. Dann backt und kocht die Frau, dass die Familie gut bewirtet wird. Neuerdings beginnt sie mit den Vorbereitungen schon zwei Wochen zuvor, weil ihr alles schwerer und langsamer von der Hand geht.
Ansonsten hat die Frau fast nichts mit der Familie zu schaffen.
Als ihre Mutter noch lebte, erschienen die Söhne öfter zu Besuch. Besonders der Jüngste hatte es der Mutter angetan. Wenn er auftauchte, leuchteten ihre Augen, ihre Gesichtszüge wurden weich, und sie lachte schon, wenn er nur etwas sagte.
Die Frau drückt ihren Kopf an die hohe Lehne und macht den Rücken hohl. Mutter, spricht sie in Gedanken, warum hast du nie mit mir so gelacht. Die Antwort konnte sie sich selber geben. Weil die Mutter sie gehasst hatte...

Einmal besuchte der jüngere Bruder sie und erzählte ihr alles. Sie hatte eigentlich angenommen, es wäre ein Geheimnis nur zwischen der Mutter und ihr, aber der Bruder wusste es. Er erzählte ihr das, was sie sowieso geahnt hatte, aber zwischen ihrer Mutter und ihr nie ausgesprochen wurde. Der Bruder enttarnte ihr wohlgehütetes Geheimnis, voller Ahnungen und böser Gespenster. Mit dem Bruder kam die ihr verborgen gebliebene Seite der Mutter zum Vorschein, immer als eine Art Mahnung, ohne sie, ihre Tochter, wäre die Mutter ein lebensfroher und glücklicher Mensch geworden.

Die Mutter war in Schlesien aufgewachsen und hatte fünf Geschwister. Die Familie gehörte einer bigotten Freikirche an, deren Zweige sich wie die einer Fleisch fressenden und wuchernden Pflanze ausbreiteten, sich bis nach Preußen und Brandenburg erstreckten. Wie im Mittelalter entschieden die Eltern, welcher Bräutigam für ihre Tochter in Frage käme. Die Großmutter der Frau lebte dort in einem fernen Dorf in der Nähe Breslaus. Sie liebte einen Husaren, aber die Urgroßeltern ordneten die Ehe mit einem Kirchenmitglied an, einem kleinen dicken Cousin, einem Krämer, der einen ganzen Kopf kleiner war. Die Großmutter musste ihrer Liebe entsagen und der geheiratete Cousin entpuppte sich als ein jähzorniger Tyrann, der nur eines gut konnte, beten und Kinder zeugen. Luthers Spruch aus der Bibel war ihm zur Lebensmaxime geworden „wer seine Kinder liebt, der züchtigt sie.“
Ihre Großmutter fuhr mit den Töchtern, sobald diese im Backfischalter waren, immer Sonntags zum Kirchgang nach Breslau. Der kleine Großvater musste im Laden arbeiten. Die drei Töchter mussten schwören beim Leben ihrer Mutter, nichts zu verraten. Und dann ging die Mutter mit ihnen Eis essen, und sie besuchten alle das Platzkonzert auf dem Markplatz, die Kirche mieden sie wie die Pest.
Die Mutter der Frau war die schönste der drei Mädchen und ein fescher Leutnant verliebte sich in sie. Am Abend ritt er bis ins Dorf, und die Mutter kletterte als junges Mädchen aus dem Fenster und fiel direkt in seine Arme.
Dann starb die ebenfalls sehr schöne Großmutter von einem Tag auf den anderen an einer heimtückischen Krankheit, einen Monat später fuhr der Großvater mit seinem Fahrrad vor einem Auto und war auch tot. Die Kirche kümmerte sich um die Kinder, die Mutter war eine reife und schöne Frau. Sie wurde in eine kleine Stadt in der Uckermark im Brandenburgischen vermittelt als Haushaltshilfe - bei einem Krämer. Dessen kleiner dicker Sohn stellte ihr nach und eines nachts tat er ihr Gewalt an, die schöne Geschändete getraute sich nicht, es jemand zu sagen, erst fünfzig Jahre später dem jüngsten Sohn.

So wurde einst die Frau gezeugt.
Ihre Mutter floh vor dem ungeliebten Verehrer, der aus Liebe brannte in eine andere Kleinstadt, aber dann stellte sie fest, dass sie schwanger war. Sie beichtete dem Pastor alles, auch die Vergewaltigung – der Pastor befahl ihr zur Sühne, diesen Mann zu heiraten, aber in einem schwarzen Kleid. Denn eine Frau, die sich vergewaltigen lässt, ist selbst Schuld daran, so stecke doch jemand einen Faden durch die Öse einer Stopfnadel, wenn die Stopfnadel hin und her bewegt wird, schlussfolgerte kühn der Pastor... das ginge gar nicht, was denn zu beweisen war.

Irgendwann machte die Mutter ihren Frieden mit ihrem Mann, dem ebenfalls kleinen dicken Krämer. Sechs Jahre lang nach der Geburt des ungeliebten Kindes hatte sie ihm jede Annäherung verweigert.

Vielleicht, sagte der jüngste Bruder, wurden wir jedenfalls doch in Liebe gezeugt. Und jedes seiner Worte schnitten der Frau, seiner älteren Schwester ins Herz. Der Vater starb früh, die Mutter lebte noch zehn Jahre allein weiter und führte den Krämerladen.
„Bring mir ja keine Männer ins Haus“. Diese Worte prägten sich der Frau von ihrer Jugend an unauslöschlich ein, und sie wollte es der Mutter recht machen und brachte keine Männer ins Haus. Immer, wenn ihr ein Mann nachstellte war es so, als blickten die harten Augen der Mutter sie an. Und sie stieß die Männer von sich, Sie studierte und wurde eine tüchtige Journalistin, aber sie bleib allein, bis dann ihre Mutter zu ihr zog.

Einmal hatte ihr der jüngste Bruder erzählt, wie er eine Geliebte mit nach Hause zur Mutter brachte, als der dicke Vater schon einige Jahre tot war. Wir schlafen heute Nacht bei dir, hatte er der Mutter gesagt, und zwar in deinem Schlafzimmer, die Couch im Wahnzimmer ist für zwei zu eng. Und, fragte die Frau atemlos, wie hat sie reagiert. Sie hat es akzeptiert, erzählte der Bruder. Es war wundervoll. Wir lagen nackt im Bett, als es am Morgen an der Tür klopfe, Mutter kam herein mit einem Frühstückstablett, etwas verschämt kichernd.
Guten Morgen, ihr beiden Turteltäubchen.
Guten Morgen, ihr beiden Turteltäubchen, flüsterte die Frau fassungslos. Ja, sagte der Bruder.
Warum hast du denn nie einen Mann gefunden, wollte da der Bruder wissen. Die Frau hatte geschwiegen.
Weil mir meine Mutter jeden Mann ausgeredet hatte, hätte sie sagen können, aber sie verschluckte diese Worte. Seltsamerweise hieß es bis heute in der Familie, sie wäre eine schlechte Tochter gewesen. Die Mutter hatte es den Brüdern immer wieder erzählt. Da wollte sie nicht noch alte Wunden aufreißen.

Etwas seufzend erhebt sich die Frau aus dem Sessel. Sie musste in die Stadt, Blumen kaufen und zum Friedhof bringen. Als müsste sie bis heute irgendwie den Hass der Mutter besänftigen. Heute wäre Mutters hundertster Geburtstag.
Es denkt ja weiter keiner daran.
Sie zieht sich den schwarzen Mantel an, holt aus der Kammer die Friedhofskanne und die Harke. Wenn später tippelt sie über die regennasse Straße. Von hinten ähnelt sie einem schwarzen Raben, einem traurigen Friedhofsvogel.
Der Sommer hat sich hinter Regenwolken verkrochen, vereinzelt platschen schon wieder große Tropfen auf die Erde und auf die kleine Rabenfrau, als würde im Himmel jemand weinen...
53

8
Mai
2013

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Sören Kierkegaards 200.Geburtstag

Kopenhagens Sokrates (zum 200. Geburtstag von Sören Kierkegaard)

Kopenhagens Sokrates nennt ihn meine Zeit-Ausgabe auf dem Kindle, die entsprechenden Artikel darauf finde ich leider nicht im Internet, dass ich sie verlinken könnte.
Auf dem Kindle kann man sich aber nebenbei bemerkt kostenlos sein Werk „Zur Selbstprüfung der Gegenwart“ herunterladen mit einem seltsamen kritischen Vorwort irgendeines Herrn Hansens zu dem Werk des Meister.
Es geht da um eine interpretierte Äußerung Kierkegaards wohl zu den Ehrungen eins verstorbenen Bischof in Dänemark:
„Der hochverdiente Bischof von Seeland, Dr. J.P. Mynster, war am 30. Januar 1854 gestorben, und sein Nachfolger, Dr. Martensen, hatte ihm in der Gedächtnisrede das wärmste Lob gespendet, ihn als „Wahrheitszeugen“, als Glied der heiligen Kette der Apostel und Märtyrer und der Zeugen aus allen Jahrhunderten bezeichnet.
S.K. glaubte sich verpflichtet, hiergegen die schärfsten Einsprache zu erheben, indem er meinte, man dürfe nicht auf diese Weise einen Geistlichen mit dem höchsten Maßstab messen, ohne zugleich den Abstand zwischen den Forderungen dieses Maßstabes und der Persönlichkeit, an welche man ihn gerade anlege, hervorzuheben, so sehr er auch früher dem ehrwürdigen Mynster Ehrerbietung gezollt hätte.
Da das Christentum zu der Welt im entschiedensten Gegensatz und Widerspruch stehe, und das Vorbild, der Sohn Gottes, in Armut und Niedrigkeit, in Verachtung und Verkennung und Leiden auf Erden gewandelt habe, so könne von einem „Wahrheitszeugen“, von einem „Glied der heiligen Kette“ nur da die Rede sein, wo das Leben eines Menschen wirklich dieses ausdrücke, daß es der Welt ungleichartig sei, während dagegen das Leben des verstorbenen Bischofs in gutem Einvernehmen mit der Welt, mit ihrer Herrlichkeit, Macht und Ehre verlaufen sei.
Durch solches Menschenlob also betrüge und belüge sich die Zeit, als ob sie dem Ideal genüge, und als ob das „bestehende Christentum nicht bloß relative, sondern absolute Berechtigung habe, sie mache das Christentum der Welt gleichartig, d.h. sie schaffe das Christentum ab.

Als ich diese Kritik las, wurde ich hellhörig  Fettgerucktes von mir hervorgehoben.
Man sollte wohl Kierkegaard lesen. Christentum organisiert in Gemeinschaften wie Kirchen zu betreiben, ist schon ein Widerspruch in sich. Das meine ich auch.
Glaube hat auch nichts mit Vernunft oder Wissen zu, wenn dann erlebt der Glaube einen Sprung darüber hinaus, der nur individuell und subjektiv machbar ist.
Interessant auch die Verbindung von Kierkegaard zu dem fast gleichartigen Karl Marx, die in einem der Zeit-Artikel ausgeleuchtet wird. Während der soziale Marx die Welt für alle erlösen wollte, widmet sich Kierkegaard eher dem Individuum als Subjekt.
Marx, heißt es ja, wäre gescheitert, aber irgendwie ist das auch noch nicht endgültig bewiesen, oder?
Wer Lust hat, mag sich damit auseinandersetzen…

Hier ein anderer auch interessanter Link:
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/tagfuertag/2077096/
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