18
Dez
2014

reloj para web uhr fur homepage

Pigida

Eine neue Bewegung und eine Antwort auf Pegida, aber müsste es nicht eigentlich heißen:
"Gebt die Christen dem Abendland zurück" ?

hier

Nichts ist so erfrischend wie Satire :-)
32

Das Netz

Im Netz sind eh nur Kranke unterwegs, sagte neulich im Fernsehen ein Autor, das könne man und sollte man alles gar nicht mehr lesen.

In einem Altenforum gibt es eine Artikelrubrik, in dem sich eine gewisse Gemeinde mit Artikeln beschäftigt, die ein Teil von ihnen verfasst. Die Kommentare sind teilweise voller Häme und teilweise voller übertriebenem Lob. Es tun sich ab und an regelrechte Gräben zwischen verfeindete Gruppen auf. Man kann lesen, was Menschen im Alter so bewegt. Früher setzte ich dort auch mal Geschichten rein...
Amüsant wird es immer, wenn alte Knacker von ihrer (vergeblichen) Partnersuche berichten und alte Omis Verständnis für die Vergeblichkeit artikulieren.
Aber mit einer schon bedenklichen Regelmässigkeit taucht das Thema Kindesmissbrauch auf, jede zweite Alte dort scheint in ihrer Kindheit missbraucht worden zu sein.
Nun ist das in der Tat ein heißes Thema, auch jetzt wieder durch die kommende Anhörung Edathis. Würde man eine Abstimmung im Volk durchführen, würde garantiert die Todesstrafe wieder eingeführt werden.
Vor einiger Zeit las ich in der Berliner Zeitung mal einen langen Artikel über einen pädophil veranlagten Mann, der sich freiwillig in die Therapie der Charité begeben hat, die dort angeboten wird. Er wurde (bisher) nie zum Täter und hat laut der Ärzte auch eine gute Prognose, dass es so bleibt. Der Artikel schildert sehr sensibel die Pein dieses Mannes.
Solche Artikel hätten in dem Altenforum keine Chance anerkannt zu werden, ganz im Gegenteil, die "Meute" würde sich darauf stürzen, denn nirgendwo ist die moralische Entrüstung höher als in dieser Frage. Das Problem ist, die meisten sind gar nicht Betroffene, ja es gibt eine große Anzahl von Fällen, wo sich Menschen die Betroffenheit einreden.
Aber man weiß ja wie auch bei der Angst vor dem Islam in Dresden jetzt, dass dort, wo es gar keine oder ganz wenige Moslems gibt, die Panik und die Angst davor am größten ist. Ähnlich verhält sich es mit den Pädophilen.
Bei mir nebenan lag in einem Getränkeshop einst eine Unterschriftenliste aus, die sonst freundliche Verkäuferin bat mich in einem sehr bestimmten Ton zu unterschreiben.
Ich las mir den Text durch, es war eine Petition an den Berliner Senat, in der sich die Unterzeichneten dagegen aussprachen, dass ein Heim in der Nähe gebaut wird, in dem ehemalige Häftlinge untergebracht werden sollten zur Resozialisierung.
Die Verkäuferin hatte eine kleine Tochter, die dort nebenan einen Kindergarten besuchte.
Ich unterschrieb nicht - und noch heute Jahre danach, bekommt die Frau einen Hassausdruck im Gesicht, wenn wir uns auf der Straße begegnen, der mich erschreckt.
Das ist im realen Leben so, um mehreres potenzieren sich solche Haltungen im Netz. Volkes Stimme.
Ich bin da immer noch registriert im Altenforum.
Jetzt hat eine Userin in Bildzeitungsmanier theatralisch eine Artikel über ein Buch angekündigt, um erst mal das Interesse zu erregen. Der Artikel folgte gestern oder vorgestern.
Er handelt von einem Buch, das eine reale Begebenheit aus den sechziger Jahren schildert, in denen ein Mädchen bestialisch von der ganzen Familie gefoltert und missbraucht wurde und zu Tode kam. Also auch die Geschwister beteiligten sich. Es werden alle Einzelheiten detailiert geschildert. Der Artikel tut es auch, in den Kommentaren geht die Artikelschreiberin noch mal genau auf die Qualen ein.
Lebt da jemand seine eigene Lust aus?
Entgegen meiner Absicht mich da überhaupt nicht mehr zu beteiligen, habe ich folgenden Kommentar geschrieben:

Noch in der DDR erzählte mir eine Bibliothekarin, dass es in der DDR, die sich viel auf ihren "Antifaschismus" zugute hielt, eine Untersuchung gab von Psychologen und Wissenschaftlern über die Ausleihe von "KZ-Literatur", die sich mit dem Phänomen beschäftigte, dass gerade solche "Literatur" besonders gern ausgeliehen wurde.
Man kam zu dem Schluss, dass diejenigen, welche das taten, selbst nicht ganz "gesund" waren. Und zog die Bücher aus dem Verkehr.
So sehe ich in diesem Zusammenhang die Veröffentlichung auch dieses Artikels hier.
Es gibt Perversitäten des Menschen überhaupt, die jeden Rahmen sprengen und ganz bestimmt nichts in einem eigentlich harmlosen Altenforum zu suchen haben.


Nun schrieb eine Kommentatorin, es wäre vielleicht krank, vor solchen Dingen die Augen zu verschließen.
Natürlich handelt es sich um eine Betroffene... Das war zu erwarten.
55

17
Dez
2014

reloj para web uhr fur homepage

Aufwachen

Boote schweben lautlos

über den dunklen Fluss

die anderen werden zu Schemen

in der Dämmerung


Mein Fährmann hat seinen schwarzen Hut

tief ins Gesicht gezogen

um unerkannt zu bleiben

er setzt die Ruder behutsam ins

weiche Wasser


Tropfen für Tropfen lösen sich

langsam vom

verblichenen Holz

schweben als Kugeln aus Glas

hauchdünn

und farbig schillernd


ich sehe ich sehe

neu hervorgeholt

jeden Moment meines Lebens

gespiegelt

tausende Gesichter Menschen


Liebe Hass Freude und Trauer

die Lust und das Leid

tauchen auf und sinken ab

immer wieder immer wieder


Mein Leben das verlassene Land

der Fluss des Vergessens

verträumt sich

verströmt zum anderen Ufer

des „Ungewissen“


Der Fährmann wird mein Freund

das Spiel ist zu Ende das Spiel ist aus

rien ne va plus

war der Einsatz zu hoch?


nasse Zweige streifen mein Gesicht

der finstere Mann sucht eine Anlegestelle

dichtes grünes Gestrüpp

die Dunkelheit

ist ein geworfenes Tuch


vergeblich

der Fährmann wendet sein Boot

er hat den Steg nicht gefunden

wir gleiten zurück

will ich das überhaupt?


"Aufwachen"

sagt die Krankenschwester

Der Kiel des Bootes

knirscht auf dem nassen Kies

Wo bin ich?
60

13
Dez
2014

reloj para web uhr fur homepage

Männer sind doch Idioten

:-))) Schauen Sie sich die Fotostrecke an

hier
51

12
Dez
2014

reloj para web uhr fur homepage

M.

eine kleine Adventsgeschichte :-)

Der Mann mag nicht ICH sagen. Er möchte von sich ER sagen. Das schafft eine gewisse Distanz, die er liebt. Eine gewisse wissenschaftliche Sicht auf die Person. Nicht so subjektiv verschwurbelt, da muss man ja die ganze Seele offenlegen. ICH: ICH. ICH.
Wer zu viel von sich erzählt, gerät leicht in den Verdacht, andere in seinen Bann ziehen zu wollen. So ein Scharlatan macht das, ein Hypnotiseur.
ICH WERDE AN DIE MORSCHE TÜR POCHEN, DASS GANZ EUROPA ERZITTERN WIRD.
Schon klar, Hitler war auch ein ICH-Mensch.
ER ist sanfter, freundlicher, einladender und sich zurücknehmend. Liebenswerter.
Er braucht noch einen Namen. ICH braucht keinen Namen, aber ER schon.
Er schaut sich im Spiegel an. Johannes? Nein, das ist ein Großvatername. Jörg? Nein so heißt ja der Fernsehfritze, der immer die Wahlanalysen macht. Fürchterlich.
Beim ICH wohnt auch immer das DU. Intim so etwas. Und dann ist man gleich beim WIR.
Matthias? Ja, das ginge. Trotz Schweighöfer, immerhin Brandt, obwohl Mattusek? Der Mann grinst.
Das hätte aber auch einen Witz. Matthias M. Eine Stadt sucht ihren Mörder.
Matthias kämmt sich die Haare. Ja, er sieht immer noch gut aus trotz seines Alters. Die grauen Strähnen schmücken ihn. Ein offener Blick. Ein stattlicher Mann. Matthias M.

Er zieht sich warm an und geht in die Stadt. Durch die Straßen hindurch, unterm Schneeregen hinweg, kalte Luft einatmend, zügig gehend, warme Luft ausatmend. Lächelnd.
Die S-Bahn ist voll, aber der Mann braucht keinen Platz, er schaut aus dem Fenster der Tür, die grauen Häuser, die langen nassen Straßen. Die Scheinwerfer der Autos sind eingeschaltet, warmes Gelb fließt im Grau.
Jugendliche neben ihn hören laut Musik, Er schaut durch alles durch.
Steigt um, Matthias steigt um, steigt nochmal um.
Jetzt hat er einen Sitzplatz am Fenster. Der Abstand der Stationen wird immer länger wie die Perlen einer Kette, die sich auflöst ins Nichts.
Als er aussteigt, ist der Bahnhof ganz leer.
Er geht die Treppe hinab, auch die Straße ist leer. In wenigen Schritten ist er schon in den Wald eingetaucht wie eine Figur, die in einem Bild verschwindet. M.
Matthias läuft eine halbe Stunde, da öffnet sich der Wald, unten ein See, oben das Ausflugslokal.
Es ist völlig leer, aber geöffnet.
Ein schwarzhaariges Mädchen steht als Bedienung hinter dem Tresen bereit. Sein Gesicht ist rund, ja pausbäckig, und die Augen glänzen freudig und dunkel. Fast erregt.
Er setzt sich ans große Fenster mit dem Blick auf den Parkplatz und den See.
Das Mädchen nähert sich. Es ist pummelig und watschelt etwas.
„Bitte schön“, fragt es.
„Er möchte Kuchen und Kaffee“, sagt Matthias.
Das Mädchen strahlt ihn an.
„Wie heißt es?“ fragt Matthias.
Es kann kaum deutsch reden.
„Heißen Maya“, sagt es, „wie heißen du?“
„Er heißt Matthias“, sagt der Mann.
Es ist eine Studentin aus Nepal, die hier jobt, ganz allein für 5 Euro die Stunde.

Am Abend ist er wieder zu Hause.
In den Abendnachrichten des Regionalfernsehens zeigen sie ein Bild von Maya. Neben der Moderatorin steht ein kleiner Tannenbaum, geschmückt,
Auf der Scheibe des Ausflugslokals haben sie ein großes „M“ entdeckt, mit Blut gemalt.

Matthias legt die Füße hoch und öffnet sich ein Bier.
Morgen muss ich mir einen neuen Namen suchen, sagt der Mann.
Josef? Josef und Maria. Ja.
50

11
Dez
2014

reloj para web uhr fur homepage

Erich Kästner

aus der Reihe: mein Lieblingsgedicht

Sachliche Romanze

Als sie einander acht Jahre kannten
(und man darf sagen: sie kannten sich gut),
kam ihre Liebe plötzlich abhanden.
Wie andern Leuten ein Stock oder Hut.

Sie waren traurig, betrugen sich heiter,
versuchten Küsse, als ob nichts sei,
und sahen sich an und wußten nicht weiter.
Da weinte sie schließlich. Und er stand dabei.

Vom Fenster aus konnte man Schiffen winken.
Er sagte, es wäre schon Viertel nach Vier
und Zeit, irgendwo Kaffee zu trinken.
Nebenan übte ein Mensch Klavier.

Sie gingen ins kleinste Cafe am Ort
und rührten in ihren Tassen.
Am Abend saßen sie immer noch dort.
Sie saßen allein, und sie sprachen kein Wort
und konnten es einfach nicht fassen.
56

10
Dez
2014

reloj para web uhr fur homepage

Goethe

Im Alter schrieb er das:

„Ich würde Sie dringender einladen, wenn ich mir nicht allzusehr bewußt wäre, daß wir in dem Herbst und Winter des Lebens starrer und schroffer werden als billig ist: die Wirkung dieser Eigenschaften wird durch guten Willen, am besten aber durch Entfernung gemildert.“,

was ich irgendwie witzig und weise zugleich finde, in jüngeren Jahren hatte er es schroffer formuliert:

"Ich kann keine komplizierten Naturen um mich herum ertragen, ich habe in mir selbst schon kompliziertes genug."

Das sollten diejenigen berücksichtigen, die in einer Liebes(beziehung) eine "Seelenverwandtschaft" suchen, finde ich.
Der Alte schon wusste es besser :-)

Übrigens, da ich bei der Lektüre des Lukrez, von dem ich hier im Blog schon geschriebe habe, glaube, immer klarer zu erkennen wie schädlich für unsere sterblichen (!) Seelen Glaube und Aberglaube sind, macht mich dieses Zitat von Goethe, der ja auch von der "Natur der Dinge gelesen hatte" sehr nachdenklich, ich lese das wie einen Warnung:

„Der Aberglaube gehört zum Wesen des Menschen und flüchtet sich, wenn man ihn ganz und gar zu verdrängen denkt, in die wunderlichsten Ecken und Winkel, von wo er auf einmal, wenn er einigermaßen sicher zu sein glaubt, wieder hervortritt.“

Goethe selbst hatte sich so ungefähr geäußert, man solle und könne nicht wie Lukrez denken, aber man sollte von ihm wissen, was er fast 100 Jahre vor Jesus geschrieben hatte, weil es nämlich höchst "merkwürdig" wäre.
Das Jahrtausende alte Denken des christlichen Abendlandes hat wohl auch den großen Goethe fest in den Klauen.
Immer wieder, wenn ich etwas von Schicksal und Fügung höre oder lese, von Moral und Schuld und Sühne, von Ewigkeit, Nahtoderfahrungen, von Zeichen, Mythen und ähnlichem, dann wird mir bewusst wie radikal und gesund dagegen das Denken des Lukrez ist.
Wir haben nur ein Leben, der Tod geht uns nichts an, alles zerfällt (bei ihm in Urelemente) nach unserem Tod, der Mensch ist nicht eine "Krone der Schöpfung", das alles existiert auch ohne ihn.
Es gibt keinen Beweis für seine Einzigartigkeit. Und auch die Seele ist ein sterblich Ding. So ist es.

3e2ple_GVl0qLrhOSQAxDfm6M2Tk6IvwEHsrP_W-FU8-
by www.arcor.de

Wer möchte denn behaupten, diese beiden lebenden Wesen auf dem Bild hätten keine Seelen?
96

9
Dez
2014

reloj para web uhr fur homepage

Sex hat keine Altersgrenze

Ich sage dazu nichts, kein Wort, nur über meinen Anwalt :-)) Lesen Sie selbst, auch die Kommentare

hier

Er hat da wohl was falsch verstanden, oder?

hier, der Karl

"Seit einer Prostata-Operation habe er ohnehin mit gewissen Einschränkungen zu kämpfen. Er sei zwar nicht impotent. Aber es klappe nicht mehr wie vorher."
54

Gerichtsreport

Ein Gerichtsreport kann sehr spannend sein - und natürlich erheiternd. Lesen Sie wie ein Mann in seine eigene Pfefferspraywolke lief

hier
49

8
Dez
2014

reloj para web uhr fur homepage

Es ist nie zu spät (2010)

Hier ist es schön, sagt er, und weist mit einer Hand zu den Tischen am Wasser, am Fluss, in dem die Sonne sich spiegelt.
Ja, sie steht etwas unschlüssig und hält sich an seiner Hand fest, willst du hier warten?
Möwen schreien.
Du willst wirklich da hingehen, fragt er.
Ja.
Allein?
Ja, ja.
Sie weicht seinem Blick aus, lacht, beißt sich auf die Lippen, hat Tränen in den Augen und streicht sich irgendwie zerfahren das Haar aus dem Gesicht. Der Wind zaust übermütig an ihr.
Er lächelt aufmunternd.
Na gut, sagt er dann und drückt sie kurz, ich trinke dann hier einen Kaffee.
Ja, sie gibt ihm einen Kuss auf die Wange wie ein Schulkind mit Zöpfen und springt fort.

Er setzt sich, schlägt die Beine übereinander, was für ein Tag...

Sie waren schon den halben Tag unterwegs gewesen, um hierher zu kommen. Die Chaussee mit den hohen Kastanien, alles wurde weiter von Kilometer zu Kilometer, die Rapsfelder wogten wie gelbe Meere. In einem menschenleeren Dörflein sahen sie in einem Gatter einen einsamen Esel. Er war langsam heran gefahren, war ausgestiegen, das Tier rieb seinen knochigen Schädel an seiner Hand. Als er wieder einstieg und weiter fuhr, schrie der Esel und hatte Tränen in den großen Augen, schrie vor lauter Traurigkeit...
Früher, sagte sie da, gab es hier keine Esel.
Keine Esel, die weinen, antwortete er lachend.
Es gab überhaupt keine, aber mehr Menschen...

Guten Tag. Bitte schön.
Er schaut hoch. Eine ältere Kellnerin lächelt ihn an, weil sie ihn wohl aus den Gedanken holt.
Äh, er lächelt zurück.
Guten Tag, einen Kaffee bitte...

Vor Wochen erzählte sie ihm von der kleinen Stadt. Sie lagen im Bett, als sie das erste Mal davon sprach.
Da bin ich aufgewachsen, lang, lang ist es her, ich war schon dreißig Jahre nicht mehr dort, meine Kindheit – sie hielt einen Zeigefinger an der Nase und machte einen Kussmund, ich war mal ein nettes Mädelchen, sie lachte über sich selbst, weil sie im Spaß schielte.
Wo ist das?
Vielleicht hundert Kilometer weit weg von Berlin.
Er stützte sich auf.
Was, so nahe! Wir können da mal hinfahren.
Hinfahren?
Ja, aber ja, ich habe doch das Auto...

Ein Angler rudert langsam über den Fluss, hinten ist eine Insel, ringsum Schilf wie eine Grenze...

Sie erzählte ihm davon, dass sie in ihrer Kindheit im Sommer oft zu einer Insel schwamm mit ihrer Mutter und einer Freundin. Sie hatten in einem Schwimmring eine Schüssel gestellt mit einem kleinen Imbiss, Picknick, sie machten Picknick auf der Insel. Es musste diese sein. Vom Schilf hatte sie nichts erzählt. Vielleicht ist es inzwischen gewachsen.
Wir haben so viel gelacht, hatte sie gesagt und dann wurden ihre Augen nass – wir hatten nicht nur gelacht...

So, bitte schön, einen Kaffee, die Kellnerin stellt die Tasse auf den Tisch.
Danke, sagt er.
Hinten direkt am Wasser sitzt ein Mann mit Hut, der versucht einen Zeitung zu lesen, mit welcher der Wind spielt. Ein etwas trostloses Bild. Vor dem Mann steht ein halb leeres Glas Bier...

Es war vor Wochen so eine Regensonntag gewesen. Sie hatten noch den Geschmack im Mund, den Geschmack von langer Liebe und Zärtlichkeit, diese erste Vertrautheit, das etwas träge Glück und wollten gar nicht aufstehen.
Hast du denn keine Familie, hatte sie gefragt.
Doch, hatte er gesagt, ich habe zwei Brüder und eine Schwester, aber ich habe gar keinen Kontakt mit ihnen. Sie sind alle ziemlich alt.
Wo leben sie denn?
In Berlin.
Werde ich sie kennen lernen?
Ich denke nein, er hatte etwas gezögert, wir leben alle besser ohne Kontakt. Es gibt Dinge von der Kindheit her, die lassen sich nicht mehr ausräumen. Solche Beziehungen können sein wie zäher Teer. Ich wünsche ihnen alles Gute und ein langes Leben. Uralt sollen sie werden.
Dann hatte er noch einmal gezögert und gelacht, und mir wünsche ich das auch.
Kein böses Blut?
Nein, nein.
Und er hatte hinzugefügt, wir beide wollen zusammen uralt werden, wenn es geht.
Und dann erzählte sie...

Kindheit. Das Haus der Kindheit. Eine Tante und zwei Cousinen leben immer noch dort. Wahrscheinlich. Eine Schwester war nach Hamburg gezogen. Der Kontakt beschränkte sich auf Geburtstags- und Weihnachtskarten. Wie das Leben so spielt.
Ein Stiefvater hatte noch lange gelebt.
Ja, hatte er gesagt, fahren wir doch hin zum Haus deiner Kindheit...

Er steht auf und geht zur Wand, um sich im Windschatten eine Zigarette anzuzünden.
Um sich wieder zu setzen und ein wenig zu träumen.
Er hatte auch das Zitat von Erickson, „es ist nie zu spät eine glückliche Kindheit gehabt zu haben“. Wir alle haben den Schlüssel zum Lösen unserer Probleme in uns selbst...

Plötzlich sitzt sie neben ihm. Sie lächelt dünn und ist ganz blass.
Und, fragt er.
Lass uns fahren, antwortet sie, wir reden später.
Die Kellnerin kommt und mustert sie gleichgültig. Er zahlt.

Sie fahren am Esel vorbei ohne zu Halten.
Durch die gelben Rapsmeere in den sonnigen Nachmittag hinein.
Heute und jetzt leben ist wie Schwimmen im Fluss, sagt er einmal.
Und tauchen?
In unserer Vergangenheit suchen nach Antworten, sagt er.
Dann bin ich heute tief getaucht.
Die Stadt erscheint wie ein Bild gegen die untergehende Sonne, die rot ist.
Irgendwann muss man seinen Frieden machen.
Ja.
58
logo

's Bar Chef

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

ja, es gibt eine sehr...
nämlich in der Antwort auf Kritik mit Unterstellungen...
HARFIM - 18. Dez, 22:39
Dein Kommentar war sachlich...
Dein Kommentar war sachlich und nicht unhöflich....
KarenS - 18. Dez, 17:50
es ist wahr,
dass wir getrieben von einer beispiellosen Hetzkampagne...
HARFIM - 18. Dez, 16:07
Pigida
Eine neue Bewegung und eine Antwort auf Pegida, aber...
HARFIM - 18. Dez, 15:40
nun ja, mir reicht es...
nun ja, mir reicht es was ich im HEUTE täglich...
KarenS - 18. Dez, 15:11

Mein Lesestoff

Zufallsbild

Pannen-Peer1

Web Counter-Modul

Archiv

Dezember 2014
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 4 
14
15
16
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
 
 
 
 
 
 

Meine Kommentare

ja, es gibt eine sehr...
nämlich in der Antwort auf Kritik mit Unterstellungen...
HARFIM - 18. Dez, 22:39
es ist wahr,
dass wir getrieben von einer beispiellosen Hetzkampagne...
HARFIM - 18. Dez, 16:07
Zumindestens
eine der interessantesten Situationen, welche das Leben...
HARFIM - 17. Dez, 19:34
egal was kommt,
am besten ist es, die Angelegenheiten mit Humor zu...
KarenS - 17. Dez, 13:08
Tja, das ist ja eine...
wie man erfährt, wenn man den ganzen Artikel dazu...
HARFIM - 13. Dez, 16:49

kostenloser Counter

lablue Chat

Suche

 

Status

Online seit 1944 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 18. Dez, 22:43

Credits

vi knallgrau GmbH

powered by Antville powered by Helma


xml version of this page
xml version of this page (with comments)

twoday.net AGB


Profil
Abmelden
Weblog abonnieren