28
Jul
2014

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Kreditkartenummer

Die Schwüle liegt wie ein warmes nassen Tuch auf der Stadt. Selbst die Autos fahren langsamer durch die Straßen. Die Katzen liegen da wie Tote. Irgendwo im Haus saugt eine Verrückte Staub. Ich habe keine Lust, etwas neues zu schreiben, erst einmal fordere ich vom Wettergott eine ordentliche Abkühlung. Da heißt, ich schreibe schon etwas, aber das ist geheim. Das wird keiner erfahren, dass es von mir ist, so :-)
Der Friedrichstadtpalast schickte keine Einladungen mehr mit Ehrenkarten für Premieren an Politiker in der Welt, in deren Länder Homosexuelle verfolgt werden. Das ist mal konsequent.
Ich bin nicht homosexuell, aber auch nicht homophob. Ob ich denen mal schreibe, dass sie mir eine Ehrenkarte überlassen?
Wie wäre denn eine Ächtung aller Politiker, die Rüstungsabkommen mit totalitären Staaten abschließen? Also alle Theater weigern sich Ehrenkarten in diesem Fall zu versenden.
Da brauchte keiner mehr die Merkel in Bayreuth sehen.
Sie war eh nicht da. Und die Vorstellung musste unterbrochen werden, weil ein Käfig festhing, der aus dem Bühnenboden nach oben wachsen sollte.
Ich habe das Bild in der Zeitung gesehen, die Darsteller, nun ja, sahen etwas schwul aus. Ist vielleicht nur die Wärme.
Aber ich wollte gar nichts schreiben.
Vielleicht gibt es paar Leser, welche die "Kreditkartennummer" noch nicht kennen, ich setze mal das alte Werk hier rein, passt irgendwie zur Schwüle mit "ü", halten Sie durch, am Mttwoch kommt einen Abkühlung.




Im Supermarkt herrschte erträgliches Gedrängel. Die dunkelblonde Frau vor mir wirkte sehr weiblich, so russisch mütterlich. Ich mag solche Frauen. Ein wenig üppig, um es deutlich zu sagen.
Bis zur Käsetheke hielt ich mich an ihre Fersen.
Dort sprach mich dieser unrasierte Typ an. Er sah gekonnt ungepflegt aus.
„Eh, kannst ma helfen?“
Ich musterte ihn, auch die Frau meiner Träume drehte sich diskret um, er sprach ja laut genug.
„Wobei soll ich dir denn helfen?“ fragte ich.
„Ich habe meine Kreditkarte vergessen und muss unbedingt einkaufen, kannst mir deine leihen?“
Die schöne Russin sah mich warnend an.
"Kriegste auch wieda", sprach er heiser.
„Äh, na ja, gut, aber du wartest an der Kasse auf mich, ich muss ja auch einkaufen.“
„Klar, Kumpel“, krächzte er.
Tanja, Nina oder Tamara räusperte sich.
Ich zog die Kreditkarte aus der Brieftasche und reichte sie ihm. Er entfernte sich mit seinem Wagen.
Die Augen der Frau weiteten sich, schöne braune Augen. Ich sah sie an.
„Der französische Käse ist super, er zergeht auf der Zunge“, bemerkte ich freundlich.
„Ah ja.“
Da tauchte der Typ wieder auf. In seinem Wagen befand sich lediglich eine Flasche Weinbrand, eine gute Sorte!
„Eh, ich hab deine Geheimnummer nicht, wie soll ich da bezahlen“, krähte er laut.
„Sieben, neun, sieben, neun, leicht zu merken“, antwortete ich unwirsch und schaute entsetzt auf die Schnapsflasche.
Der Typ entschwand.
Die gute Frau kaufte den französischen Käse.
„Und dazu einen trockenen Rotwein, das wird ein schöner Abend“, flüsterte ich.
„Ja, ja“, sprach sie verwirrt.
An der Kasse wartete sie auf mich.
Ich sah mir die Augen nach dem Typ aus.
„Haben Sie den Mann gesehen?“
„Der ist verschwunden.“
„Was?“
Ich konnte es nicht fassen, die Russin hatte doch tatsächlich Tränen in den Augen.
„Sie sind so ein guter Mensch, haben sie noch nie von Betrügern gehört.“
„Oh Mann.“
Ich zerwühlte mir die Haare.
„Sie müssen sofort nach Hause und das Konto sperren lassen“, sprach sie eindringlich auf mich ein.
„Ja, ja, ich ruf' gleich bei der Bank an.“
„Machen Sie das unbedingt, die Welt ist schlecht, solche Menschen wie Sie wissen das nicht.“
Ich lächelte sie an.
„Wahrscheinlich habe ich wohl eine russische Seele.“
Wir gingen ein Stück gemeinsam.
„Nun konnten sie selbst gar nichts einkaufen“, meinte sie mitfühlend.
„Ja, das wird ein hungriger Abend.“
Sie errötete zauberhaft russisch.
„Wenn ich Sie einladen dürfte?“

Es war wunderbar. Sie besaß sogar einen Kamin und einen tiefen Bauchnabel für den trockenen Rotwein.

Am morgen schlenderte ich pfeifend heimwärts, die Hände in den Taschen.
Ich schlief bis Mittag, dann klingelte mein Kumpel. Er brachte die Kreditkarte.
„Hör mal, du Typ, bei aller Freundschaft, du hättest dir nicht so einen teuren Weinbrand kaufen sollen.“
59

24
Jul
2014

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Regengeschichte (bearbeitet)

Der Regen war barsch und unfreundlich wie die Hand eines Priesters zu einem fröhlichen Kind, das nicht beten will. Ich blieb im Einkaufsschlauch stehen und schaute in den trüben Himmel... Wenn das sich nicht ändert in Deutschland, wandere ich aus irgendwo in den Süden.
Eine alte Frau schlurfte unbeeindruckt draußen durch die Straße, als würde es ihr auch nichts ausmachen durch einen schmutzigen Kanal zu schwimmen. Sie verharrte beim Müllcontainer und suchte mit einer Krücke nach leeren Flaschen mit der Gleichgültigkeit einer Ausgestoßenen.
Im Optikerladen gegenüber saßen zwei Mädchen an einem kleinen Tisch und probierten lachend vor einem Spiegel große farbige Brillen aus. Sie waren heiter wie turnende Äffchen im Tierpark.
Die Verkäuferin im Backshop weiter hinten träumte hinter der Kuchentheke wie ein Dornröschen im Märchen.
Ein dicker Mann trug prustend einen großen Karton, neben ihm lief mit kleinen Tippelschritten eine dünne Frau mit einem verkniffenen Mund. Der dicke Mann hatte ein rotes Gesicht. Ich ging ein paar Schritte zur Seite.

"Ich bin ja nur gespannt, was dein Sohn heute wieder ausgeheckt hat", sagte der dicke Mann zu der Frau und schnaufte.

"Du kannst ja auch mal den Anfang machen und ...",
sagte daraufhin die Frau aus ihrem verkniffenen Mund heraus, da waren die beiden durch die Drehtür schon verschwunden, und ich sah sie durch die Straße schwimmen wie zwei Fische an der alten Frau vorbei, die immer noch leere Flaschen im Müllcontainer suchte, als habe sie Zeit für alles wie sonst nichts. Das Familiendrama des dicken Mannes und seiner Frau und ihres Sohnes wurde mir für immer unbekannt bleiben. Wahrscheinlich befand sich in dem Karton ein Flachbildfernsehgerät.

Wie lange bin ich eigentlich noch hier allein?
Ich könnte ja in den Friseurladen gehen und mir eine Glatze rasieren lassen. Das holt auch keine Sonne hinter den Wolken hervor.
Irgendwann muss ich hier auch raus in den Regen zum Geldautomaten, der mir paar Scheinchen abgibt wie ein Diener, der einem ein Tablett serviert, damit ich teilnehme an der Welt des Konsums.
Ich warte noch. Ob ich einen Kaffee trinke im Backshop?

Vor der träumenden Verkäuferin hinter der Kuchentheke stand ein Liebespaar, das sich umschlungen hielt, als gelte es jeden Sturm zu trotzen.
Sie betrachteten die Kuchen.
"Soll ich dir ein Stück Mohnkuchen kaufen?" fragte der junge Mann und knabberte fast am Ohr seiner Liebsten.
Sie kicherte...
"Ich weiß nicht, lieber kein Mohn", antwortete sie.
"Oder eine Sahne Kirschschnitte?" fragte er.
Daraufhin küsste sie ihn.
Und löste sich etwas.
"Nein, nein, ich gucke mal...", sie betrachtete ausführlich die Schokoladentorte.
Die Verkäuferin träumte ungestört weiter.

Ehe sich die beiden entschieden haben, ist der Sommer vorbei.

Eine Gruppe junger Männer, vielleicht eine Fußballmannschaft, belebte das Geschehen und strömte wie ein lauter Wind durch die Einkaufszone.
Ich ließ mich in einen ruhigen Seitenarm treiben, denn da hinten hatte ich den Mann erkannt.
Ich fand mich wieder vor dem Reisebüro...

Es war so schön leer wie eine Oase der Träume. Auf den Fotos lachten mich glückliche Menschen an, welche auf braunen Kamelen durch die gelbe Wüste ritten, im hohen Bogen darüber der Himmel - oder andere in Liegestühlen vor dem Pool eines weißen Luxusschiffes, der Himmel war ebenfalls blau - oder welche auf Ski laufend durch einen Tannenwald, wo auf grün glänzenden Zweigen blau weiß der Schnee glitzert... eine Frau sortierte Kataloge in ein Regal ein. Sie wirkte freundlich und ruhig wie eine Sonate von Bach, inwiefern ein Mensch wie ein Musikstück sein kann...

Die Ladentür betätigte ein Glockenspiel, das klang auch sehr freundlich.

"Guten Tag."
"Guten Tag, was kann ich für Sie tun?"

Sie lächelte wach und freundlich, als wäre sie meine Tochter, die ich ein Jahr schon nicht sah.

"Och, ich wollte vielleicht mal einen Katalog anschauen mit Ostseereisen..."
"… Aber natürlich, setzen Sie sich doch", unterbrach sie mein zielloses Gestammel.

Ich schaute durch die Scheibe nach draußen ---
Dann drehte ich mich ein wenig weg.

"Wissen Sie..."
"Ja?"
"Ich bin hier nur rein gekommen, weil ich da draußen jemand gesehen habe, von dem ich wiederum nicht gesehen werden wollte."

Sie setzte sich, legte einen Katalog auf den Tisch und lachte hell auf.

"Und wer ist dieser jemand?"

"Ein Mann, der einst versuchte mich zu manipulieren. Er hat für mich eine negative Energie, verstehen Sie?"

Sie lächelte und dann wurde sie plötzlich traurig.

"Soll ich Ihnen mal etwas erzählen?"

"Aber ja, erzählen Sie."
Und sie erzählte...

Und ich hörte ihre Familiengeschichte, eine Geschichte von einer langen, langen Unterdrückung und Demütigung, von zänkischen Geschwistern, strengen Eltern, denen man es nie recht machen konnte, von Tränen und schlaflosen Nächten – von diesem Gefühl immer mies zu sein, vom mangelnden Selbstbewusstsein... von der Familie eben ...

Die junge Frau hatte Tränen in den Augen... "bis ich dann eine Psychotherapie annahm", sagte sie und beendete ihre Erzählung.

"Und wie war das Ergebnis dieser Therapie?" fragte ich.

"Ich trennte mich von der Familie", antwortete sie und lächelte wieder, "ich brach jeden Kontakt ab."

Ich schlug den Katalog auf. Dann schaute ich Sie an.

"Manchmal ist es wohl das beste."

"Ja. Es war das beste, was ich tun konnte, seitdem geht es mir gut."

Sie schwieg einen Moment wie in Gedanken, dann..
"Wollen Sie denn verreisen?"

"Ich weiß noch nicht. Vielleicht mit meiner Freundin, wenn sie zu mir gezogen ist, ein paar Tage ans Meer, warum nicht..."

Ich stand auf. Da draußen schien der Mann nicht mehr zu sein... die Welt ist groß genug für alle.

"Kann ich den Katalog mitnehmen?"

Die Frau stand auch auf. Sie wirkte sehr selbstbewusst wie jemand, der mit sich im Reinen ist. Doch eine kleine Verlegenheit huschte über ihr Gesicht, die sie rasch wieder weg lächelte.

"Ich weiß gar nicht, warum ich Ihnen das alles erzählt habe."

"Das ist schon in Ordnung", antworte ich und drehte mich zur Tür, "ich kann das alles nachempfinden."

"Warten Sie", hielt sie mich zurück, "das möchte ich Ihnen noch erzählen."

"Ja?"

"Eines Tages saß ich vor dem Computer und die Ladentür ging auf, ich hörte das Glöckchen. Ich drehte mich nicht gleich um und wusste, hinter mir steht Kundschaft, aber ich fühlte eine negative Energie."

"Und dann?"

"Dann drehte ich mich um und da standen sie – mein Vater und meine Mutter.
Was wollt ihr, fragte ich.
Und mein Vater sagte, wir wollen bei dir eine Reise buchen. Ich drehte meinen Stuhl wieder zum Computer und sagte, geht in ein anderes Reisebüro und bucht dort eine Reise... nach einer Weile hörte ich die Türglocke, verstehen Sie?"

"Ja?"

"Verstehen Sie, keine Scham, keine Schuldgefühle, kein Herzrasen, keine blinde Wut... ich drehte mich um und tat meine Arbeit und fühlte mich unendlich frei."

Ich öffnete die Tür.

"Ich verstehe Sie", sagte ich und verstaute den Katalog in meinem Rucksack, "ich verstehe Sie nur zu gut. Irgendwann komme ich mit meiner Freundin und wir buchen eine Reise. Auf Wiedersehen."

"Auf Wiedersehen."

Ich ging am Backshop vorbei wie ein Wanderer auf einem langen Weg. Die Verkäuferin träumte immer noch wie Dornröschen im Märchen. Im Optikerladen waren die Mädchen nicht mehr zu sehen.
An der Drehtür entdeckte ich, der Regen hatte sich in den Wolken verkrochen wie ein Knabe hinter einem Vorhang, der sich vor dem Priester versteckt... ich ging zum Geldautomaten.
Die alte Frau war verschwunden in der Menge auf der Straße wie ein Tropfen im Meer.
86

23
Jul
2014

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Paris - Wedding. Ein Fest fürs Leben.

wie ich gerade sehe, liebe/r Leser/in, hat wieder eine/r "Emma Mielke"hier gekauft, ich nehme es mit großer Dankbarkeit zur Kenntnis :-) und verweise auch auf die anderen Bücher wie zum Beispiel "Die Liebe des Pianisten"hier, daraus die folgende kleine Erzählung:



Paris – Wedding, ein Fest fürs Leben

Irgend etwas stört mich. Anscheinend schalten sich meine Sinne nacheinander ein. Es riecht nach Flieder. Das Kissen fühlt sich kühl und seidig an, meine Augen kleben.
Von weit her plärrt die Stimme der Piaf „Milord“ auf französisch, ich verstehe kein Wort. Endlich würgt jemand den Gesang ab, als zerspringe eine Feder, so klingt es. Ein altes Grammophon?
Stimmen und Tritte, jemand kreischt,
„Ihr habt vor nichts Respekt. Ihr trinkt euch zu Tode...“
In dem Moment wird mir bewusst, dass der Rotwein von gestern Abend jegliche Feuchtigkeit aus meinen Gaumen saugt. Meine Zunge schiebt pelzig hin und her, als wäre sie um Dreifache angeschwollen.
„Haben Sie mich je betrunken gesehen?“
Wer sprach da?
„Nein. Aber Ihre Freunde sind betrunken.“
Die Stimmen verebben.
„Ihr seid eine verlorene Generation.“
Mit einem lauten Knall explodiert die Wohnungstür in meinem Kopf. Endlich bekomme ich die Augen auseinander. Meine Schulter und meine Arme sind aus Blei. Durch die halbgeschlossenen Jalousien tanzen Sonnenstrahlen Ballett mit der Gardine als Röckchen.
Cremefarbene Bettwäsche, ich glaub' es nicht.
Wer ist eine verlorene Generation? Wir waren nie im Krieg? Dafür waren wir in der DDR. Das ist auch wie Krieg.
In dieser Wohnung existiert eine laute Küche. Jemand klappert mit Tellern, es zischt, jetzt riecht es nach Kaffee.
Langsam kommen die Erinnerungen, wie ein alter Film in Schwarz –Weiß aus einem Projektor flimmert. Gestern waren wir in einer kleinen Kneipe im Wedding.
Ein Student erzählte von Paris. Dieser Fotograf war auch da und einige Mädchen. Er reiste von Berlin nach Paris, um mit seinem Modell Aktfotos auf dem Eiffelturm zu machen. Früh um vier erwischten sie dann einen unbeobachteten Moment auf der oberen Plattform, sofort tauchten ein paar Gendarmen auf, als sie mit den Fotos begannen.
Wir tranken den Rotwein aus Flaschen.
Einer erzählte, wie seine Eltern eine Busreise nach Paris machten, der Fahrer fand keinen Parkplatz. So fuhren sie eben eine ganze Nacht nur herum, Louvre, Place de la Concorde, Notre Dame, Champs-Elsysée bis zum Arc de Triumph, Monmatre, alles durchs Busfenster.
Am nächsten Vormittag konnten sie sich in Versailles die Beine vertreten, dann ging’s ab nach Hause. Wir hörten nicht auf zu lachen. Vom Wedding nach Paris.
Wo bin ich nur gelandet? Ich bin ein nackter Mann in cremefarbener Seidenbettwäsche in einer fremden Wohnung mitten im Wedding, so hoffe ich doch.
„Guten Morgen, Scherrie.“
Mein Gott, ist die schön. Schwarzer Bubikopf wie Mireille.
„Morj’n.“
„Kommst du frühstücken?“
Jetzt fällt ’s mir ein, sie heißt Chantal, eine Austauschstudentin aus Paris, sie hat mich abgeschleppt. Sie öffnet die blau gestrichenen Holzläden mit den Jalousien und zieht die Gardine auf.
Warmes helles französisches Sonnenlicht fällt herein. Ich kann es nicht fassen, das Fenster reicht bis zum Boden und ein Gitter aus Gusseisen dient der Sicherheit. Draußen hupt ein Auto. Vor dem Fenster bewegen sich die satten grünen Zweige einer Kastanie. Chantal öffnet einen alten restaurierten Schrank, in der Mitte hat er einen ovalen Spiegel, sein Rahmen ist rosarot, die großen Flächen rechts und links an den Türen weiß mit blutroten Rosensträußen bemalt. Sie holt einen schneeweißen Frottémantel heraus und wirft ihn mir zu.
„Hierr Scherrie, zieh ihn dir überr.“
„Komm her, ich küss dich.“
Sie hat eine gemütliche kleine Küche, die mich an die Küche meiner Großeltern erinnert.
Milchkaffee und Schokoladencroissants.
Anschließend rauchen wir filterlose Zigaretten. Auf ihrem Tisch liegt ein Buch, „Paris, ein Fest für Leben“ von Hemingway.
„Wer hat denn hier vorhin so herumgeschrieen? “
„Oh, das sein Madame Stein von nebenan.“
„Das heißt hier Frau Stein.“
Chantal lacht silberhell, ich blättere in dem Buch.
„Schau, ich les dir mal vor: ‚Später, als ich meinen ersten Roman schrieb, versuchte ich, Miss Steins Zitat von dem Garagenbesitzer durch eines aus dem Prediger Salomon
auszubalancieren.’ “
Möglichst unschuldig schaue ich Chantal an.
„Der Mann war wohl nicht recht bei Troste.“ Sie prustet los.
„Paris hatten ihm Kopf verdreht.“
Wir drücken die Zigaretten gleichzeitig aus. Chantal beugt sich über den Tisch, sie muss man ja küssen.
„Was machen wir jetzt?“
„Ich gehen noch mal mit Fifi in Bett.“
Chantal kichert. Sie ist eine Französin, sie hat kein Schamgefühl.
„Ich heiß nicht Fifi, ich bin Fritz aus Berlin, aus Köpenick genau.“
Chantal girrt.
„Ich meinen ja auch Fifi von Frritz.“
Was soll man machen, gegen Paris hat Berlin keine Chance. Geh’n wir eben noch mal ins Bett...
57

21
Jul
2014

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Heiße Tage

Auch 2007 gab es heiße Tage. Eine unzensierte Erinnerung, die noch auf der Festplatte herum lungerte:


Jazz ist für Ohren, in denen Hörgeräte stecken, die beste Musik. Der leicht blecherne Ton der Trompete swingt über mich, das Schlagzeug wischt ganz weich, jemand singt, ich fühle mich wohl. Früher hörte ich fast nur Klassik, mir ist der volle warme Klang verloren gegangen. Macht nichts, so entdecke ich eben den Jazz. Draußen knallt die Sonne, und ich habe die gelben Vorhänge zugezogen, um die Hitze nicht hereinzulassen. Die Kranke liegt mit dem Gesicht zur Wand und zwinkert laufend mit den Augen. Vielleicht trainiert sie die ersten Schritte für eine Kommunikation. Die Musik dringt bis ins Krankenzimmer. Ab und an gehe ich zu ihr und kontrolliere die Werte. Immer in der rechten Seitenlage hat sie eine ziemlich hohe Herzfrequenz.
Jetzt klingt ein Saxophon. Es hebt völlig ab und passt zum Sommer in der Stadt.
In der Nacht habe ich höchstens drei Stunden geschlafen. Die Alarme trieben mich an, wie einen müden Zirkusgaul die Peitsche des Dompteurs. So fühle ich mich auch, wie ein müder Gaul.
Ich würde mich ja auf der Couch lang machen, aber ich darf nicht einschlafen. Eine Lieferung Windeln und Unterlagen soll noch kommen. Auf dem Schreibtisch liegt das verloren gegangene Papier vom Sozialamt. Ein Wunder hat es aus einer Ecke des Ambulanzbüros gefegt. Die Schwester zuckte nur bedauernd die Schultern und legte es mir hin. Und vergessen Sie nicht, es dem Boten des Sanitätshauses auszuhändigen. Hermes, der Windelbote.
Abends sitze ich neben der Kranken und halte ihre Hand beim Fernsehen. Gestern kam ein Film mit Whoopi Goldberg, als sie noch ganz jung war. Es ging um den Beginn des Kampfes der Schwarzen Amerikas für ihre Menschenrechte. Alles begann mit einem Busboykott. Der Film war sehr anrührend, der Kranken hätte er sicher gefallen, wenn sie gesund gewesen wäre. So zeigte sie mir ein todtrauriges Gesicht, ob sie wohl zuhörte? Ich habe allein am Schluss geweint, bei solchen Filmen weine ich immer. Auch bei Chaplinfilmen weine ich. Bei Lichter der Großstadt kann ich genau die Stelle vorhersagen, sie könnten mir den Film hundertmal zeigen, wenn das ehemals blinde Blumenmädchen in dem zerlumpten Tramp ihren heimlichen Gönner und Wohltäter erkennt, fließen mir die Tränen. Sie fühlt mit der Hand seine Hände, und schaut ihn plötzlich forschend an, nun ist sie ja nicht mehr blind, und dann kommt ganz groß und fett „DU?“ und dann Charlies Gesicht, er kaut so etwas verlegen am Fingernagel und nickt zögernd, seine Augen funkeln lustig. Meine Augen schwimmen, ich kann nichts dagegen machen, ich bekenne mich.
Unser Leben ist so traurig, ich vergieße keine Träne deswegen, aber bei Chaplinfilmen heule ich wie ein Schlosshund.
Vorgestern brachten sie im Fernsehen eine Diskussion über Patientenrechte. Ein Oberarzt des Krankenhauses, in dem man meine Frau ermordet und doch nicht getötet hat, war auch zugegen. Zum Glück kannte ich den Mann nicht. Aber die Gefängnisflure und Pendeltüren, welche sie in einem kurzen Zwischenbericht zeigten, waren mir sehr vertraut. Der Doktor sagte, die Medizin müsste nicht nur an den technischen Erfolgen gemessen werden, auch die Karriere eines Arztes müsste nicht ausschließlich von seinem medizinischen Sachverstand abhängen. Er wünscht sich, man besänne sich und kehre zu dem alten ärztlichen Ethos zurück. Ich traute meinen Ohren nicht, er sagte tatsächlich, jeder Arzt müsste den Patienten so umsorgen, als wenn es sich um einen leiblichen Verwandten handelte. Ich konnte noch nicht einmal weinen, eher laut und bitter lachen.
Einer der kleinen James Bond im Weißkittel sagte mir einst, emotional bin ich Null beteiligt, und er bestand auf das Herz schädigende Medikament, ohne das Herz regelmäßig untersuchen zu lassen. Hätte er das auch mit seiner liebreizenden Gemahlin gemacht, der Halunke? Jetzt bekommt die Kranke schon über ein halbes Jahr nicht mehr dieses angebliche Wundermittel gegen die Leukämie... Und angeblich hätte sie nach kurzer Zeit mit einem Rückfall, einem Rezidiv rechnen müssen. Hat sie aber bisher nicht bekommen. Dafür ist ihr Hirn zerstört, angeordnet von einer dummen und arroganten Assistenzärztin mit der gerade erst erfahrenen Kenntnis des schwer kranken Herzens. Ich sehe sie nur vor mir, dieses Teufelweib, wie sie mich näselnd fragte, ob meine Frau auch wegen Aids untersucht worden sei! Wie haben sie denn Ihre Frau eigentlich in Kenia kennen gelernt? Das ist ärztliches Ethos?
Man schob die Kranke ohne Überwachung in die Röhre der Computertomographie, wahrscheinlich waren die Damen und Herren Mediziner mit Scherzen und Plaudern beschäftigt, bis einer mal zufällig auf den Monitor schaute, „Mensch der ihr Bauch bewegt sich ja gar nicht, ich glaube, die atmet nicht mehr!“ Ärztliches Ethos, ha, ist es ihnen schon gelungen, die Papiere zu fälschen?
Der Rechtsanwalt erhielt einfach keine Antwort, das ist ein krimineller Sumpf!
Was wird der Gutachter herausfinden? Wie wird man ihn täuschen? Während der Sendung schaute ich in dein unbeteiligt trauriges Gesicht... nein, ich kann nicht weinen wegen gewissenloser Banditen...
Schließlich wechselte ich angewidert das Programm und wählte einen alten Western mit Frank Sinatra und Dean Martin. Frei nach Brecht könnte ich sagen: „Was ist der Tod durch eine Revolverkugel gegen die Spritzennadel eines Krankenhauses?“
Die Schwester kommt. Sie sitzen ja immer noch am Computer!
Ach Mensch, ich habe Wäsche aufgehangen, die Kranke bemuttert und ein Geburtstagspaket für meinen Enkel fertig gepackt.
Aber jetzt schreiben Sie schon wieder. Worüber denn?
Ich lehne mich grinsend zurück. Über ärztliches Ethos. Sie lacht.
Ach, hören sie bloß auf, ich komme gerade von einer Patientin, da war die Polizei da.
Was war da los?
Die staatliche Betreuerin hat ihr ganzes Konto geplündert.
Eine einzelne Geige schluchzt über die Dächer der heißen Stadt... o Mann.
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WG-Suche

Wenn Sie eine WG suchen, bitte schön

hier

smile, mit einem besonders lieben Gruß an D. :-)
58

20
Jul
2014

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Was bedeutet eigentlich Nachruhm?

Manche/r Autor/in, die oder der verzweifelt versucht den Fuß in die Tür zu setzen, welche den Raum öffnet für Anerkennung und Ruhm, tröstet sich letztendlich damit, nach ihrem oder seinem Tode den Nachruhm zu erringen.
Da ich Atheist bin, finde ich das seltsam - aber irgendwie auch verständlich.
"Es kann die Spur von meinen Erdentagen nicht in Äonen untergehen", heißt es wohl bei Goethe.
Aber was ist eigentlich Nachruhm.
Anna Seghers starb hochbetagt vor ungefähr 30 Jahren. Für die Menschen aus dem Osten jedenfalls war sie schon zu Lebzeiten die bedeutenste Autorin ganz Deutschlands des 20. Jahrhunderts. Im Westen bei vielen unbekannt.
Ost und West waren eh sehr unterschiedlich. Das wird heute manchmal vergessen.
Mir wird es bewusst, wenn ich Gleichaltrige kennen lerne, Filme sehen, Bücher lese. Es mag ja sein, dass es einige über diese Einheitsbesoffenheit verdrängten ... aber es ist so.
Von den Dummköpfen in beiden Teilen Deutschlands abgesehen, die ihr Wertesystem nur nach Konsummöglichkeit, Karriere und Besitz ausrichten, haben in Ost und West Menschen ganz unterschiedliche Werte entwickelt, die ihnen wichtig sind.
Das Thema könnte Bücher füllen.
Ost und West, 30 Jahre nach dem Tode Anna Seghers, die Nachruhm besitzt. Es gibt eine Gesellschaft, eine Gedenkstätte, eine Straße, eine sehr interessante Jahreszeitschrift "Argonautenschiff".
200 Mitglieder, die einen Beitrag von 50 Euro (jährlich) bezahlen, das sind Leute, die international interessant sind, na kramen Sie mal auf der Seite rum

hier
62

19
Jul
2014

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Berlin-Marzahn wird umbenannt

So, das ist endgültig der letzte Eintrag zur WM in Brasilien, jedenfalls in diesem Blog. Wenn Leo/Gutsch noch weitere Folgen ihres Jogi-Löw-Tagebuchs in der Berliner Zeitung veröffentlichen lassen, ist das ihre Sache. Hier wird nix mehr verlinkt :-)
Man sollte von Lahm lernen: Wenn es am schönsten ist - einfach aufhören. (Gilt auch für glückliche Ehen *gg*).

hier
99

18
Jul
2014

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Ein Bedienfehler

Wann begreift die Menschheit endlich, dass immer neue Waffen und immer neue Kriege irgendwann zu ihrem Untergang führt?

hier

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Schweigen und Trauern.
51

Wie fühlt sich die Liebe an

„Einmal“, erzählte Michaela, „zeigte mir im Internet jemand ein Forum, in dem sich pflegende Angehörige von Wachkomapatienten austauschen.“



Wie fühlt sich die Liebe an


Die junge Schwester trällert etwas, während sie in Küche Wasser in die Kanne fühlt. Ihr Gang ist beschwingt und mich trifft ein verschmitzter Blick.
Mein Gott, ich grinse wie ein Teufel, Sie sind verliebt. Sie lacht hell und glücklich auf, weil sie sich freut, dass ich es entdeckt habe. Die Kranke ist ganz ruhig. Ja, sagt die Schwester, ich bin machtlos, es hat mich erwischt.
Wie ist er, der ein solches erreichte?
Er ist, er ist, sie stellt die Kanne ab, und hebt unterstützend die Arme – er ist wunderbar.
Sie sind verrückt. Ja, ja, sie kichert, ich bin total verrückt. Kennen Sie das nicht, Herr Mukono?
Es ist vorbei für mich, antworte ich, aber ich freue mich für Sie. Dann wende ich mich meinem Computer zu. Die Schwester verschwindet im Krankenzimmer. Ein Geruch von Desinfektionsmitteln weht aus der offenen Tür.
Ich tippe, und das Radio plärrt alte Schlager aus meiner Jugendzeit.

“jemand schrieb einer Maria einen Brief“
erzählte sie mir kichernd.


Dein Blick geht mir durch und durch, du unbekannte Schöne. Verzeih mir, dass ich es schreibe. Aber etwas ist stärker in mir als jede Vernunft. Deine Augen haben diese Frage, bist du der Richtige für mich? Hast du daran gedacht, als der Fotograf dich aufnahm. Hast du daran gedacht, als du dieses Foto ins Internet stelltest würdest. Gibt es dort in der Weite jemanden, der mich erkennt?

Ich habe dich erkannt, ja. So oft hast du schon die Enttäuschung erlebt, dass ein Mann dich nur als Objekt seiner Begierden sah, so oft warst du eine Beute, ein Opfer. Niemand hat sich für deine Seele interessiert... vielleicht triffst du nun auf diesem Weg übers Internet den Richtigen. Jemand, der dich einfach in den Arm nimmt, wenn du traurig bist. Jemand, der mit dir lacht und tanzt, wenn du fröhlich bist. Jemand, der dich zärtlich streichelt, dass du dich fallen lassen kannst, wie als Kind in die Arme der Mutter oder des Vaters.

Jemand, der deine Leidenschaft schürt, dass euch beide die Wellen der Lust über den Horizont hinaustragen wie ein Schiff vor dem Wind durch das stürmische Meer.
Ach, du meine Schöne, wie oft hast du daran gedacht, ob es diesen Menschen für dich gibt. In den Augen wohnt immer noch die Hoffnung einer Liebenden.
Du bist so rein, deine Haut hat die Farbe von Schokolade, es muss sich so gut anfühlen, dich zu streicheln, deine Lippen sind wie Kirschen, dich zu küssen, muss die unendliche Hingabe wecken, in die man sich fallen lassen kann. Deine Augen sind unergründlich wie der Dschungel, lauter Geheimnisse verbergen sie. Wenn ich dich küsse, halte ich inne und versenke meinen Blick in die Unergründlichkeit deiner dunklen Augen.
Du wirst immer ein Rätsel bleiben, aber ich will den Rest meines Lebens damit verbringen, es zu erkunden und versuchen, es zu lösen. Ich habe den ganzen Tag an dich gedacht, am Morgen schon, und auch spät in der Nacht. Wie es wohl wäre, von deinen Armen gehalten zu werden, einmal dein Kind zu seine, und einmal dein Teufel, der über dich gebietet, dem du deine Erregung zu Füßen legst. Alles in einem Kuss vereinen. Wie es wohl wäre, dir nach der Liebe sanft die verschwitzten Haare aus der göttlich geschwungenen Stirn zu streichen und mit kratzender Stimme zärtliche Worte zu finden... du bist so schön, meine Liebe.
Ich habe an dich nicht nur am Tag gedacht, ich habe dich mit in meine Träume genommen, und der Morgen fand mich voller Sehnsucht auf ein Zeichen von dir...


Na, die junge Schwester erscheint, ich bin fertig. Sie schreiben aber heute wieder wie ein Besessener, Herr Mukono, worüber denn, wenn ich fragen darf?
Lächelnd schaue ich hoch, Hat sie ihre Tabletten bekommen, Inhalation, die Emulsion gegen den Pilz?
Ja, sagt die junge Schwester und strahlt, wenn ich verliebt bin, vergesse ich doch meine Pflichten
nicht.
Wir sehen uns dann Mittag wieder, tschüss, bis dann.
Die Tür klappt hinter ihr zu. Die Kleine hat mir die richtige Antwort gegeben. Ich stehe auf und schaue nach der Kranken und binde ihre Hände fest an die Lehnen des Rollstuhls. Sie schläft im Sitzen.
Dann setze ich mich wieder an den Computer.

Ich bin ein Verlorener, du Schöne, du meine Liebe, vergiss mich, für mich gibt es kein Leben mehr. Es ist vorbei.

Ich fühle mich auf einmal unwahrscheinlich frei vom Leben und sehr leicht. So müssen sich die Gladiatoren gefühlt haben, wenn sie in die Arena schritten und den Arm hoben.
„Cäsar, die Todgeweihten grüßen dich!“
Und setze einen Punkt.



„Und war das etwas für Sie?“ fragte ich,
„und haben Sie sich darin wieder gefunden?“ wollte ich wissen.
„Nein....nein.“
„Warum nicht?“
„Wir Frauen fühlen wohl anders“, sagte Michaela.
56

17
Jul
2014

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Sommerhitze

Sonnenwärme erzeugt einen kleine Schweißfilm auf der Haut wie ein Gewand aus Seide. Er läuft so leicht als wäre er betrunken und könnte sein eigenes Alter vergessen, wie im Traum zur Jugend zurückgekehrt.
Schatten wedeln im kühle Luft zu, als wären Diener mit riesigen Fächern zur Stelle. In ihm singt die Musik des Sommers.
Er denkt immerzu an Michaela. Schon seit gestern. Ob sie auch an ihn denkt?
Ihm wäre es sogar lieber, sie täte es nicht.
Er möchte nicht mehr solche Geschichten erleben, die einen wehrlos machen wie das Wild vom Pfeil durchbohrt. Nein, nicht mehr, nie mehr.
Er setzt sich auf eine Bank im Park. Mindestens sechs alte Leute ziehen an ihm vorüber wie eine Karawane durstender Kamele. Dumpfer Blick von Wärme erzeugt...

Wie er die Jugend liebt und die Schönheit der jungen Körper, die glatte Haut, die lässigen Bewegungen, den Charme der lächelnden Gesichter.
Ein altes Gesicht sieht er von jemanden, der von allem weiß, hinter dem Stumpfsinn liegt auch noch ein Land.
Ein Land der Erinnerung.

Im Lokal isst er gut und trinkt kaltes Bier.
Während er Kaffee trinkt, denkt er an Michaela.
Die Kellnerin stammt aus der Dominikanischen Republik und heißt Maria.
Nicht Michaela. Michaela ist anders als Maria. Michaela ist Vertrautheit wie die Heimat vertraut ist. Maria ist Sehnsucht wie die Fremde ersehnt wird.
Maria sagt, mein Schatz und lacht.
Michaela sagt, du verstehst mich, du kennst mich wie dich selbst.

Eine Unbekannte sitzt am Nebentisch mitten in der prallen Sonne und trinkt Caipirinha, drei Gläser nacheinander. Sie hat nasse Augen und schwärmt, sie hätte zehn Jahre in der Dominikanischen Republik gelebt. Die Menschen wären da anders, sie sucht nach Worten...
Sie sind freundlich und friedlich, hilft er ihr.
Ja, ja, sagt die Unbekannte und lallt schon etwas.

Junge Mütter ziehen vorüber, sie ziehen ihre kleinen Kinder nackt aus, weil es so warm ist. Alle sind benommen und glücklich von der Wärme.

Sie haben alle schöne Körper, lallt die Unbekannte, die Menschen der Karibik, wir nicht, wir Weißen sind nicht so schön.
Maria ist schön, sagt er, Maria lacht.

Autos hupen fröhlich.
Die Straße ist voller Menschen, die Feierabend haben.

Michaela, denkt er, hat eine schöne Seele, so etwas fühlt man.

Ja, Maria, ist schön, singt die betrunkene Unbekannte und zieht einen Geldschein aus ihrem Portemonnaie, hier den habe sie immer bei sich, er ist aus Marias Heimat.
Maria lacht, willst du noch einen Caipirinha?

Alte weiße Weiber, er hat sie in Malindi, in Kenia gesehen, wenn sie die Schönheit brauner Körper anbeten, stumm vor Verzweiflung und Reichtum.

Er raucht eine dicke Zigarre und denkt an Michaela...

Eine halbe Stunde später packt er seine Tasche und geht durch die Abendsonne heimwärts, hinter sich Maria und die betrunkene Unbekannte.

Und denkt an Michaela. Was für eine Geschichte!



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