25
Okt
2014

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Suizid ist ansteckend

Je älter man wird, um so mehr gerät man in Versuchung den Kopf zu schütteln. Und dann irgendwann gar nicht mehr damit aufzuhören:

Die Zeit und die Welt ist inzwischen so hektisch und die Öffentlichkeit hetzt von Thema zu Thema wie ein verrückter Hund, der schon die Zunge heraus hängen lässt, weil er gleich kollabiert.

Ob es nun die Emanzipation ist, die Anerkennungen von verschiedenen Sexualitäten sind (weder männlich noch weiblich, als sächlich gehört dazu), die Kriegsbeteiligungen an allen Enden der Welt, gesunde Lebensweisen mit Hatz gegen Raucher und Alkoholtrinkende sowieso, oder Tabu freie Pornografie, Verklärung der Abtreibungen von "selbstbewussten" (Karriere)Frauen, freien Sex im Internet, der sich vor allem in Großaufnahmen von Geschlechtsorganen auf Pornoseiten meint äußern zu müssen (schauen Sie sich da mal die Gesichter(!) der Akteure an) und ja (in der Realität stirbt der Sex gerade aus)... es geht vorwärts, manchmal denkt man, zielbewusst auf den Abgrund zu.

Kopf schütteln.

Man twittert auf Teufel komm raus und ist nicht mehr in der Lage, mit der Hand einen Brief zu schreiben

Man hat den Eindruck, es gab plötzlich Zeiten, da war es schick katholisch zu werden, dann wieder war es schick schwul zu sein, jetzt neuerdings ist es schick katholisch und schwul zu sein, altmodische Pazifisten werden verlacht, "moralische" Gründe für Kriege herausgebellt (immer die Gegenseite ist des Teufels leibhaftig) wie einst vor dem ersten Weltkrieg die Kriegsetze in den Medien anschwoll bis zum bitteren Ende dann die Zerknirschung kam, "Putinversteher" sind eh alles Kindsköpfe und Idioten, hoch lebe die NATO und der Atomkrieg ... jetzt schreien selbst Grüne nach Kampfeinsätzen gegen das IS-Kalifat und Pazifisten wie die unaufgeregte Margot Käßmann werden mit Kübeln von Hass begossen...

Ein neues Thema muss her:
Es ist der "assistierte Selbstmord"... lesen Sie

hier

Wer selbst einen Angehörigen verloren hat, der sich das Leben nahm, wird das vielleicht verstehen.
67

23
Okt
2014

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Ein Interview mit einem IS-Terroristen

Interessant zu lesen, aber im Endeffekt läuft es gar nicht auf Demokratie oder nicht Demokratie hinaus, sondern auf Hass oder Liebe, es gibt auch keine "Fehlerfreien" Menschen, sondern Idioten, die Koranverse murmeln und sich für Gott halten oder Mitfühlende, die sich nicht für Gott halten, oder?

Lesen Sie selbst

hier
40

Die Kosten der Wiedervereinigung

In der "Zeit" steht ein Artikel über die Kosten der "Wiedervereinigung Deutschlands", den ich gar nicht verlinke, so absurd ist die Rechnung eines Ökonomen, er kommt wohl auf 2 Billionen Euro bisher, nein, er meint nicht den Erwerb der Produktionsmittel samt Immobilien durch das Kapital, er rechnet irgendwelche Geldflüsse hoch :-)

Bemerkenswert ist für mich ein Kommentar:


"4. Ich war immer gegen die Wiedervereinigung

Und es wäre besser gewesen, 2 eigentsändige Staaten zu haben. Ich habe jahrelang Steuern und Zuschläge bezahlt und was hat mir die Einheit gebracht? Nichts ausser einer schäbigen Affäre mit einer Ostdeutschen."


Die schäbige Affäre hat sich dieser Mann echt verdient :-))))
39

21
Okt
2014

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Muckibude

Erschöpft auf dem Heimweg mit vollem Rucksack, bleibe ich an einem Laden stehen, der neu eröffnet hat. Das man immer so neugierig sein muss.
Das ist eine neue Methode, Muskeln zu bekommen. Es dauert pro Woche nur 20 Minuten steht in großen Klebebuchstaben an der Scheibe.
Und: Neu! Neu! Neu!
Das war mal ein kleines verschlafenes italienisches Restaurant hier, und der Koch war ein Genie.
Na ja, das Leben kommt und geht.
Ich kann mich erinnern, einige Wochen über Weihnachten und Neujahr lebte eine polnische Prostituierte bei mir, sie hatte sich vor ihrem Zuhälter versteckt. Eine sehr leidenschaftliche Blondine.
Und wir gingen mal in dieses Restaurant essen – sehr gut, aber wir tranken zu viel Wein. Plötzlich begann sie zu randalieren, weil sie angeblich italienisch verstand, und der Koch und der Kellnerin hatten dreckige Bemerkungen über sie gemacht. O verdammt, ich musste alle Beteiligten beruhigen.
Wieder zu Hause wollte sie mich tatsächlich verführen, aber ich blieb standhaft, mag keine Blondinen, das war das Geheimnis. Nachher schluchzte sie über ihr Scheiß Leben – und ich musste sie erneut beruhigen. Sagt mir bloß noch einer, Prostituierte wären eigentlich glückliche Menschen!
Das Leben kommt und geht.
Die Italiener sind vielleicht inzwischen zurück nach Sizilien und Jolka in Warschau...
jetzt ist das eine Muckibude.
Ja, ich müsste was für meine Fitness tun. Hat das mit fast 65 Jahren überhaupt noch einen Sinn? Prominente in diesem Alter erschiessen sich normalerweise.
Ein junger Mann kommt auf die Straße gesprungen und bittet mich herein.
Ich könnte ein kostenloses Training absolvieren.
Und dann, will ich wissen, wartet ein Jahresvertrag?
Es wären erst mal 6 Monate, antwortet er keck.
Und pro Woche 20 min. für 20 Euro?
Ja, das ist so viel wie sonst 6 bis 7 Stunden im Kraftraum
Also da werden Reizströme auf alle Muskeln des Körpers gegeben.
Und dann, er strahlt, und zeigt auf seine nackten Oberarme (er trägt ein weißes T-Shirt), sieht ihr Bizeps so aus.
Das will ich gar nicht, sage ich, soll ich mit 65 mit so einem Bizeps herum laufen.
Um polnischen Prostituierten zu imponieren, das wäre ja lächerlich, denke ich.
Er schweigt und ist irgendwie irritiert. Kann er Gedanken lesen?
Wir sind flexibel, sagt er noch, man könnte auch über eine Zehnerkarte nachdenken.
Machen sie eine Reklame, wenn 's auch mit Zehnerkarte geht, ich komme ja hier öfter vorbei.
Er strahlt und schüttelt mir die Hand.
Schade, mir wäre lieber, er könnte gut italienisch kochen.

Zu Hause, schnaufend die vier Treppen hoch, ja, ja, ich muss was tun, aber das richtige.

Wenig später sitze ich am Computer und öffne die Seite eines Altenforums.
Ein Foto, ein Werbebild springt mich an, darauf ist ein weißhaariger Mann zu sehen, der mich ernst über die Brille hinweg ansieht.
Darunter steht:
„Wie schreibe ich richtig mein Testament?“
...
Gestern rief mich mein fast achtzigjähriger Bruder an, habe übrigens noch eine fast neunzigjährige Schwester, mit brüchiger Stimme meldete er sich, wir hatten schon Jahre nicht mehr miteinander gesprochen, aber ich erkannte ihn sofort.
„Weshalb ich anrufe, es geht um das Grab unser Eltern, es müsste eingeebnet werden und der Grabstein sollte entfernt werden, ob du damit einverstanden bist.“
„Ja, ja, was kostet das denn, ich gebe dir dann meinen Anteil.“
„Du hast ja nüscht“, sagt er.

Stimmt. Aber er wäre wohl der letzte, der mir was gibt. Komisch, alle paar Jahre ruft er an und will wissen, was ich schreibe... keine Angst, ich schreibe nix über die Familie... ich schreibe "nüscht" müsste ich als wahrer Uckermärker sagen...
Wozu eigentlich ein Testament?
Wenn ich was hätte, würde ich mir vielleicht besser eine Prostituierte suchen, die nicht blond ist...

Nachts schlief ich und träumte eine Geschichte, in der ein Mann heimlich auf dem Friedhof steht, raucht und beobachtet, wie das Grab seiner Eltern eingeebnet wird, irgendwo dort in der fernen Uckermark... tja, solche Geschichten schreibt das Leben.

Und heute dann die Muckibude.
Nee, ich mach das nicht.
108

19
Okt
2014

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Vor 25 Jahren

trat Honecker zurück.

hier

Ich nehme mal an, das DDR-Fernsehen hatte in der DDR selbst das erste Mal eine höhere Einschaltquote als in den entsprechenden Dienststellen des BND :-)
55

18
Okt
2014

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Schreiben ist Entsagung

Malte Welding hat heute in der Berliner Zeitung wie immer einmal wöchentlich seine Liebeskolumne veröffentlicht.
Da ich mich selbst in einem Alter sehe, in dem Liebesfragen eigentlich nicht mehr real und "drängend" sind, las ich dieses Mal sehr interessiert, weil er die Liebe eines alten Menschen zu einem jungen Menschen behandelt.

Lesen Sie


hier

Sehr interessant sein Ausflug in die Biografie Thomas Manns, der ja wohl der begnadeste Schriftsteller Deutschlands des vergangenen Jahrhunderts war.
Dieser Kerl hatte zwar Familie und Kinder, aber selbst wohl gar nicht richtig "gelebt", wenn man unter Leben versteht auch Liebe zuzulassen.
Ich weiß einige, die sich für Schriftsteller halten, meinen selbst nun ein "Heldenleben" führen zu müssen, um dann mehr oder weniger verschlüsselt ihre Geschichte und Romane zu "erfinden", es aber zumindest sinnlich erlebt haben zu müssen, um das denn richtig gut zu machen. Es wird jedoch eher fad.
Nach meiner Ansicht ist das eine pubertäre Auffassung vom Schreiben.
Schreiben ist eigentlich etwas für alte Leute :-), die nicht mehr richtig leben im Sinne von "sich ausleben". Ich kann bestätigen, dass mit dem Alter das Interesse mehr und mehr an der Welt erlischt und die Freude am Fabulieren und Erfinden zunimmt.

"Aber Thomas Mann hatte sich entschieden, noch einmal Liebe zu fühlen. Liebt man allein, muss man die Kraft haben, daraus Schönheit entstehen zu lassen."

Das Objekt der Liebe des alten Schriftstellers wusste gar nichts davon, es zu sein :-))))
121

17
Okt
2014

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Dan und Nina

auch ein alter Text, aber passt in die Zeit :-)


Selbstverständlich schien die Sonne nicht. Hier konnte man schon froh sein, wenn der Regen ausblieb. Und es war kühl und windig. Dan sprang die U-Bahn-Treppe hinunter, die Hände in den Hosentaschen vergraben.
Hohe gelbe Spanplatten waren vor dem zweiten Ausgang genagelt. Die Station wurde bei laufendem Betrieb für einige Monate rekonstruiert: Überall in dieser Stadt wurde immerzu gebaut; die Deutschen waren eben fleißig und beschäftigten polnische Bauarbeiter.

Kurz vor der Ecke des Weges zur Treppe, die auf den Bahnsteig führte, hatte der junge Vietnamese sich postiert. Unter dem Gullydeckel lagerten seine Stangen Zigaretten. Aus Langeweile übte er Flickflacks. Er erkannte Dan, aber sie grüßten sich nicht.
Dan stellte sich auf den obersten Treppenabsatz an die provisorische Holzwand, hier pfiff der Wind nicht gar so arg. Auf der anderen Seite wartete der Punk im schwarzen Leder und metallbehangen wie jeden Tag, um Fahrkarten zu schnorren, die er an andere Fahrgäste weiter verkaufen konnte. Er wäre eine Mücke, so erzählte er Dan einmal, die einen Elefanten belästigte. Den Elefanten stellte natürlich der öffentliche Verkehrsbetrieb dar. Dan grüßte den Punk nur mit den Augen, wie er es schon bei dem Vietnamesen gemacht hatte. Man kennt sich nicht so offensichtlich, es war besser so.
Der Punk hatte den Bahnsteig im Blick, der Vietnamese an der Ecke die Treppe zur Straße. Wenn Polizei auftauchte, gab einer dem anderen einen kurzen Ruf mit auf den Weg, ehe sie rannten. Einmal erlebte es Dan, und er rannte gleich mit, obwohl er doch einen Pass mit gültigem Visum in der Tasche hatte. Man weiß ja nie, dachte sich Dan.
Wie immer war Dan eine Bahn zu früh da. Als unten die gelbe Metallschlange dunkle Menschen ausspuckte, die sich lautlos zusammenballten und die Treppe hochkamen, senkte Dan seine Augen und stand möglichst unauffällig in der Nische. Auf der anderen Seite hörte er den Punk.
„Haben Sie vielleicht eine Fahrkarte übrig?“
Mit der nächsten Bahn erschien sie. Dan erkannte sie schon auf dem Bahnsteig. Nie schaute sie zu ihm hoch und gab ihm ein Zeichen des Erkennens, ein Winken oder so etwas.
Sie ging in der Menge mit geneigtem Kopf und kleinen Trippelschritten. Dan musste wie immer lächeln, weil sie es zu sehr betonte, ihn nicht zu kennen. In ihren Augen versteckte sich ein Kichern.
Oben auf der Straße holte er sie schließlich ein und ging ein paar Schritte an ihrer Seite. Er gab ihr den Wohnungsschlüssel in die Hand. Sie ließ ihn in die Manteltasche gleiten.
„Wenn ich nach Hause komme, bringe ich Essen mit.“
„Ist gut.“
Dan schaute sie an. Sie gingen schnell zu Kreuzung.
„Und mach' das Radio nicht so laut.“
„Nein, nein, ich geh gleich schlafen.“
An der Kreuzung blieben sie stehen, weil die Ampel rot leuchtete. Dan genoss diese Zeit.
„Bis heute abend.“
„Ja, mach’s gut.“
Er sah ihr bei Grün nach, wie sie schließlich in einer Seitenstraße verschwand, um sich tagsüber in seiner kleinen Hinterhauswohnung zu verstecken: Nina, die illegale Hure aus Bulgarien ohne Aufenthaltserlaubnis.
Dan, der Afrikaner, drehte sich um und ging zurück zur U-Bahn. Er fuhr zur Arbeit: In einer Großküche Töpfe schrubben für drei Euro die Stunde, cash, bar auf die Hand.
82

16
Okt
2014

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Jawoll :-)

Wir sind mittendrin in der Zukunft!

Frauen, lasst eure Eizellen einfrieren, um für die Firma da zu sein!

In den nächsten Jahren wird das System bestimmt perfektioniert, dass man einer armen Inderin die befruchtete Eizelle (eure Männer werden ja gefälligst ihr Spermazellen auch einfrieren lassen) in die Gebärmutter einpflanzt.
Die fertigen Kinder übernimmt dann gleich die Firma in eigenen Krippen und Kindergärten, ihr könnt ihnen ja dann beim Studienabschluss die Hand schütteln (wenn es der Job erlaubt) und falls sie auch bei der Firma anheuern, vielleicht beim Tischtennisspielen in einer Pause die Nachkommen näher kennen lernen :-)))

hier

und akzeptiert endlich die verdammten Chlorhühnchen *gg*
64

Allein

alte Geschichte, aber passt irgendwie zum Tag, zum Wetter sowieso, unbearbeitet

Alfred saß im Sessel. Seit Stunden schon saß er dort. Er wüsste auch gar nichts weiter, was er machen sollte. Er schaute ins Nichts. Manchmal dachte er, obwohl er keinen Grüblertyp war. Er dachte, jetzt liegt sie in der Erde. Oder er dachte, den Sarg haben sie schön geschmückt.
Aber nicht viel mehr. Es war nichts mehr zu bedenken. Er hatte ja auch keine große Arbeit, hatte alles das Beerdigungsinstitut erledigt.
Alfred weinte nicht am Grab. Auch nicht, als der Trompeter spielte. In der Kapelle war er eine ganze Weile allein mit ihr. Das war eigentlich das Schönste. Kein Redner, kein Pfarrer, das hätte noch gefehlt. Warum hätte Alfred weinen sollen. Davon wäre sie auch nicht lebendig geworden. Und vor fremden Leuten wie diesen Leuten vom Beerdigungsinstitut Gefühle zu zeigen, das war nie seine Sache. Ja, wenn der Sohn mit der Schwiegertochter gekommen wäre, die Enkeltochter, die gerade in der ersten Klasse ist, dann hätte er vielleicht geweint. Aber auch nur vielleicht, so sicher war er sich da nicht. Die Enkeltochter schaute ihn immer so scheu, die Schwiegertochter fast böse an.
Das war Alfred schon oft aufgefallen. Sie mag mich nicht, sagte er sich. Alfred wusste, warum sie ihn nicht mag. Weil sie die Ähnlichkeit sah mit seinem Sohn. Sie sah in ihm genau das, was sein Sohn einst sein würde. Ein alter Mann mit einem verschlossenen, harten Gesicht. Auch während der langen Zeit der Krankheit, hatte Alfred nie geweint. Doch, einmal hatte er geweint. Jetzt erinnerte er sich. Als sie ihn das erste Mal nicht erkannte. Das musste so ein gutes halbes Jahr her gewesen sein. Er saß im Sessel und sie lag auf der Couch, er hatte ihr einen ganzen Berg Kissen drunter gelegt. Den Kopf erhöhte er ihr mit noch zwei Kissen mehr, damit sie ohne Mühe Fernsehen konnte. Sie war eben wie ein Baby, das letzte halbe zumindest. Babys mögen es auch weich und warm. Alfred blätterte in der Fernsehzeitung,
um ihr eine Sendung herauszusuchen. Volksmusik mochte sie auch nicht mehr, die hatte er ja selbst gern gesehen. Nein, sie wollte Kindersendungen, die Sendung mit der Maus oder so etwas. Und Trickfilme liebte sie ganz besonders. Manchmal lachte sie an Stellen, da war gar nichts zu lachen. Er hatte das schnell mitbekommen, wenn es besonders bunt war, alle Farben durcheinander, dann lachte sie.
Damals vor einem halben Jahr, als er in der Zeitung blätterte, sagte sie plötzlich von der Couch aus: „Wo ist denn Alfred?“ Sie hatte mit der Krankheit auch eine immer höhere Stimme bekommen. Sie piepste.
Alfred sah hoch und antwortete: „Ich bin doch Alfred.“ Sie lachte und lachte, aber sie bekam dann einen Hustenanfall. Er stand auf und richtete sie etwas hoch, und klopfte ihr ein wenig auf den Rücken bis sie sich beruhigt hatte. Als er sie zurücklegte, sah sie ihn wieder an mit ihren leeren Augen.
„Wo ist denn Alfred?“
Da ging er raus ins Bad, stützt seine Hände auf den Rand des Waschbeckens und sah in den Spiegel. Sein steinernes Gesicht, ganz reglos, und plötzlich entdeckte er selbst die Tränen. Ganz kleine Tränen, liefen ihm die Wangen herunter, schmale Bächlein. Es waren nicht viel, vielleicht fünf, sechs Stück. Er wusste auch noch genau, was er vor dem Spiegel gedacht hatte. 55 Jahre bin ich mit ihr verheiratet, hatte er gedacht, 55 Jahre und jetzt fragt sie mich: wo ist denn Alfred?
Aber dann hatte er sich das Gesicht gewaschen und abgetrocknet. Er musste das stark bleiben.
Klar, der Doktor wollte sie in die Klinik einweisen.
„Nein“, antwortete damals Alfred, „ich pflege sie bis zum Schluss. Sie soll zu Hause sterben.“
„Wissen Sie, was da auf sie zukommt?“ fragte der Doktor.
„Sie werden es mir sagen.“ Das war seine Antwort gewesen.
Und der Doktor hatte ein langes Gespräch mit ihm geführt, und er hatte auch gesagt, dass der Tag kommen wird, an dem sie ihn nicht mehr erkennt.
Schlimm war heute nur die Nachbarin, als er mittags im schwarzen Anzug heimkam.
„Sie ist gestorben, Ach Gott. Herzliches Beileid. Hätten Sie uns doch etwas gesagt, wir wären auch zur Beerdigung gekommen.“
„Danke, aber wir sind doch nicht verwandt. Jeder hat seine Probleme.“
Er brummte nur.
Sie sah ihn so seltsam an. Natürlich hatten die ganzen Nachbarn sie beobachtet. In der letzten Zeit konnte er nur auf dem Hof mit ihr spazieren gehen, wenn man das so nennen kann. Die Strasse war zu gefährlich.
„Aber ihr Sohn ist doch da?“
„Nein, er konnte nicht, er hat eine neue Arbeitsstelle dort in Bayern, die darf er nicht verlieren. Er hat auch seine Familie.“
„Da waren Sie ganz allein...“ Sie sah ihn so seltsam an.
„Ja, ganz allein“, sagte er trocken und knallte ihr die Tür vor der Nase zu.

Inzwischen war es Abend geworden. Ach ja, jetzt konnte er wieder auf den Balkon gehen.
Vor ein paar Wochen saß er mit ihr auf dem Balkon, und auf einmal wollte sie über die Brüstung klettern. Da ging das auch nicht mehr.
Er öffnete weit die Balkontüren. Was für eine schöne Luft nach diesem heißen Tag, dachte er.
Bald kommt der Herbst, der Winter, wenn ich noch lebe und allein... allein... auch so ein Wort.
Dann nahm er den großen Kerzenständer, stellte ihn auf den Balkon.
Er saß da ganz friedlich, ganz allein, die Kerze brannte für sie.
Auf einmal sah er auf dem Nachbarbalkon auch eine Kerze brennen. Ob sie das wegen ihr macht, dachte er, irgendwie nett. Ein ganz eigenartiges Gefühl beschlich ihn.
Da setzte er sich hin und weinte mit seinen achtzig Jahren, wie schon seit Jahrzehnten nicht mehr...
97

15
Okt
2014

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Vorsicht, Kanzlerin bei Tisch

Endlich mal wieder eine Kolumne von der zauberhaften Mely Kiyak gefunden, und zwar in der "Zeit" :-)

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