25
Mai
2015

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Pfingstlektüre

Was gibt es schöneres als bei mildem Wetter Pfingsten auf dem Balkon zu sitzen, die Beine hoch, Pfingstwasser (Korn) zu trinken, eine Zigarre zu schmauchen, während unten in der Straßenkeipe das Volk lärmt und Goethe-Briefe zu lesen, so auch diesen an Charlotte von Stein mit einem wunderbaren Liebesgedicht, das ich nicht kannte, obwohl dieses Gefühl mir nicht fremd ist?

Ach, wie bist du mir,
Wie bin ich dir geblieben!
Nein, an der Wahrheit
Verzweifl' ich nicht mehr.
Ach, wenn du da bist,
Fühl' ich, ich sollt' dich nicht lieben!
Ach, wenn Du fern bist,
Fühl' ich, ich lieb' Dich so sehr!
19

Karls Sterben

So, sagte sich der Mann, jetzt habe ich die Faxen dicke, ich höre auf zu leben. Das gibt es doch nicht, die eigene Tochter beendet mal so kurz entschlossen ihr Studium für drei Jahre, und nun wird er auch kein Kindergeld mehr bekommen. Der Mann, er hieß Karl, hatte vor einer Woche mit ihr telefoniert. Da hatte sie die Güte, ihn davon zu informieren.
Karl blieb ganz ruhig, und erklärte ihr, dass er ihr im vorigen Jahr 50000 Mark, als Vorschuss für ihr Studium, gegeben hatte. Dafür bekomme er zu Recht Kindergeld. Wenn sie aber nicht mehr studiert, bekommt er kein Kindergeld. Er bat sie mit ihrem Mann in aller Ruhe auszurechnen, wie viel von dem Vorschuss er nun zurückbekäme, er brauche das Geld. Vor einem Jahr war Karl noch sehr reich, nun war er arm.
Gestern abend rief er sie an und fragte ganz cool, was sie nun überweisen würde.
Ihre Antwort war ebenfalls cool: „Nix!“
„Dann mach’s gut“, sagte Karl und legte auf.
Die Nacht verbrachte er mit idiotischen Dingen, wie mit Chats mit albernen Kids. Endlich hatte Karl genug Leere im Kopf, dass er bis zum Mittag durchschlief. Wie immer duschte er kalt, aber nur schnell und flüchtig, er lüftete, fütterte die blöden Fische. Karl zog sich sein dickes Schlamperzeug für die Wohnung bei dieser Kälte an, und bereitet sich sein Frühstück. Wie immer ein Stück amerikanischen Kuchen und eine Tasse Tee. Dann rauchte er und überlegte. Sein Geld würde nicht reichen, die Zukunft sah also alles andere als rosig aus, am Ende Obdachlosigkeit.
Karl ging zum Computer und fragte die Maschine nach Mails, nichts für ihn, war auch gut so.
Dann ging er wieder in die Küche und rauchte und grübelte über seine Zukunft, nur kurz dachte er an einen Banküberfall. Der Wurm seiner Gedanken steckte fest, nicht vor und nicht zurück.
Dann schloss er alle Fenster, genug gelüftet und setzte sich wie immer an den Computer, um zu arbeiten. Es ging nicht. Plötzlich wurde er wieder müde. Er legte sich auf das gemachte Bett zog sich eine Decke herüber wegen der Kälte. Er versuchte den Wurm in Gang zu setzen, nichts.
Da kam ihm die rettende Idee, sterben. Selbstmord verabscheute Karl, aber man kann ja zum Beispiel, einfach aufhören zu essen. So oft liest man von den Hungerstreiks in den Gefängnissen, das wäre ja kein Selbstmord. Endlich war der Wurm nicht mehr eingeklemmt, und Karl faltete die Hände über der Brust über der Decke und schlief noch einmal ein. Er hatte seine Lösung gefunden, brauchte nicht mehr grübeln, nur ruhig liegen bleiben, in drei Monaten alarmieren Nachbarn wegen des Geruchs die Polizei, aber das war dann nicht mehr sein Problem.
Nach zwei Stunden wachte Karl wieder auf. Er hatte Kaffeedurst, und es war kalt. Karl überlegte, ob Kaffee erlaubt wäre. Das wäre ja kein Essen, entschied er und stand auf und unterbrach sein Sterben, um Kaffee zu kochen. Beim Kaffee trinken überkam ihm eine Erleuchtung, ich bin doch ein Idiot, ich kann doch alle Heizungen aufdrehen, er lachte und klopfte sich gegen die Stirn. Die Rechnung war dann später auch nicht mehr sein Problem. Er konnte warm sterben, ist doch angenehmer. Also drehte er in allen Räumen die Heizung auf volle Pulle. Dann schaute er noch mal nach Mails, ob irgendwie ein letztes Zeichen käme, aber nichts. Und das ist gut so, dachte er. Inzwischen war es so warm, dass er sich auszog zum Sterben. Er dachte kurz nach, und er entschied sich, den Slip anzubehalten aus Gründen der Pietät.
Karl legte sich wieder hin, faltete die Hände und schaute auf seine nackten Zehen, die Decke war so hochgerutscht, und es war ja warm. Karl beschloss an sein Leben zu denken, sonst war es zu langweilig, das Sterben. Auf einmal fiel ihm auf, dass zwischen den Zehen etwas Schwarzes war. Das ist Schmutz, dachte Karl entsetzt, nein, das geht nicht.
Er stand auf und drehte das Badewasser auf, ein schönes Vollbad zum Abschied, warum nicht, sagte sich Karl. Bis die Wanne voll war, schlich er noch mal durch die Wohnung. Die Fische fütterte er zum zweiten Mal und murmelte:
„Es ist das letzte Mal.“
Dann schaute er in den Kühlschrank, zum Glück war dieser fast leer. Er beugte sich vor, doch oben lag noch eine volle Packung Bockwürste. Mh, grübelte Karl, die muss ich vergessen.
Schließlich stieg er in die Wanne, es war ein schönes warmes letztes Schaumbad, und Karl genoss es. Er säuberte sich gründlich.
In der Folge legte er sich wieder hin zum Sterben. Er versuchte ein wenig zu Schlafen, aber er war putzmunter. Na, mit der Schwäche, dachte Karl, würde auch die Müdigkeit kommen.
Er schloss die Augen. Deutlich sah er vor sich das Paket Bockwürste. Da musst du durch, dachte Karl.
Eine halbe Stunde litt er. Warum soll ich leiden, fragte er sich, wenn die Bockwürste weg sind, ist auch die Versuchung weg.
Karl sprang etwas wütend auf, ging zum Kühlschrank, und stopfte sich eine Bockwurst in den Mund. Dann schaute er grimmig und stopfte sich die zweite rein. Nun ist egal, dachte er, weg damit, die dritte aß er mit Ketchup und eine Scheibe Brot dazu.
Nun legte er sich wieder hin zum Sterben. Bei so sattem Bauch gelang ihm ein Schläfchen von einer Viertelstunde. Dann erwachte er, und der Durst erschien, Karl fluchte innerlich. Also ging er wieder in die Küche, es war kein Bier da. Verdammt, verdammt, dachte Karl. Er sah auf die Uhr, Es war fünf. Da war die Kneipe noch leer. Er kramte in seiner Hosentasche und fand tatsächlich einen Zehner.
Kurz entschlossen unterbrach Karl sein Sterben und zog sich an und ging zu Kamenke.
Zum Glück war die Kneipe leer. Die rothaarige schlanke Susi hatte Dienst, das war auch sehr angenehm für sein letztes Mal im Leben, Bier zu trinken.
„Wieder ein großes Guinness?“, fragte sie.
„Ja“, antwortete der sterbende Karl.
Beim Einschänken lächelte sie zu ihm herüber, aber er blieb Ernst, die Zeit mit Frauen zu flirten war endgültig vorbei.
Als sie das Bier brachte, lächelte sie, natürlich, woher sollte sie wissen, dass er fast tot war.
Er schob ihr den Zehner herüber und sagte mit tragischem Blick:
„Bring mir soviel Bier, bis der Zehner aufgebraucht ist, es ist mein letztes Mal.“
Dann schaute er beim Trinken und Rauchen, durch die große Scheibe, und zwei Tränen rollten ihm herab.
Als Susi das zweite Bier brachte, fragte sie:
„Was ist denn Karl, du bist ja gar nicht so fröhlich wie sonst.“
Karl seufzte.
„Ich möchte nicht darüber reden, wirst du mich sehr vermissen?“
„Wieso?“, fragte Susi.
„Ach.“ Karl winkte nur ab.
Und er schaute weiterhin traurig aus dem Fenster, und wieder rollten zwei Tränen herab.
Beim dritten Bier war die Kneipe immer noch leer. Susi setzte sich einfach zum ihm an den Tisch.
„Was ist los, Karl?“
Karl sah Susi mit feuchten Augen an.
„Ich werde sterben, Susi.“
Sie schlug sich mit der Hand vor dem Mund und wurde ganz bleich, was er irgendwie als tröstlich empfand.
“Hast du Krebs, Karl?“
Karl ließ eine bedeutungsvolle Pause verstreichen und schaute auf das Bierglas, das er drehte, Susi wartete. Schließlich bot er ihr eine Zigarette an. Sie ließ ihn nicht aus den Augen.
„Nein, ich hab' kein Krebs, körperlich bin ich noch gesund.“
Susi runzelte ihre Stirn.
„Wieso wirst du dann sterben.“
Karl holte tief Luft. Das verdammte Bier, es löste ihm die Zunge, und er erzählte alles, auch die drei Bockwürste, als er schwach wurde, verschwieg er nicht.
Susi rauchte und hörte nachdenklich zu.
Dann stand sie auf, ihm ein neues Bier zu holen.
„Das ist das letzte“, sagte sie.
Karl antworte mit Leichenmiene.
„Es gibt immer ein letztes Mal.“
Susi setzte sich wieder. Immer noch waren sie allein. Bei Kamenke ging es spät los.
„Und die Fische, Karl?“, fragte Susi ernst und ein wenig vorwurfsvoll.
„Ja, um die tut es mir am meisten leid, die blöden Fische.“
Susi schwieg, als überlegte sie.
Dann sagte sie:
„Weißt, du, ich finde auch, die Tiere können doch nichts dafür.“
„Es muss sein“, sagte Karl finster.
Susi reichte ihm ihren Block herüber und einen Stift. Karl sah sie fragend an.
„Du wohnst doch hier in der Nähe, schreib mir mal deine Adresse auf, und dann legst du einen Schlüssel unter dem Fußabtreter, und ich komme alle Tage und füttere die Fische.“
Karl sah sie ungläubig an.
„Das würdest du machen?“
„Ja.“
Susi nickte finster entschlossen. Da schrieb Karl seine Adresse auf.
„Alle drei Tage reicht auch.“
„Ist gut“, antwortete Susi und faltete den Zettel zusammen.
„Und mich lässt du in Ruhe sterben?“, fragte Karl flehend.
„Na klar“, sagte Susi, „ich guck denn in einem Monat, ob du tot bist, damit du nicht so stinkst.“
Karl war wirklich gerührt.
„Das ist toll von dir Susi, wenn ich ein Engel werde, werde ich auf dich aufpassen.“
„Du wirst bestimmt ein Engel“, sagte Susi und streichelte seine Hand. Dann kamen Gäste und Susi musste los.
Karl schwankte nach Hause. So leicht betrunken fiel es ihm nicht schwer, sich zum Sterben hinzulegen. Da es so warm war, zog er sogar den Slip aus. Ist mir doch egal, wie die mich finden, ich habe mein Leben lang nackt geschlafen, da will ich auch nackt sterben. Er brubbelte vor sich hin, und schon war er weg.
Irgendwann in der Nacht, hörte er Geräusche an der Tür. Habe ich schon drei Tage gelegen, dachte er, vielleicht hätte ich doch nicht den Schlüssel, wer kommt hier in der Nacht?
Karl hörte Geräusche im Bad, als wenn jemand duschte. Was ist hier los, er bekam es ein wenig mit der Angst zu tun?
Aber eigentlich ist es Quatsch, überlegte er, ich will doch sowieso sterben.
Plötzlich huschte ein Schatten an seinem Bett vorbei, und jemand schlüpfte hinein. Karl tastete und tastete und tastete. Das war eine Frau.
„Susi?“, fragte der Sterbende.
Er hörte ein Kichern.
„Was machst du denn hier?“
Und er hörte:
„Ich bin nekrophil veranlagt“, und ein „Oho.“
Karl ließ alles geschehen und dachte, irgendwie pietätlos.
Und so stirbt er noch heute.
49

23
Mai
2015

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Eurovision Song Contest

hat sich zum Kult für Anspruchsvolle gemausert

hier


wirklich? :-)

Heute Abend das Finale, stellen Sie den Schnaps kalt.
145

22
Mai
2015

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Hoffen

Die Nacht riecht frisch und noch
gar nicht wie Sommer
der kommen wird
aller Wahrscheinlichkeit
nach

in den nächsten zwei bis
drei Monaten
wie fühlt man sich mehr
als gut, wenn der Sekt
zwar billig

aber kalt ist und
schmeckt wie Erinnerung
als wir noch jung
waren und dieselben
wie heute

nicht mehr dran
denken müssen
in tausend Jahren spätestens
steigt der letzte Mensch
in ein Raumschiff

um
die Erde zu verlassen
in Richtung anderer Welten
so fern wie nah
jetzt alles noch ist

wird er denn von uns
irgend etwas wissen
wollen
wir trotz allem
hoffen
60

Gestern bei Maybrit Illner

Einer der absurdesten Talkshows, die ich in den letzten Jahren sah?
Eine offenbar geistig verwirrte Kathrin Oertel, früher Frontfrau bei Pegida, entschuldigte sich nun wohl bei den Moslems und fand dass überhaupt an allem die Nato Schuld ist und Hühnchen in Afrika produziert keine Chance auf dem Markt haben, weil ja aus Europa die Billighühnchen kommen, ein seltsamer Bernd Lucke als Hexenmeister, der nun die bösen Geister nicht mehr los wird... dagegen eine tapfere Frau Illner, die versuchte Klarheit zu gewinnen, wo keine Klarheit ist, der immerhin linke aber auch hilflose Augstein, ein CDU Mann und die SPD Geralsekretärin... ich nehme mal an, dass große Teile der Diskussion sich am Freitag in der Heute Show wieder finden lassen :-)))
Wer es nicht gesehen hat, dem ist etwas entgangen.

Insgesamt die Welt ist so verwirrend geworden, allein die Nachrichten lassen den Kopf schwirren, wie erst Leute, die es erklären wollen. In deutschen Talkshows tummeln sich inzwischen Verschwörungstheoretiker, Kremldeuter und Putinversteher und natürlich die Meute der Journalisten... das ist alles insgesamt nur noch konfus.
Ich selbst denke ja, dass alles damit begonnen hat, dass Menschen Dampfmaschinen bauten :-)
und rufe der Jugend zu, zieht nach Brandenburg ohne TV und Internet und betreibt Ackerbau und Viehzucht, lol.

Also an alle, die da noch nach einem Sinn suchen. Ich erinnere an den Spruch meines Mütterchens:

Immer wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtschein her

In ZDF Mediathek ist die Sendung wohl noch abrufbar:

http://www.zdf.de/ZDFmediathek#/beitrag/video/2409172/maybrit-illner-vom-21-Mai

Ansonsten hatte ich bei Zeit online wieder mal mein Maul nicht halten können und meinen Senf dazu gegeben, da geht es darum die Ukraine in die EU aufzunehmen, grins, oder vielleicht besser nicht:


"68. Ukraine ist doch das Land,

das dem Ostteil keine Unabhängigkeit zugesteht und dann auf Teufel komm raus diesen Teil bombardiert hat ohne Rücksicht auf die Einwohner. Das erinnert mich irgendwie an Assad und sein Handeln in Syrien.
Für dieses Land kämpfen Leute, die Stahlhelme mit SS-Runen bemalt tragen wie ich neulich kopfschüttelnd im TV sah...
Tja und dieses "heldenmütige Land", total korrupt, möchte der EU beitreten.
Ich finde ja, man sollte mit Russland reden, ob es nicht eines Tages in die EU eintreten würde.
Bis dahin wäre es ein guter Zeitpunkt eine dann endlich friedliebende Ukraine aufzunehmen, wenn die Oligarchen hinter Gittern sind.
Das dauert noch Jahrzehnte.
Es wäre schön, wenn Realpolitiker aus der EU diesen Hassmenschen in Ukraine es klar machen würde.
Erst kürzlich hat der Präsident Poroschenko verkündet, das Land befände sich im Krieg mit Russland!
Also solch ein Mensch müsste doch auch erst einmal ins Gefängnis, denke ich."


Besser lebt es sich die Kiste auszuschalten und auf dem Balkon sitzen und ein paar Goethe-Briefe zu lesen, schönes Pfingsten in die Runde :-)
62

18
Mai
2015

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Über die Selbstwahrnehmung und den Sinn der Rente

Bei Knuddels kann man chatten, das ist unteres Niveau, aber sehr gut Poker spielen, während ja andere Pokerseiten offensichtlich betrügen, um Geld zu verdienen. Knuddels ist kostenlos, so weit ich das überblicke.
Jedenfalls habe ich da mein Profil eingerichtet und auch ein Foto hochgeladen. Nun bekomme ich täglich automatisch zum "Kennen lernen" Fotos präsentiert, und ich soll mit JA oder NEIN oder VIELLEICHT mich bei ca 30 Frauen entscheiden, Frauen in meiner Altersgruppe, ich klicke immer auf NEIN, aber gucke doch.
Genau genommen sind das modern gesagt alles Selfies, die ich mir da angucke. Die meisten sind allein, also man sieht, sie haben das Foto selbst gemacht. Ein Becken der Einsamkeit voller Fische, die niemand mehr angeln will.
Doch in den Gesichtsausdrücken entdecke ich leicht ein Entzücken über sich selbst, den Narzissmus pur. Früher hatten Leute Fotos von sich, die sie verschämt niemand zeigten, weil sie natürlich "unvorteilhaft" waren. Das gibt es heute nicht mehr, jeder ist von sich selbst entzückt.
"Ein Jeglicher betrachtet sich selbst mit Wohlgefallen im Spiegel" bemerkte schon Goethe, das heißt, wie schrecklich er auch in Wahrheit aussieht.
Man findet sich schön.
Wohlgefallen heißt das aber nicht unbedingt, so verstehe ich Goethe.
Es ist heute dazu geworden.
Es ist ja auch gesund, das Wohlgefallen, nur wenn es ausufert?
Dann bekommt man das nackte Erschrecken bei so einer täglichen Fotoschau.
Wie aber sieht man sich selbst?
Als ich jung war und nicht schwerhörig, war ich sehr gesellig und diskutierte leidenschaftlich gern, weil ich ja auch alles verstand, besonders mit schönen Frauen redete ich gern.
Und ich selbst war ja auch mit einer sehr schönen Frau verheiratet, die allerdings insofern gestört war, dass sie ihre eigene Schönheit nicht sah. Das ist eine andere Geschichte.
Einmal sagte sie, und das werde ich nie vergessen:
"Du siehst nach nüscht aus, aber wenn du den Mund aufmachst, kriegst du sie alle rum."
Inzwischen mache ich bei realen Gesprächen kaum noch den Mund auf, denn wer nix hört, verliert den Kontakt zu den Menschen, und ich denke auch nicht, dass sich das Aussehen im Alter verbessert hat.
Nicht umsonst gibt die Gesellschaft den alten Leuten eine Rente, das ist auch eine Aufforderung sich zurück zu ziehen, oder?
Das tue ich.
Nur manche können das nicht, und sie halten sich immer noch für schön

hier

Es ist aber nicht so.

Na allen Schönen und Nicht-so-Schönen eine gute Woche, bald ist Pfingsten und da wird der Heilige Geist ausgegossen und wir werden sprechen in allen Zungen und uns alle verstehen :-))
74

17
Mai
2015

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Der Rat der Götter

Lorbeer bekränzt
nach der gewonnenen Schlacht
sitzt der Held auf dem Thron
ringsum die gefallenen Gegner
und verloren
schweift sein Blick
in die Ferne
allein ist er nun im Ruhm
seines Erfolges

In der Ferne
erkennt er die Hütte des Einsiedlers,
der aus dem Bach
klares Wasser schöpft
heiter in seiner Einsamkeit
die Ruhe genießend
nie liebte er den Kampf
und brauchte keinen Sieg
um zu gewinnen

Zornig nun der Herrscher
dieser hat sich
nicht unterworfen
er befiehlt die Pferde
zu satteln
um zu reiten
im Sturm
gegen den Mann

Dieser schreitet
zu seiner Hütte am Berg
bittet die Götter
um Frieden
und lächelt entrückt

Die Götter beraten sich
lange
genug
unentschlossen
bis wieder einmal
das Schwert entscheidet
136

14
Mai
2015

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Laurence Anyways

Wir sind natürlich alle normale Leute, heterosexuell, tolerant und im Alter fest in unseren Ansichten. Wirklich?
Gestern Abend der Film in Arte zeigte ganz schön wie es ist, wenn jemand sich in einem fremden Körper fühlt. Und er zeigte auch, wie so normale Leute im Umfeld damit umgehen.
Er zeigte sogar sehr beeindruckend eine große Liebe zwischen einem Mann und einer Frau, nur fühlte sich der Mann eigentlich auch wie eine Frau. Und er ging seinen Weg in das andere Geschlecht, wurde von einem ER zu einer SIE.
Eigentlich unverstellbar für normale Leute, oder?
Zerbricht daran eine Liebe? Muss sie daran zerbrechen?
Oder ist Liebe mehr als nur die gelebte Art der Sexualität zwischen zwei Menschen? Spannend.

hier

In Zeit online bringen sie eine Serie von Leserartikel über die unterschiedliche Art Liebe zu leben.
Lesen Sie mal

hier


Ansonsten ist heute natürlich Herrentag und Saunatag und überhaupt gilt die Liebe zum Leben immer noch :-)))
97

12
Mai
2015

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Der depressive Dichter

Bin mir selbst so fremd geworden
erkenne mich im Spiegel nicht
andrer Menschen Blicke morden
bin ein jämmerlicher Wicht

Vertun meines Tages Stunden
sich in lächerlicher Qual
dreh 'n nur immer wieder Runden
find' zum Weinen keine Wahl

Lautes Lachen hab' ich verlernt
kann nur mühsam leise grienen
alles Lieben hat sich entfernt
Dunkel ist es mir erschienen

Noch an bess're Zeiten glauben
wohl gelingt 's mir gar nicht mehr
auf den Dächern gurren Tauben
und ich bin innerlich so leer

Selbst der Kühlschrank will höhnen
wie ein feindliches Geschwalle
niemand hört noch mein Stöhnen
Milch ist sauer, Schnaps ist alle

Finster schwanke ich zum Bette
um dort ganz still zu verbleichen
Gedanken an die Liebe, diese Nette
wollen auch nicht einfach weichen

Lacht jetzt mit and'rem Manne
über mich, den armen Tropf
Das ist Hohn aus voller Kanne
wer zieht mich nun an den Schopf

Muss das ganz alleine schaffen
spring mit einem großem Satz
aus dem Bette, werd' es raffen
wer ist hier der wahre Schatz

In meinem Kopf, in meinem Herzen
pumpt der wahre Lebenssaft
und es weichen schlaffe Schmerzen
ha, ich habe wieder Kraft

Alle Teufel gilt 's zu vernichten
und da hilft – einfach das Dichten
:-)

Übrigens las ich gerade, "Der arme Poet" von Carl Spitzweg soll angeblich das beliebteste Gemälde der Deutschen sein, wäre aber in Frankreich beispielsweise nahezu unbekannt, hier in der Pinakothek:

Carl_Spitzweg_-_Der_arme_Poet_-Neue_Pinakothek-
102

10
Mai
2015

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Zum Muttertag

Der beste Satz über eine Mutter stammt nach meiner Ansicht von einem Autoschlosser, der mit seinem Kollegen einen Motor repariert:
"Wenn du noch 'ne Mutter hast, schmeiße sie mir mal rüber."
Ich selbst bin ja nur einfacher Vater, aber hatte in der Kleinkinderzeit durchaus auch mütterliche Gefühle für meine Tochter.
Ich habe sie heute angerufen, die dreifache Mutter, die seit kurzem mit der Familie in England lebt, sie war gerade dabei Regale zu montieren und nebenbei Essen zu kochen, da telefonierte der Enkel mit mir.
ich erklärte ihm, dass es in Deutschland den Muttertag gibt und was man da als Sohn zu machen hat, nämlich zu gratulieren. Er war ganz begeistert und rannte gleich zu seiner Mutter, seine kleine Schwester mit, die schenkte kurz entschlossen ihre Lieblingskette der Mutter.
Ich hörte da so was wie:
"Ja, ganz lieb von euch, aber nun steht hier nicht im Weg rum, ich hab' zu tun."
Fromm sind die übrigens auch nicht.
Muttertag.
Nun gut, ich verlinke hier mal einen alten Artikel aus der TAZ, durchaus lesens- und bedenkenswert:

hier
68

Das blaue Cabrio - eine Romanze (bearbeitet)

„Was lese ich denn da?“
Dieter, der Dicke, wie ihn Ulrike in einer Mischung von Zärtlichkeit und Abfälligkeit nennt, lässt die Zeitung sinken und schaut sie an, grinsend von einem Ohr zum anderen. Er sitzt da breit und feist auf seinem Küchenstuhl am Frühstückstisch.
„Was liest du denn?“, fragt Ulrike. Wie jeden Morgen war sie eine Stunde früher aufgestanden, während der Herr Frühpensionär noch schnarchte.
„Hör zu“, sagt er und nimmt die Zeitung wieder hoch, „wer ist die Frau, die jeden Tag zwischen neun und zehn mit einem blauen Cabrio Typ Renault auf der Straße von Weißensee nach Bernau unterwegs ist. Ich möchte sie gern kennen lernen“, Dieter lässt die Zeitung wieder sinken und schaut Ulrike an, „und dann steht da eine Telefonnummer...“ Er schweigt bedeutungsvoll.
Ulrike fällt beinahe ein Happen des Brötchens aus dem Mund.
„Du machst Witze.“
„Nein“, sagte Dieter, „ das steht unter Vermischtes, soll ich dir die Nummer aufschreiben?“
„Nein“, entgegnet Ulrike, „wer weiß wie viele blaue Cabrios der Marke Renault dort lang fahren, der kann nicht mich meinen.“
Ulrike ist Mitte vierzig. Sie arbeitet als Reinigungskraft in zwei großen Gaststätten im Randgebiet Berlins. Jeden Morgen fährt sie mit dem Auto auf der Straße von Weißensee nach Berlin. Mit einem blauen Cabrio Typ Renault. Ulrike ist eine sogenannte graue Maus, ein stilles zierliches Persönchen, unscheinbarer geht es nicht. Das blaue Cabrio ist eine Anschaffung, die Dieter anregte. Er liebt es, an Sommersonntagen mit offenem Verdeck durch die Straße zu fahren, ganz langsam Unter den Linden entlang. Dieter pflegt sich seine Träume zu erfüllen. Wenn auch gebraucht. Jetzt, wo die Kinder aus dem Haus sind.
Da sie aber arm sind, fährt wochentags Ulrike mit diesem Auto zum Putzen.
Sie fühlt sich dabei wie ein Entlein im Schwanenkostüm.
„Ich denke nicht, dass außergewöhnlich viele blaue Cabrios zwischen neun und zehn dort fahren.“
Jetzt wird Dieters Grinsen süffisant.
Ulrike gießt ihm Kaffee nach.
„Ist mir egal.“ Ihre Hand zittert etwas.
Dieter schweigt und liest die Zeitung weiter. Plötzlich scheint ihm etwas einzufallen.
Er lässt die Zeitung wieder sinken.
„Hast du denn das Verdeck runter, wenn du da fährst?“
Ulrike läuft rot an. Sie fühlt sich ertappt, allerdings ungerecht ertappt.
„Na klar, wenn die Sonne scheint.“
Auf einmal guckt Dieter ganz ernst.
„Möchtest du die Zeitung heute mitnehmen, wegen der Telefonnummer? Ich gebe sie dir, schließlich könntest du dich verbessern?“
Er lacht unvermittelt laut wiehernd.
Ulrike lacht mit, aber es schnürt ihr das Herz zusammen.
„Nee“, sagt sie, „einen besseren als meinen Dicken findet so eine wie ich eh nicht mehr.“
So ein selbstgefälliges Arschloch, denkt sie hilflos.

Eine Viertelstunde später steigt sie in das Cabrio ein. Die Sonne scheint. Surrend senkt sich das Verdeck.
Ulrike starrt auf das Haus vor sich. Dort befindet sich ein Zeitungsladen.
Sie zögert.
„Ach Quatsch“, sagt sie dann laut und legt den Rückwärtsgang ein, um aus der Lücke zu kommen, in der sich sich befindet.
Hoffentlich stößt sie nirgendwo an.
Manchmal würde sie sich am liebsten in sich selbst verkriechen.
Sie fährt.
In der Berliner Straße in Weißensee sitzt ein Mann und wartet... auf seinem Tisch im Straßencafé liegt ein stummes Handy.
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